Mein Traumurlaub und die Gorillas

Schon als Kind habe ich immer von der weiten Ferne geträumt, durch die Welt zu reisen und fremde Länder zu besuchen. Einiges habe ich mir schon erfüllt und doch ließ mich ein Gedanke einfach nicht los: Ich möchte große Gorillas in freier Natur erleben.

Endlich hatte ich Zeit, mir auch diesen Traum zu erfüllen. Aber vorher war noch eine Menge zu erledigen.
Zu aller erst las ich mich durch unzählige Reise- und Klimaberichte, denn ich wollte die beste Zeit für meinen Urlaub ermitteln, zum Beispiel in die Trockenzeit legen. Da in Ruanda das ganze Jahr über nur eine geringe Temperaturschwankung stattfindet, habe ich mich mehr auf Trocken- und Regenzeit konzentriert. Schließlich wollte ich alles, was ich mir vorgenommen hatte, auch sehen und nicht wegen strömenden Regen die ganze Zeit im Hotel verbringen. Außerdem hatte ich gelesen, dass es in der Regenzeit schon passieren kann, dass einige Straßen und Wege einfach unpassierbar werden. Ich hatte also die Wahl zwischen Dezember und Januar oder in der Zeit zwischen Juni und September zu fliegen. Meine Entscheidung fiel mir diesbezüglich nicht schwer, denn ich mag die Kälte in Deutschland nicht. In Ruanda liegt die Jahrestemperatur im Durchschnitt bei 20°C, also buchte ich für den Januar. Als ich alle Papiere zusammen und auch alle Impfungen hinter mich gebracht hatte, konnte es endlich los gehen.
Ich traf die Entscheidung, erst ab Brüssel zu fliegen und sparte damit zwei Zwischenstopps und fast fünf Stunden Flugzeit. Am späten Nachmittag hieß es dann endlich: „Hallo Ruanda – hallo Kigali“!
Nach meiner Ankunft in Kigali wurde ich abgeholt und zu meiner Unterkunft gebracht. Im Hotel erfolgte dann eine sehr nette Begrüßung durch die Reiseleitung und es wurde besprochen, wie die nächsten Tage verlaufen werden. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich eher mit netten kleinen Hütten gerechnet, die mit einem Strohdach vor der Sonne schützen. Weit gefehlt, denn das Hotel brachte mich erst einmal zum Staunen. Sehr komfortabel und auf dem neusten Stand, trotzdem äußerst gemütlich.

Nach einem guten Essen war ich allerdings reif für das Bett, denn die Anstrengung des Fluges steckte mir doch noch ganz schön in den Knochen.

