Mein Mara Bush-Camp-Abenteuer 2007

Wirklich sehr interessanter und lesenswerter Reisebericht einer Reise in Kenia vom 15. – 2.11.07. Der Bericht und die Fotos wurde uns freundlicherweise von Biggi und Ihrer Website www.bribra.de zur Verfügung gestellt! Viel Spaß beim lesen!

Anreise

15.10.: fliege mit British Airways. Muss am Check-In-Schalter aus 2 Handgepäckstücken eines machen. Wie stellen die sich das vor? Ich packe doch nicht meine Kameraausrüstung in den Koffer. Bin ich verrückt???

Stecke meine Geldbörse, sämtliche Papiere in meine Jeanstaschen (sehe jetzt aus,als ob ich einen Elefantenhintern habe) und den Rest in den Metallkoffer zu den Fotosachen. Die große Handtasche wird in den Koffer gequetscht.

Langer Weg in London von Gate 1 zu Gate 4. Ich beeile mich, habe nur 30 Minuten Zeit bis geschlossen wird. Merke, wie ungesund das rauchen ist, bin am schnaufen wie ein Nilpferd.
Habe mich umsonst abgehetzt. London hat keine Sommerzeit, hätte also 1 1/2 Std. Zeit gehabt. Naja, Frühsport soll gesund sein.

Seit heute früh um 3 h habe ich nicht mehr geschlafen, im Flugzeug auch nicht und komme dementsprechend kaputt in Nairobi an.
Die Heckklappe vom Wagen geht nicht zu, einige Flughafenangestellte versuchen mit Werkzeug, es zu reparieren. Schön, so kann ich nach über 20 Stunden endlich ne Zigi rauchen. Tür will nicht schließen… Also ein Seil her und das ganze zugebunden. Muss ausreichen, bis wir im Fair-View Hotel im Zentrum sind. Koffer bleiben im Auto, nehme nur Zahnputz- und Waschsachen mit.

Der zweite Tag

16.10.: Besuche noch schnell Gaby von Sunworld im Office, dann den üblichen Weg zum Supermarkt, Zigaretten und das übliche dort einkaufen und endlich geht es los in meine geliebte Masai-Mara.
Halten auf dem ersten Berg an, ich atme auf – kann die gesamte Mara schon sehen, rieche förmlich die Luft. Ist zwar Einbildung, da laufend stinkende Lastwagen vorbeifahren – aber immerhin, ich sehe, wo ich in den nächsten 4 Stunden (oder länger?) sein werde.

Unterwegs kommt uns eine Fahrzeugkolonne entgegen, mitten drin Präsident Kibaki, der Wahlpropaganda in Narok hinter sich hat (selbstverständlich alle mit Mercedes – der hat ja auch genügend Geld). Jetzt merkt Herr Kibaki mal am eigenen Körper, wie säuisch der Weg von Nairobi in die Mara und zurück ist. Hoffe, er wurde richtig durchgeschüttelt und merkt jeden einzelnen Knochen.

Stellenweise ist die Straße repariert, aber es wird noch lange dauern, bis sie fertig ist. So dünn, wie der Teer aufgetragen wird, dauert es keine 2 Jahre und der Weg ist wie vorher…

Machen Rast in der Mara, haben von Sunworld leckeres Lunchpaket mitbekommen. Ein junger Maasai mit seiner Ziegenherde leistet uns Gesellschaft. Er spricht nur „Ma“, geht aber 3 Jahre zur Schule und lernt Suaheli.

Sehen mitten in der Savanne eine sehr alte Elefantenmama (ca. 60 Jahre alt, keine Stoßzähne mehr) ,mit einem Baby. Hoffentlich lebt sie noch so lange, bis ihr Kind alleine im Leben klar kommt und keine Muttermilch mehr braucht.
Kommen gegen Abend im Mara Bush-Camp an. Viel Personal vom letzten Jahr, was mich freudig begrüßt. Der Camp-Manager Ole Sitima soll ein Maasai sein – ich kann es nicht glauben. Er ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade schlank. So sieht also ein Maasai aus, wenn er „normale Nahrung“ zu sich nimmt und gerne Süßes nascht.

Die Zelte sind toll, liebevoll eingerichtet und geräumig.
Erfahre, dass ein natürlicher Schutzwall um das Camp gelegt wurde. Aus verdorrten Büschen und Zweigen, so das kein Hippo oder Löwe mehr rein kann. Wie ich erfahre, war wohl kurz vor meiner Ankunft doch ein Löwe in der Nähe des Küchenzeltes. Auch ein Elefant hat sich nicht abschrecken lassen.

Gerade auf nächtlichen Besuch in Form von Hippos, Löwen, Hyänen hatte ich mich gefreut. Aber natürlich geht die Sicherheit der Menschen vor. Letztes Jahr waren Askaris vom Militär dort und Kinder/Jugendliche durften nicht dort übernachten. Es war ja oft genug eine gefährliche Situation gewesen (sh. mein Bericht vom letzten Jahr).

Der dritte Tag

17.10.: Bin bereits um 4.30 h (in Deutschland wäre es 2.30 in der Nacht) vom brüllen eines Löwen in der Nähe geweckt worden. Setze mich vor das Zelt und starre in den Sternenhimmel. Die Hippos überhöre ich, die sind immer und ewig am grunzen. Eine halbe Stunde später höre ich Hyänen – ein Zeichen, dass die Löwen ihre Beute fressen und die Hyänen warten drauf, etwas ab zu bekommen.

Sehen heute morgen ein Löwenjunges mit einem blinden Auge. Glücklicherweise lebt es mit seiner Mama in einer relativ großen Löwengruppe, so das es nicht selber später auf Beutejagd gehen muss.

Kenia - Masai Mara - ReisenErfahre, dass einer der 3 Cheetah-Brüder eine schlimme Halswunde hatte und von Tierärzten aus Tansania und Mombasa behandelt wurde. Hoffe, sie irgendwann zu sichten. Leider streusseln die drei oft kilometerweit umher. Sie durchwandern am Tag ca. 10 Kilometer.
Die Kinder von Gepardin Kike (3 Boys, 1 Girl) sind schon lange nicht mehr gesichtet worden. Vermute, sie sind mal wieder außerhalb des Parks.

Wow, wir sehen einen bildschönen jungen Leoparden, ca. 2 Jahre alt, männlich. Ich bin total aus dem Häuschen, mein Herz klopft vor Freude. Leoparden sichten, das ist wie 6 Richtige im Lotto.
Kein anderes Fahrzeug in der Nähe und wir können ihn auf seinem Weg begleiten. Er läuft über den kleinen Seitenarm des Olorore-Rivers über Steine zu einem Felsen, markiert dort, flehmt, wäscht sich und gähnt uns an.
Dann kommt er auf unsere Seite, legt sich malerisch ins Gras und läßt sich bestaunen. Wahnsinn!!! Ich gebe ihm den Namen „Peter“, weil mein Safari-Guide so heißt und 3 andere Männer im Camp auch.