Zehn Tage die ich nie vergessen werde

Ich hatte erstaunlich gut geschlafen und nach einem stärkenden Frühstück ging es direkt los, zur ersten Erkundungstour. Die historischen Sehenswürdigkeiten in und um Kigali haben nur noch wenig Ähnlichkeit mit den schauderhaften Ereignissen, die 1994 dort geschahen. Heute erinner nur noch die Genozid Denkmäler und die Gedächtniskirchen „Ntarama“ und „Nyamata“ daran, aber auch das Versöhnungsdorf „Bugesera“. Natürlich gibt es auch Sehenswertes aus der Kolonialzeit, ein Belgisches Lager, das Kandt Museum und die große Solaranlage von Kigali. Es ist schon bewundernswert, was diese Menschen in nur 20 Jahren geschafft haben.
Mit diesen ganzen Eindrücken ging es dann zurück ins Hotel, um mich für den nächsten Tag zu rüsten.
Der nächste Tag brachte nicht nur eine andere Erkundungsroute mit sich, sondern auch ein neues, aber auch sehr schönes Hotel, in das es nach der Tour durch Ruhengeri gehen sollte. Es ist kaum zu beschreiben, welche hinreißende Landschaft sich hier erstreckt, die ich auf dem Fahrrad genießen konnte. Vorbei an Bienenstöcken, bis hin zu den Zwillingsseen, konnte ich beobachten, wie die landesübliche Herstellung von Ziegeln betrieben wird.
Das war schon sehr aufregend. Trotzdem fieberte ich dem nächsten Tag entgegen, denn da ging es endlich zu den Gorillas.
Es war eine kurze Nacht für mich und das lag nicht unbedingt nur daran, dass ich vor Aufregung kaum schlafen konnte. Endlich sollte ich die letzten Berg-Gorillas Ruandas sehen. Der Aufbruch war schon sehr früh und es sollte ein langer und ereignisreicher Tag werden.
Im Umkreis der Virunga Vulkane leben diese seltenen Gorillas, die eigentlich die letzten ihrer Art sind.
Mein Wunsch, diese Tiere in freier Wildbahn zu erleben entstand, als ich den Film „Gorillas im Nebel“ sah. Ich war so fasziniert von der Ruhe, die diese großen und stattlichen Tiere ausstrahlten und auch, dass sie wie Familien in kleineren Gruppen zusammenleben.
Mir wurde vor der Tour gesagt, dass nur wenige dieser Gruppen an menschliche Besucher gewöhnt sind und aus diesem Grund nur kleinere Gruppen pro Tag zu einer dieser Menschenaffen-Familien dürfen. Auch, dass es unumgänglich sei, sich sehr ruhig zu bewegen und wenn möglich keine Fotos mit Blitz zu machen, weil es die Ruhe der Tiere stört. Diese Grundregeln sagte ich mir auf dem Weg in das Gorilla-Gebiet andauernd. Nicht zuletzt deswegen, weil mir die Spannung auf ein bevorstehendes Aufeinandertreffen fast den Atem raubte.
Die Morgenröte blinzelte durch die Bäume und die Geräusche der Natur waren einzigartig, kaum zu beschreiben. In meinem Trupp waren noch sieben andere Touristen, die genauso wie ich das Schauspiel des erwachenden Morgens bestaunten. Trotzdem, dass wir mit dem Jeep unterwegs waren, konnten wir all das genießen. Aber nun waren wir an dem Teil der Strecke angelangt, an dem wir zu Fuß weiter gingen. Dicke Wanderstöcke halfen uns dabei, das ein oder andere Hindernis aus dem Weg zu räumen. Bei größeren Schwierigkeiten standen die Reiseführer oder die Ranger bereit, um mit ihren großen und scharfen Macheten den Weg frei zu machen. Wir drangen immer weiter in das Gebiet der Berggorillas ein und plötzlich trat eine ungeahnte Stille ein. Da waren sie – eine Gorillafamilie mit einem Baby, was auf seiner Mutter herum krabbelte. Uns stockte der Atem und wir ließen uns auf dem feuchten und moosbewachsenen Boden nieder. Ich konnte nicht anders. Ich wollte so nah wie möglich an diese heroischen Tiere heran. So etwa fünf Meter trennten mich noch von der Gruppe der Gorillas, erst dann setzte auch ich mich hin. Es war ein Erlebnis der Extraklasse!

Mein Atem war für mich kaum hörbar und trotzdem wurde ich von dem Kleinsten entdeckt. Neugierig pirschte er (oder sie?) sich an mich heran und stupste meinen Fuß mit seinem Finger. Nicht bewegen, dachte ich mir nur und das war auch die beste Entscheidung. Als die Mutter des Kleinen merkte, dass er seine eigene Erkundungstour macht, kam sie schnell, um es zu holen. Dann zogen sie sich in ihren „Alltag“ zurück und ignorierten uns einfach. Ich konnte miterleben wie sie sich Futter besorgten und es aufteilten, wie sie Fellpflege betrieben und zwischendurch auch tollten und spielten. Unfassbar! Welches Schauspiel der Natur ich da erleben durfte. Dieses Abenteuer vergesse ich mein Leben lang nicht mehr!
Bei der ganzen, faszinierenden Beobachtung dieser Tiere, ging eine Stunde so schnell um, dass ich es kaum fassen konnte. Den ganzen Rückweg über habe ich nur noch an diesen Eindrücken festgehalten.
Die nächsten Tage waren auch sehr interessant. Auf dem Plan standen die Besichtigungen der Bierfabrik, des Thermalbades, die Teeplantagen und der Nationalpark mit den Schimpansen und einigen anderen Arten der Primaten. Flusspferde, Krokodile, Zebras und Unmengen von verschiedenen Vogelarten, die ich noch nie gesehen habe, bekam ich auch zu Gesicht. Aber nichts konnte mehr meine spektakulären Erlebnisse mit den beeindruckenden Gorillas toppen.
Ich denke nicht, dass das meine letzte Afrika-Reise war. Danke Touring-Afrika für die Hilfe bei der der Organisation dieser unvergesslichen Ruanda-Reise!

Frank B. aus Unna