Was habe ich für ein Glück. Kaum im Talek-Gebiet der Masai-Mara und ein Leopard so nah beim Auto. Wenn er im Gebiet der Serena- oder Keekerok-Lodge wäre, würden schon wieder 15-20 Autos drum rum stehen.

Halten uns über 2 Stunden bei „Peter“ auf. Ich kann mich nicht los reißen. Er hat richtig liebe Augen. Wenn man ihn so ansieht, kann man nicht glauben, wie gefährlich Leoparde sind. Mache Fotos wie ne Irre. Habe mir ein
externes Speichergerät gekauft, wo 30 GB Platz haben. Also lieber mehr Fotos, als zu wenig…

Der vierte Tag

18.10.: Wir sind kaum aus dem Camp raus, begegnen uns 3 Löwenbrüder, im Gefolge 4 junge Löwenmädchen. Mmh… kann nur eines bedeuten: Gruppensex?

Die Girls wollen Sex, machen die Männchen an, strecken ihnen ihr Hinterteil entgegen. Die Kater knurren, haben keine Lust, sind erschöpft.
Halten an, Motor aus und warten… Keine 10 Minuten später geht es los. Auf Deutsch: „ran, rauf, runter“. Kater springt auf Katze, runter von Katze, Katze faucht, schlägt nach ihm, rollt sich im Gras.

Sehen eine Gepardin (kenne sie nicht, muss aus einem anderen Gebiet hergekommen sein). Sie ist sehr mager, eingefallen, furchtbar schmales Gesicht. Sie hat 2 Kitten, ca. 7-8 Monate alt. Die beiden Spielen und toben durch die Gegend.

Überall sind derzeit Topis mit neugeborenem Nachwuchs. Ist alles verkehrt in diesem Jahr. Topis bekommen sonst ihre Kinder in Tansania. Auch Gnus gibt es sehr wenige dieses Jahr in der Mara.

Finde beim Frühstück unter Baum Zähne von einem Gepardkind. Könnte heulen, reiße mich aber zusammen.

Eine riesige Elefanten- und Giraffenherde mit vielen Jungtieren sehen wir heute noch.
Außerhalb des Parks sind überall Brände. Der Dorfälteste Maasai legt sie gezielt, damit das junge kommende Gras Platz hat.

Der fünfte Tag

19.10.: Es ist 6.15 h und wir sehen in der Nähe des Airstrips (5 Minuten vom Camp entfernt) viele Hyänen mit einem Jungtier. In der Morgensonne warten wir, bis das Licht sie rötlich färbt.
Was ist los? Kaum fahren wir weiter sehen wir die drei Löwenbrüder beim Deckakt. Ich weiß gar nicht, welches Pärchen ich als erstes fotografieren soll.

Peter, der für mich filmt, lacht sich kaputt. Er schwenkt die Filmkamera von einem zum anderen.
Über zu wenig Löwen brauchen sich die Gäste dieser Gegend im nächsten Jahr jedenfalls keine Sorgen zu machen. Das andere große Löwenrudel lebt ja auch noch hier in dem Gebiet.

Packen unseren Tisch, Stühle, Essen usw. aus, um Rast in der Nähe der Serena-Lodge zu machen… Ja – Picknick im Busch wird immer exclusiver! Sunworld war der Meinung, meine kaputten Knochen vertragen das Sitzen im Gras nicht mehr. Danke, Sunworld…. ist ideal für mich.

Picknick geht nicht – müssen ins Auto. Warum??? Weil aus dem Gebüsch geradewegs ein schwarzes Nashorn auf uns zu kommt.
Wir warten im Auto, bis es sich entfernt und in dem Buschwald verschwindet.

Am Mara-River hat sich eine große Gnuherde versammelt. Ca. 1.500 Tiere. Werden mal warten, vielleicht sehen wir ein Crossing.
3 weitere Autos mit Profifotografen warten ebenfalls. Es ist noch nicht ersichtlich, welchen Übergang die Gnus nehmen wollen. Stehen zwei zur Auswahl.
Die Sonne knallt mir auf die Haut, mir ist langweilig, kein Tier bewegt sich.
Doch – jetzt kommt Bewegung in die Gruppe. Ich glaub, ich spinne: die drehen sich alle um und gehen zurück in die Mara, anstatt über den Fluss zu gehen.
Sehen später, dass dort viele Krokodile waren.

Wollen langsam zum Camp zurückfahren. Peter guckt durch sein Fernglas. Hat er einen Geparden gesichtet? Er fährt abrupt quer durch das hohe Gras und hält an. Ein ganz junger Leopard, ca. 7 Monate alt, liegt dort. Keine Mama weit und breit.
Er will sich aufstellen, knickt ein, schmerzerfüllte, ängstliche Augen gucken uns an. Die Pupillen sind schwarz wie die Nacht, ein Zeichen von großem Schmerz und Angst.
Ich fange zu heulen an. Sieht aus, als ob er sich ein Bein gebrochen hat. Das ist sein Todesurteil… Ein Foto mache ich und bete, dass der kleine Kerl Erlösung findet. Seine Augen … es ist unbeschreiblich, welche Empfindungen sich darin wieder spiegeln.
Peter telefoniert. Ein Ranger kommt, bewacht den kleinen, verletzten Leoparden.
Peter ruft bei Daphne Sheldrick in Nairobi an (Elefantenwaisenhaus) – die Ranger haben kein Telefon, sie ruft zurück und lässt sich den Platz beschreiben, wo der kleine Leopard liegt.
Peter sagt irgendwas vom Tümpel mit grünen Algen, diesem und jenem Baum usw.
Ein Tierarzt kommt gegen 16 h aus Nairobi angeflogen, der Leopard wird narkotisiert und in eine Klinik gebracht, wo die Ärzte Erfahrung mit Raubkatzen haben.

Ich bin beruhigt. Jetzt weiß ich, dass dem armen kleinen Kerl geholfen wird, er schmerzstillende Mittel bekommt und behandelt wird. Klar – er kann nie mehr in die Wildnis zurück. Konnte ja noch nicht jagen und töten, ist noch auf Muttermilch angewiesen. Aber er kommt später in den Nationalpark in Nairobi, wo er zwar in „Gefangenschaft“ ist, aber dennoch ein großes Gebiet hat und mit Futter versorgt wird.

Sehen auf dem Nachhauseweg nochmal einen Löwen-Deckakt. Wir beide kommen uns langsam vor, als ob wir einen Pornofilm drehen… Aber auch einen schönen Gaukler (Vogelart) bekomme ich vor die Linse.

Der sechste Tag

20.10.: Fahren Richtung Ilkeliani-Camp. Am Talek-River ist der Leopard Chui (Sohn von Bella), aber er ist nur zu erahnen, für ein Foto ist das Buschwerk zu dicht.
Klar, Chui ist ein Kind von Bella – der hat von seiner Mama gelernt, wie man sich vor neugierigen Touris versteckt.

Eine große Löwenguppe mit Nachwuchs liegt unter einem Busch. Wir fahren weiter. Die armen Löwen sind von 10 Autos umzingelt. Das mag ich nicht… wir sehen noch oft genug Löwen, wenn wir alleine sind. Außerdem sind alle am schlafen und haben vollgefressene Bäuche.

Stopp – vor uns, unter einem Baum liegen die drei alten Cheetah-Brüder. Mein Gott, sind die alt geworden. Einem fehlen Zähne, alle sind schmal im Gesicht geworden. Aber alle drei sind wohlgenährt, haben einen kugelrunden Bauch.
Ich sehe mir alle drei genau an. Der Gepard mit der Halswunde – sie ist kaum mehr erkennbar. Frische Haut wächst drüber, keine Entzündung oder ähnliches ist zu sehen. Freue mich… die Ärzte haben gute Arbeit geleistet.

Fahren wieder zu dem kleinen Fluss-Seitenarm in der Hoffnung, den jungen Leoparden wieder zu finden. Hab ich ein Glück!!!
„Peter“ hat ein Impala getötet und schläft jetzt satt und zufrieden im Schatten des Flussbettes. Das restliche Fleisch liegt etwas abseits, von Geiern aber nicht einsichtbar.
Beobachten ihn noch 2 Stunden lang, dann müssen wir ins Camp zurück. Wird langsam dunkel.
Im Camp reden sie nur noch von mir als „Mama Chui“, also Leoparden-Lady. Sage, dass ich vom Herzen her immer Geparde lieben werde, aber die Leo`s sieht man halt so selten. Und traumhaft schöne Tiere sind es ja auch.

Der siebte Tag

21.10.: An dem Fluss, wo man nur bei niedrigem Wasserstand rüber fahren kann (sonst ist es ein Riesenumweg), ist ein Fischadler und ein Storch. Mache schnell ein Foto, bevor Peter den Motor abwürgt. Die uralten Steine im Wasser sind eine Herausforderung für jeden Fahrer. Minibusse würden hier massive Probleme bekommen.
Kaum auf der anderen Seite, sagt Peter, das vorne ein junger Serval wäre. Wo??? Ich gucke mir die Augen aus, sehe keinen.
Ach du meine Güte, der sitzt direkt am Weg, fast vor unserem Auto!!!

Ist ca. 1 Jahr alt und wunderschön. Was bin ich glücklich. Servale sind nachtaktiv, selten zu sehen. Wir begleiten ihn noch ein Stück seines Weges, ich fotografiere wie verrückt.
Was ist los heute morgen? Das Talek-Gebiet der Mara scheint mich zu lieben…
kurze Zeit später, Richtung Keekerok-Lodge sehen wir eine große Löwengruppe mit 17 Tieren. Die Kleinen sind am spielen, die großen am schlafen.

15 Minuten später nächster Halt. Ich hoffe, dass meine Akkus so viele Fotos durchhalten. Eine Gepardenmutter mit zwei Halbwüchsigen Kindern ist am spielen. „Meine“ Cheetah`s. Bin glücklich, beobachten lange die kleine Familie.

Sehen noch einen Habicht, langsam lerne ich auch Vogelarten kennen und fahren wieder zu dem kleinen Fluss-Seitenarm, um nach dem Leopard „Peter“ zu gucken.

Ein Auto mit Profis steht am Fluss. Wir nichts wie hin…
Im dichten Buschwerk sehen wir das markant gefleckte Fell eines großen Leoparden. Wer ist das? Viel erkennen können wir nicht.
Peter fährt aussen rum auf die andere Seite des Flusses. Ab und an bewegt sich die weiße Schwanzspitze, Peter guckt durchs Fernglas, sagt, es scheint die Mama von „Peter“ zu sein. Bin furchtbar aufgeregt, hoffe, dass sie sich irgendwann bewegt und ich mehr als nur ihren Schwanz zu sehen bekomme.
Peter fährt direkt in den Fluss. Stellt sich dort rein, so dass er mit seinen Luchsaugen sie besser beobachten kann.
Bin mal wieder froh – wie so oft – das wir nur den kleinen Pajero haben. Mit diesem Wagen können wir überall hin.
Peter fährt wieder hoch auf die andere Flußseite, gegenüber den Profifotografen, stellt sich direkt oben hin. Habe Sorge, dass wir ins Wasser mitsamt Auto kippen.
Mein Gott – haben wir ein Glück!!! Die Leopardin (sehr groß) kommt nach ca. 2 Stunden) genau auf unser Auto zu. Jetzt erst sehen wir, dass unterhalb des Wagens an einem Busch ihre Beute vom Morgen (eine Thompson-Gazelle) liegt. Sie guckt uns wütend mit ihren Killeraugen an (hat wirklich Augen wie ein Killer), findet uns aber langweilig und fängt zu fressen an. Peter filmt wie verrückt (so nah hat auch er als langjähriger Guide noch keinen Leo gesehen) und ich knipse mal wieder wie ne Irre mit Dauer“feuer“. Sie ist wunderschön, aber ihre Augen jagen mir schon Angst ein. Leoparde haben schon öfters auch Menschen getötet. Sie sind wirklich sehr gefährlich.

Nach ca. 1 Stunde ist sie satt und legt sich wieder unten am Fluß in den Busch. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Camp. Peter muss der Crew davon erzählen. Mein Herz rast und mein englisch ist immer noch saumässig…
Zeige allen die Fotos und bin heilfroh, dass einige nicht verwackelt sind.

Der achte Tag

22.10.: Heute morgen wieder 2 von den 3 Löwenbrüdern gesehen. Dieses mal wollen die Männchen Sex, aber die Weibchen nicht. Wir lassen sie in Ruhe, fahren weiter. Schließlich habe ich noch viele Tage Gamedrive vor mir, eilt also keineswegs.
Hyänen an einem Wasserloch. Also anhalten, warten. Sie trinken etwas, sind schön als Wasserspiegelung zu sehen.
Kenia - Safari - ReiseUns kommt eine Riesenherde von ca. 100 Büffeln mit Jungtieren entgegen. Madenhacker und Stare picken ihnen das Ungeziefer vom Körper. Mir ist etwas mulmig, aber Peter meint, eine große Herde ist nicht gefährlich. Stimmt – sie latschen gemächlich um unser Auto herum.

Da – weit entfernt sehen wir den Moviestar Kike (aus Tagebuch der Raubkatzen von BBC) laufen. Ihre Kinder, 3 männlich, 1 weiblich) hat sie schon lange verjagd. Geparde sind Einzelgänger.
Wir begleiten Kike einen langen Weg. Hat einen vollgefressenen Bauch, also heute früh Beute gemacht. Sie läuft gemächlich fast neben unserem Auto, als ob sie uns wieder erkennt. Sie sieht immer noch traumhaft schön aus. 2 Söhne von ihr sollen auch wieder auf Autodächer von Touris springen. Klar – alles von der Mama gelernt.

Bör und Börli aus der Schweiz sind im Camp angekommen. Sie haben viel zu erzählen – von Samburu usw. (Tagebuch von Bör und Börli unter: http://www.boer.ch/
Die Buschtrommel hat funktioniert. Sie wussten bereits, dass wir Leoparden gesichtet haben.
Haben uns viel zu erzählen. Aber es hat noch Zeit…
Fahren wieder raus. Direkt am Airstrip treiben sich 4 Löwe herum.

Natürlich wollen wir wieder nach den Leoparden (sind ja jetzt Leo-Mama u n d „Peter“ dort) Ausschau halten.
Was ist das? Kein einziges Auto weit und breit. Sie sie weiter gewandert? Leoparde bleiben doch in ihrem Revier.
Wir suchen alles ab. Halt! Auf einem Baum sitzt ein junges Weibchen und nicht weit entfernt noch ein junges Männchen (nicht „Peter“). Die beiden haben wir noch nie gesehen. Ob die Leo-Mama 3 Kids großgezogen hat? Sieht bald so aus.

Leider müssen wir fahren, es wird dunkel. Aber morgen gucken wir wieder. Ist ja keine Entfernung zu dem Platz, wo sich die Leoparde aufhalten.
Richtung Serena-Lodge regnet es in Strömen, hier fängt gegen Abend ein kurzer Schauer an. Gut so, der trockene Savannenstaub setzt sich in sämtliche Öffnungen fest, bin laufend am niesen.

Der neunte Tag

23.10.: bereits um 6.15 h sehen wir das eine junge Leopardenweibchen in der aufgehenden Sonne im Gras liegen. Wir warten… klar – so einen Anblick sieht man nicht oft.
Sie geht auf einen Baum, frisst ewig an einer Thompson rum und schleppt den Rest runter und geht mitsamt der Restbeute in den Busch. Sie hat fast die ganze große Gazelle gefressen, kann kaum laufen mit dem dicken Kullerbauch.

Dann sehen wir Leo „Peter“ wieder, beobachten, fotografieren und filmen ihn bis ca. 11.45 h. Er ist wirklich zu schön und hat absolut keine Scheu vor Autos oder Menschen, die ihn bestaunen.

Beim Lunch im Camp kommt eine große Elefantenkuh, die Crew und der Manager beobachten sie argwöhnisch. Kommt sie rüber???
Nein, alles bleibt friedlich. Sie will nur grasen und im Fluss trinken.

Börli und Bör haben heute eine Ballonfahrt gemacht. Soll traumhaft gewesen sein. Wir haben sie fotografiert, wie ihr Ballon gerade über den Leoparden im Baum schwebte. Habe später erfahren, dass sie vom Ballon aus auch uns fotografierten. Grins… (das könnt ihr alles in ihrem Tagebuch nachlesen).

Heute nachmittag haben wir wieder die Leopard-Mama bis 18 h beobachtet. Sie war vollgefressen, hat nicht einmal eine Pfote bewegt. Wieder kleiner Regenschauer, sie geht in die Büsche…

Der zehnte Tag

24.10.: Schön – wir sehen Kike wieder. Sie muss seit gestern wenigstens 8-10 Kilometer gelaufen sein. Hier in dieser Gegend haben wir sie nicht vermutet.
Kenia - Safari - GepardSie beobachtet eine Thompson-Gruppe, aber sie ist sehr weit weg. Weit ab am Wege warten wir ab, was Kike macht. Wieder ist kein anderes Auto weit und breit zu sehen. Bin froh darüber. Wenn ich an letztes Jahr denke, wo sich ein Driver direkt vor einen Gepard stellte, der jagen wollte, könnte ich dem heute noch den Hals umdrehen.
Kike hat es sich anders überlegt und läuft gemächlich weiter. Wir folgen ihr ganz langsam und leise. Sie geht zu einem kleinen Wasserlauf, läuft vorsichtig über die großen Steine (ja kein Wasser an die Pfoten lassen – igitt!!!). Fotografiere mal wieder wie eine Verrückte. Komme mir vor, als ob ich noch nie im Leben einen Geparden gesehen hätte. Aber mein Herz hängt an diesen Tieren – viele kenne ich seit Jahren, so auch Kike…
Ein wunderbares Bild – Kike als Reflektion im Wasser und über ihr im Sand ihr Schatten. Hoffe, dass ich nicht gewackelt habe.

Hyänen sind am fressen, mitten drin ein Junges. Die Hyänenweibchen sind größer wie die Männchen, weil sie dadurch stärker sind und ihre Jungtiere vor den Männchen sichern können, die sie oft und gerne töten. Ihre Vorderbeine sind höher – von der Natur sinnvoll eingerichtet. Dadurch verbrauchen sie weniger Energie.

Der Mara-River führt momentan wenig Wasser. Hippos und Krokodile liegen faul herum. Noch vor einigen Wochen sind über 1.500 Gnus im River ertrunken, so hoch war der Wasserstand. Die Ranger erzählen mir, dass es am Mara-Gate, wo auch ein Gnu-Übergang ist, es bestialisch gestunken haben soll. Einige ertrunkene Gnus und Zebras sind immer noch zu sehen. Ihre Körper sind dick aufgequollen, kein schöner Anblick.
Sehen in kurzer Entfernung zwischen den hohen Lavasteinen Skelette von Hippos. Die Löwengruppe, die sonst hier in der Nähe des Crossings auf Beute wartet, musste sich wohl zusammentun und Hippos reissen.

Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir noch einmal Kike. Sie ist ein Schatz. Langsam glaube ich, dass „irgendwer“ im Himmel möchte, dass ich meine Lieblinge so nah und lange beobachten kann. Bin furchtbar glücklich.

Erfahre von Jonathan und Angela Scott sowie von Sabah Douglas-Hamilton, dass sie im September, also vor kurzer Zeit, eine weitere Folge von Tagebuch der Raubkatzen gedreht haben. Jetzt filmen sie „Zawadi“ (ist suaheli und heißt übersetzt = Geschenk), eine Tochter von Kike (suaheli, übersetzt = weiblich), die das erste mal Junge bekommen hat.
Momentan sind sie privat im Talek-Gebiet unterwegs. Mit normalen Kameras, also nur 400 mm und 300 mm Objektiv. Jonathan Scott fährt selber, wie immer. Ich bewundere diesen Mann. Ein soo berühmter Fotograf, Movie-Maker, Zeichner usw. und trotzdem so natürlich geblieben. Kein bisschen überheblich. Der übliche Aufkleber am Auto „Big-Cat Diary“ ist entfernt, ist auch nicht der sonst übliche große Kamerawagen. Sie übernachten wieder im Gouverneurscamp, wo sie eigene Zelte haben. Vielleicht haben wir Glück und sehen Zawadi auch einmal. Kike ihre letzten Kinder (4 von 6 haben überlebt) sind auch vom BBC-Team nicht mehr gesichtet worden.

Ich wundere mich immer mehr. Nicht nur, dass die Topis alle neugeborenen Nachwuchs haben, auch viele Thompson-Gazellen.

Sehen wieder 3 Löwenweibchen mit zwei ca. 5 Monate alten Kids. Fahren weiter, da alle am schlafen sind.

Machen uns auf, zum Fluss, wo die Leoparden sich aufhalten. Vielleicht sehen wir meinem momentanen Liebling, den „Peter“ wieder.
Wir sehen den Fotografen „Serge“, einen Kollegen und Freund von Romain Grisius vor einem Graben stehen. Er ist auch einige Tage im Mara Bush-Camp. Bin neidisch auf sein Objektiv. Aber als ich den Preis höre – nein, ist nicht meine Preisklasse. Bin schließlich Amateur. Aber vielleicht ist für nächstes Jahr ein 400 mm Objektiv drin. Wäre dann mit meinem alten Gehäuse wie ein 650 mm-Objektiv.

Tief unten im Flussgraben, halb versteckt hinter Zweigen, liegt die Leoparden-Mama und frisst wieder eine Thompson-Gazelle. Schade, dass ein dicker Zweig vor ihrem Gesicht ist. Zu gerne würde ich aussteigen, um ihn abzuknicken. (nein – bin ja nicht lebensmüde, will schließlich spätestens in einem Jahr nach Kilifi ziehen).
Bör und Börli kommen mit ihrem Fahrer angebraust. Schade – sie haben Pech. Mittlerweile kamen noch andere Safari-Autos und versperrten beiden die Sicht. Wir fahren zurück, haben ja lange genug in Ruhe die Leopardin beobachten können, um den beiden Platz zu machen. Sie hatten die Leo-Mama noch nicht zu sehen bekommen.
Mist, 2 andere Autos quetschen sich einfach dazwischen – keine Chance für Bör und Börli. Hätte ihnen von Herzen gegönnt, dass sie diese wundervolle Katze mit ihren Killeraugen sehen können.

Wir fahren später zurück zum Camp, Peter filmt noch das Auto von Bör und Börli, wie sie schaukeln und halb kippend die „Abkürzung“ über den Fluss nehmen. Im Auto merkt man selber kaum, wie gefährlich die ganze Sache aussieht.

Der elfte Tag

25.10.: Ist Vollmond? Scheint so… Habe kaum geschlafen. Um 4.15 h wecken mich die Zebras auf (war gerade am fest schlafen) und stoßen ihre Warnrufe aus. Lange waren sie zu hören. Danach höre ich das tiefe Löwengebrülle von einem Kater. Denke mir, dass die Airstrip-Löwen wohl Beute gemacht haben. Lange Zeit ist absolute Stille, dann geht das Geheule der Hyänen los. Höre fürchterliches Gezanke, also werden sie sich um die Reste der Löwenmahlzeit hermachen.
Endlich ist es 6 h und wir fahren los. Die Löwen und Hyänen müssten ja noch ganz in der Nähe vom Camp sein, dem Geräusch vorhin nach zu urteilen.
Stimmt – ein Schakal ist mit wenigen Zentimetern Abstand bei einem Löwen, der dickbäuchig sich in das Gras plumpsen lässt. Jetzt sehe ich mit eigenen Augen, dass sich die Raubtiere gegenseitig nichts tun. Nur für den kleinen Nachwuchs ist es gefährlich. Aber die großen ausgewachsenen Tiere respektieren sich gegenseitig. Die Rangfolge beim fressen ist geklärt. Erst die Löwen, dann die Hyänen, später die Schakale und am Ende die Geier usw.

Ein paar Minuten später, es ist noch halb dunkel, schnuppert eine vorwitzige Hyäne am Hinterteil vom Löwen. Den scheint das überhaupt nicht zu stören. Zuckt nicht einmal mit einer Wimper.

Wir fahren einige Meter, wo tierisches Gezanke zu hören ist. Sehen 21 Hyänen, das Hyänenrudel, was sich sonst immer in der Nähe vom Talek-Gate aufhielt, war auch mit dabei. Ich erkenne sie daran, weil drei Tiere davon ein Sendehalsband tragen. Von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft ist seit etlichen Jahren eine junge Frau unterwegs, teilweise zu Fuß in Begleitung von 3 Maasais, teilweise mit Auto, um ihr Verhalten zu studieren.

Hunderte Geier kreisen schon voller Erwartung um das ganze Geschehen. Jetzt kommt die Morgensonne hoch. Kann gute Fotos machen. Peter filmt das Gezanke und Gekreische der Hyänen. Irgendwie finde ich die Hyänen aufgrund ihres ganzen Verhaltensmusters unheimlich interessant. Es sind, genau betrachtet, schöne Tiere, mit wunderschönen großen Augen und schöner Fellzeichnung. Was so gruselig aussieht, ist nur ihre Gangart. Habe mich seit einigen Jahren mehr mit dieser Gattung beschäftigt. Viel über ihr Verhalten usw. gelesen. Und sehr viel kann ich persönlich in Kenia davon sehen, beobachten.

Wir wollen wieder zu den Leoparden, sehen aber auf einem Termitenhügel die Gepardin Zawadi und ihre beiden Kinder. Zawadi ist sehr dünn, die jungen Hüpfer werden anstrengend sein und ihr wohl das meiste ihrer Beute wegfressen. Sie sieht ihrer Mama Kike sehr ähnlich, die gleichen Gesichtszüge.

Ich denke daran, dass ich noch die Mama von Gepardin Kike gekannt habe, die Queeni – und jetzt sehe ich Zawadi, die jetzt das erste mal Nachwuchs hat.

Gerade das fasziniert mich so an der Talek-Gegend. Fast alle Geparde kenne ich seit Jahren und kann einen kurzen Teil ihres Lebens jedes Jahr aufs Neue beobachten.

Mir fällt ein, das alleine im Talek-Gebiet, Richtung Bush-Camp, momentan 10 junge Geparde leben, die die gefährlichste Zeit ihres jungen Lebens überstanden haben. Von Kike haben 4 Jungtiere überlebt und die drei anderen Mütter haben jeweils 2 Kinder, die fast erwachsen, selbstständig sind.

Jetzt geht es endlich weiter Richtung Leoparde. Habe mich natürlich, wie immer, ewig bei „meinen“ Cheetah`s aufgehalten.
Eine kleine Herde Elefanten ist im Wasser. Die Kleinen spielen und schmusen, kämpfen spielerisch. Ist süß anzusehen. Ein Gelbschnabelstorch pickt im Wasser nach jungen Fröschen. Sieht lustig aus, wie er immer einen Flügel hebt, um das Gleichgewicht auf dem steinigen Untergrund im Wasser zu halten.

Wir suchen den Flusslauf nach den Leoparden ab. Was ist los??? Nichtmal „Peter“ räkelt sich irgendwo im Gras, kein Leo irgendwo auf einem Baum. Umrunden noch einmal den gesamten kleinen Fluss. – Nix!!! Wie ausgestorben das ganze. Habe ja noch etliche Tage, irgendwann sehen wir sie wieder. Sind vielleicht kurzfristig von Löwen vertrieben worden.

Sehen noch einen Hammerkopf (Vogel) zum Abschluss im Wasser.

Der zwölfte Tag

26.10.: Bör und Börli haben gestern durch Zufall eine Serval-Mama mit ihren 3 Babys in einem Termitenbau gesehen. Wollen jetzt mal hinfahren und gucken. Vielleicht haben wir Glück. Der Bau soll in der Gegend der Serena-Lodge sein. Ihr Fahrer hat Peter beschrieben, wo sich der Bau befinden soll. Anhand von Merkpunkten, wie Z.b. umgekippter Baum, dicker Busch usw. können sich die Driver gut die Gegend merken. Für mich sieht alles fast gleich aus.

Wir kommen an, nichts rührt sich. Stehen wie blöde ewig davor, geben es erst einmal auf. Fahren weiter, um uns einen schönen Baum fürs Frühstück auszusuchen. Hohe Lavasteine, säuisch zu fahren. Aber Peter möchte mir einen Gefallen tun, weil dort oben ein sehr schöner Kakteen ähnlicher Baum steht. (Der Name ist mir entfallen). Iiiihgitt, ist das hier kalt und windig. Die Thermoskannen incl. Tassen machen sich selbstständig, landen auf der Erde. Wir essen schnell eine Kleinigkeit und fahren weiter.

Sehen heute nur das „übliche“. Ich bin ungerecht – habe jeden Tag so viel Schönes gesehen und erlebt und kaum kommt ein Tag, wo nichts los ist und ich bin enttäuscht. Kann mich über mich selber ärgern…

Bei Bör und Börli war gestern ein Eichhörnchen ähnliches „Etwas“ im Zelt. Nein, keine Ratte. Es hatte einen buschigen Schwanz. Sage ihnen, dass sie das Tierchen mir über Nacht in mein Zelt schicken sollen, damit ich Gesellschaft habe.

Gucken noch einmal bei einer Gnu- und Zebraherde, aber es ist wieder kein Crossing. Na, dann ebend nicht…

Ganz nah beim Camp sehen wir wieder Jonathan Scott und die anderen. Zawadi ist dort mit ihren Kindern. Alle drei sind am schlafen. Zawadi hat wieder einen etwas dickeren Bauch, ist nicht mehr ganz so eingefallen.

Der dreizehnte Tag

27.10.: Bör und Börli haben noch eine Morning-Gamedrive und müssen dann nach Hause. Lange freut man sich auf den Urlaub und dann vergeht die Zeit so rasend schnell und alles ist vorbei. Aber die Erinnerung bleibt für immer im Kopf.
Wir fahren wieder in die Richtung, wo wir gestern Abend Zawadi gesehen haben. Nirgendwo sind sie zu sehen. Aus früheren Pirschfahrten weiß ich, dass Geparde jeden Tag weit laufen, sie können schon wieder ganz weit weg vom Camp sein.
Sehen einen Löwen, der gemächlich an einer Gruppe Thompson-Gazellen lang trottet. Die Gazellen haben keine Angst. Sie merken wohl an seinem Verhalten, dass der satt ist und keine Lust am jagen hat.

Am Rastplatz, wo oft die Minibusse und Ballon-Touren Rast machen, sehen wir die drei Gepardbrüder wieder. Ich freu mich sehr. Alle drei haben kullerrunde Bäuche. Einer tut mir den Gefallen und gähnt (seit letztem Urlaub habe ich meinen Spass daran, die Tiere mit ihren Zähnen und Zunge zu fotografieren). Sehe seine Fangzähne. Sehen noch gut aus. Ich hoffe, dass ich sie wenigstens noch 2 Jahre lang sichten kann. Geparde in freier Wildbahn werden max. 8-10 Jahre alt. Wir begleiten die drei noch lange. Sie gehen gemächlich ihres Weges. Ihre Gesichter sind furchtbar eingefallen. Naja, an mir geht das Alter auch nicht spurlos vorüber… Sie beobachten Gnus, die in der Nähe grasen, haben aber kein Interesse daran.

Peter hält mal wieder abrupt sein Auto an. Was sieht er? Keine Ahnung.Er zeigt auf einen Baum und sagt was von: Verreaux`s Eagle owl. Verstehe kein Wort. Er blättert in seinem Vogelbuch (hat er sich gekauft, weil dort die Namen sowohl in Latein, als auch in Englisch und Deutsch zu lesen sind) und ich lese, dass es ein Milchuhu ist. Hab den Namen noch nie gehört, geschweige denn solch einen Nachtvogel jemals gesehen. Hoffe, dass die Fotos was geworden sind.

Freude: wir sehen Zawadi wieder mit ihrem Nachwuchs. Es sieht aus, als ob sie jagen will. Wir bleiben weit entfernt auf dem Weg. Wieder kein anderes Auto zu sehen – ein Glück. Ihre Kinder spielen in einer Böschung. Thompson-Gazellen kommen in Richtung Zawadi, mein Herz klopft wie wild.
Die Fluchttiere sehen Zawadi, drehen ab und rennen weg. Zawadi geht auf einen Termitenhügel, ihre Kinder auch und legt sich schlafen.
Schade, hätte ihr eine kräftige Mahlzeit gegönnt.
Peter ist mittlerweile nicht nur mein Filmedreher, sondern auch mein Suaheli-Lehrer. Jeden Tag bringt er mir neue Wörter und die richtige Aussprache bei. Mein Kopf brummt schon, bin schließlich nicht mehr die Jüngste. Lernen fällt immer schwerer.

Ist heute wieder sehr windig und kühl. Sehen Zebras und Gnus an einem Wasserloch trinken, aber sie springen in Panik weg, als Peter den Wagen anhält.
Ein sehr altes Warzenschwein (Kenia-Express) ist am Bein verletzt, bleibt mit seinem Nachwuchs in der Nähe vom Bau.

Wieder sehen wir die 3 Cheetah-Brüder. Beobachten sie 3 volle Stunden lang. Sie waschen sich gegenseitig, gähnen, markieren jeden Baum, jeden Busch und gehen Richtung Talek-River. Ich muss dringend auf die „Maasai-Toilette“, aber das ist spannender. Irgendwann bitte ich Peter, doch weiter zu fahren, damit ich schnell hinter`s Auto kann. Danach – keine 5 Minuten später – finden wir sie nicht mehr. Suchen die ganze Gegend ab. Das Gras ist hier sehr hoch, wenn sie irgendwo liegen, können wir sie nicht sehen. Zumal das Gras momentan gelb ist, vertrocknet.

Der vierzehnte Tag

28.10.: die Löwen scheinen es toll zu finden, bei der mondhellen Nacht schon morgens ab 4 h zu brüllen. Naja, gut gebrüllt, Löwe….
Kurz nach 6 h beobachten wir eine Löwin. Sie sieht hungrig aus, hält nach Beute Ausschau.

Am River sehen wir 9 Löwen schlafen. Das Löwenkind mit dem blinden Auge ist wieder dabei, kuschelt sich an seine Mama. Eine Löwin wird rollig, der Kater flehmt, sie knurrt ihn an – hat noch keine richtige Stimmung für eine Paarung.

Kommt schon wieder starker Wind auf. Die Regenzeit kommt bald. Wir beobachten wieder Löwen, die zu der Seite gehen, wo eine Gnuherde steht. Aber es passiert nichts. Keine Jagd…
Fahren zu Intrepid Zigaretten holen. Wer viel Komfort, Pool, Massagesalon, Shops, Riesenbuffet usw. haben will, ist dort bestens aufgehoben. Mir persönlich gefällt ein kleines Camp besser. Ohne gepflasterte Wege, Essen, was noch auf Feuer gemacht wird, abends uriges Lagerfeuer. Aber jedem nach seinem Geschmack.
Eine Herde Gnus läuft drei Löwen fast vor die Füße. Die Großkatzen gucken nur müde und schlafen weiter. Sind dumm. Das Frühstück wird ihnen praktisch auf einem goldenen Teller serviert…

Suchen wieder Zawadi. Die Leoparde sind nicht mehr an ihrem Fluss-Seitenarm. Wir fahren Richtung Mara-River, weil sehr viele Gnus zu sehen sind. Peter schätzt sie auf über 1.500 Stück. Wir warten 5 volle Stunden, ich weiß schon nicht mehr, wie ich sitzen soll. Habe Dachluke geschlossen, damit mir die Sonne nicht so auf den Pelz brennt.
Peter rast auf einmal los, ist als erster auf dem besten Platz. Innerhalb 5 Minuten sind alle Gnus über den Mara. Traue meinen Augen nicht.
Jonathan Scott kam kurz nach uns, er hat das Schauspiel leider verpasst.
Kein Gnu hat sich verletzt – alle kamen gesund auf die andere Seite des breiten Flusses.

Peter hat im Camp angerufen, dass wir nicht zum Lunch kommen. Sonst hätten sie sich Sorgen gemacht. Müssen ein kurzes Stück Offroad fahren, da ein neugeborenes Thompson-Kalb mitten auf dem Weg liegt. Es will aufstehen und rennen, fällt aber immer noch um.

Sehen Nähe Serena-Lodge zwei Nashörner. Den Bullen, der an uns vorbei ging, als wir Rast machen wollten und eine jüngere Nashorn-Dame. Das kann nur bedeuten, dass sie sich paaren wollen. Wir fahren außen herum, beobachten sie. Leider gehen sie kurze Zeit später in den angrenzenden Wald. Wollen wohl ungestört und ohne Zuschauer sein.

Ein Raubadler frißt eine Ratte, fliegt weg. Hoffe, das Foto ist was geworden. Hyänen gähnen mir ins Auto. Endlich habe ich mal Fotos von einem Hyänengebiss. Sehen noch eine große Wasserechse.

Der Fünfzehnte Tag

29.10.: 6.10 h: sehen ganz in der Camp-Nähe das Löwenrudel mit dem halbblinden Auge. Alle sind satt und schlafen.

Fahren nochmals dahin, wo anfangs die Leoparde sind. Wir sehen die Leoparden-Mama weit entfernt auf einem Baum mit ihrer Beute, wieder einer Gazelle. Viele Autos kommen angerast. Sie unterbricht ihre Mahlzeit, springt vom Baum und rennt in das angrenzende Buschland. Sie hat kaum was fressen können. Die Thompson blutet noch, aber die vielen Autos haben sie gestört. Das ist das schlimme am Funkverkehr bei den Safariunternehmen. Jeder hört alles mit und die Wagen kommen aus sämtlichen Himmelsrichtungen. Bin froh, das wir kein Funk im Auto haben.

Wir fahren zu einem Rastplatz, von wo aus wir das Buschland und den Baum mit der Beute sehen können. Vielleicht kommt die Leopardin wieder, wenn die Wagen weg sind.
Ein Schweifglanzstar leistet uns beim Frühstück Gesellschaft. Ein Hammerkopf fliegt zu uns auf den Baum.
Die BBC-Crew suchen das Buschland nach der Leopardin ab. Keine Chance. Die Sträucher sind so dicht, da kann selbst das geübteste Auge nichts entdecken, zumal dort auch tiefe Graben sind.
Die jungen Leoparde scheinen von ihrer Mutter weg gejagt worden zu sein. Die Mama selber ist sehr scheu und verkriecht sich – genau so wie die Leopardin Bella am Talek-River. Schade – aber 5 Tage lang konnten wir aus nächster Nähe alle beobachten. Das ist schon ein kleines Wunder für mich.

Wir warten noch lange, aber es wird sehr heiß. Da bleibt die Leopardin im Schatten. Wollen es am Spätnachmittag noch einmal versuchen.

Am Airstrip sind wieder sehr viele Gnus. Da werden die Löwen wieder fette Beute machen. Bis abends warten wir auf die Leopardin. Ihre Beute hängt noch im Baum. Aber sie kommt nicht…

Der sechzehnte Tag

30.10.: Die große Löwengruppe sucht nach Beutetiere, haben Zebras, Topis und Impalas im Visier. Wir warten lange – aber irgendwann legen sie sich wieder hin.

Kenia - Reisen - SafariZawadi tut mir den Gefallen und zeigt sich noch einmal. Sie liegt mit ihren Kleinen zwischen dem Lavagestein im Schatten.
15 Elefanten bewerfen sich mit Schlamm, sind viele Babys dabei.

Um 15 Uhr kommt ein heftiger Platzregen. Vorher sahen wir schon Richtung Olanana-Camp, dass es dort regnet.
Ich sehe im Gestrüpp einen Hammerkopf, sage zu Peter, ist nur ein Vogel. Er dreht sich halb um, hält und sagt, da wäre auch noch einServal!
Ich bin begeistert, ein relativ junger Serval, sehr schönes Tier. Er geht schnell in die Büsche, mag wohl nicht so oft fotografiert zu werden.

Kann einen Fischadler im Flug erwischen (per Foto). Sehen Impalas, Zawadi liegt weit entfernt auf der Lauer. Schleicht sich Zentimeterweise immer näher, springt auf, rennt los. Kann sie nicht mehr sehen. Wir fahren in die Richtung, wo sie hingerannt war.
Zawadi liegt flach im Gras, hechelt, das Impala lebt noch. Sie hält es fest, bis ihre Kids gekommen sind.
Ich weiss nicht, ob mein Mitleid mit dem Impala überwiegt oder ich mich freuen soll, dass sie Beute gemacht hat.
Ihre Kinder müssen töten lernen. Es ist grausam anzusehen. Das arme Impala lebt noch minutenlang, zappelt, windet sich. Das eine Jungtier hat es am Hals, das andere fängt schon an, es hinten aufzubeissen. Mir wird halb schlecht bei dem Anblick. Endlich hat ein Jungtier es erstickt…
Zawadi wartet, bis ihre Kinder gefressen haben. Sie lassen ihr kaum etwas übrig. Aber sie ist eine gute Mama – erst die Kinder…
Auf dem Weg zum Camp sehen wir einen Raubadler mitten auf dem Weg liegen. Er hat einen gebrochenen Flügel. Das ist sein Todesurteil. Er wird wohl diese Nacht nicht überleben.

Ich lasse mir mein Tusker-Bier (damit ich besser einschlafen kann) und mein Diner ans Zelt bringen. Die anderen Gäste reden nur englisch und ich fühle mich dann alleine an meinem Tisch nicht wohl.

Der siebzehnte Tag

31.10.: habe nicht gut geschlafen. Laufend von der Jagd und dem Impala geträumt. Mir ist klar, dass die jungen Raubkatzen das töten lernen müssen… aber es ist trotzdem ein schrecklicher Kampf für das Beutetier und es tut mir leid.

Packe schon meinen kleineren Koffer, der bei Sunworld bleibt und später von Gästen nach Kilifi gebracht wird. So habe ich schon alle Sommersachen dort und kann im März andere Sachen mitnehmen.

Zawadi jagd Gnuzs, läuft mit ihren Kindern weiter. Hat keinen Erfolg. Sie sieht schon wieder sehr eingefallen aus. Kein Wunder bei diesen gefräßigen Kindern.

Alle drei legen sich unter einen Busch im Schatten. Zawadi springt wieder auf, jagd einzelnen Impala – wieder kein Erfolg…

Wir sehen im Elefantengras (Tussok) am Mara-River 3 schöne Löwen. Sie gähnen mich nur an. Denken wohl: die hat genug Fotos von unserer Art – jetzt reicht es…

Der Himmel wird dunkel, viele Wolken kommen. Es wird auch Zeit, dass es regnet. Kaum mehr grüne Grashalme in dieser Gegend.

Sehen wieder die riesige Büffelherde und 4 kleine Schakale mit ihrer Mama. Sie sind ca. 8 Wochen alt, haben keine Angst. Spielen bei unserem Auto.

Zawadi scheint mir auch noch einmal zum Abschied tschüss sagen zu wollen. Ihre Kinder machen Jagd auf drei Strausse, ein göttlicher Anblick.

Viele Elefanten sind wieder in dieser Gegend.
Eine Löwin liegt auf der Lauer. Wir auch! Sie schleicht sich in Richtung Buschwerk, wir können kein Tier sehen. Auf einmal eine Riesenstaubwolke, ein großes Warzenschwein rennt wie verrückt weg, die Löwin bricht die Jagd ab. Dagegen ist sie wie eine lahme Ente. Sie sieht richtig gefrustet aus.

Sehen noch einmal Zawadi in der Abendsonne auf einem Termitenhügel mit den Jungtieren. Mir wird schwer ums Herz…. Der Abschied ist da….

Will heute abend nochmal im Zelt essen, soll aber ins Speisezelt kommen. Anordnung vom Camp-Manager. Mache es sehr ungerne, ahne, was da kommt:
Die Maasais tanzen für mich, singen ein Lied und der Chefkoch bringt eine Torte mit der Aufschrift: kwaheri Mama Duma.

Abschied und Heimflug

01.11.: heute morgen um 4.30 h höre ich noch einmal ganz nah das Löwengebrülle.
Wir machen noch eine kurze Pirschfahrt, frühstücken dann im Camp und fahren kurz nach 10 h los Richtung Nairobi. Sehen unterwegs einen riesigen Brand im Sarova-Gebiet. Es brennen auch viele Bäume und Büsche. Schon wieder wird die Infrastruktur mehr zerstört. Die Mara hat die letzten Jahre viele Bäume durch Brände verloren Es ist traurig, das zu sehen.

Machen unterwegs Rast, essen das eingepackte leckere Essen und ich bin traurig. Die wundervolle Zeit ist zu Ende – ich habe so viel Schönes sehen und erleben dürfen.

17 h: bin im Fair-View, lasse mir Badewasser ein, wasche meine Haare. Versuche, meine Gedanken zu ordnen. Aber mich graust es schon wieder vor dem morgigen langen Flug nach Hause.

Heimflug

Habe den freundlichen Kenianer am British-Airways-Schalter überreden können, dass ich einen Platz am Notausgang bekomme. Da haben meine langen Füße mehr Platz. 23.30 h: bin zu Hause. Lasse Koffer fallen, einmal kurz ins Bad und nur noch schlafen….

Vielen Dank für die schöne Zeit, die ich in der Masai-Mara verbringen durfte.