Die Zahl der in Afrika lebenden Ethnien ist bekanntlich deutlich höher als die Zahl der Nationen. Die meisten Staaten Afrikas sind Vielvölkernationen. Südafrika zum Beispiel besitzt alleine 11 offizielle Amtssprache, dazu werden dort viele weitere Sprachen gesprochen, die diesen Status nicht erlangt haben. Die Demokratische Republik Kongo ist ein einziger Schmelzltiegel unterschiedlichster Ethnien, Selbiges gilt ebenso intensiv für Nigeria.

Festgelegt wurden die heutigen Grenzen der Nationen relativ willkürlich auf der “Berliner Konferenz” der Kolonialmächte. Seitdem hat sich nur wenig an den Grenzen und der Zahl der vorhandenen Staaten verändert.

Doch wie würde Afrika heute politisch aussehen, wenn es die Kolonialisierung niemals gegeben hätte? Welche Reiche hätten die Zeit bis in die Gegenwart überdauert, wo leben welche größeren Ethnien in welchen Gebieten? Eine höchst spannende Frage, die selten erörtert wird, weil man die Grenzen innerhalb des heutigen Afrikas einfach für gegeben annimmt.

Ein Afrika ohne Kolonialisierung: ein spannendes Gedankenspiel

Dabei sind die wenigsten Staaten wirklich eine homogene Einheit in Bezug auf ihre Einwohner. Am ehesten gilt dies wohl noch für die Staaten Nordafrikas, insbesondere Ägypten, während ansonsten nur die Inselstaaten wie Madagaskar, die Kapverden oder Sao Tomé und Principe dazu gezählt werden können.

In fast allen anderen Nationen Afrikas könnte man sich auch eine Spaltung anhand ethnischer Verbreitung vorstellen, friedlich, nach dem Vorbild der Tschechen und Slowaken, die sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wie Brüder voneinander verabschiedeten, aber jeweils nun in einem eigenen Staat leben.

Eine solche — denkbare, mögliche, nicht zwingend richtige — Aufteilung auf vor der Kolonialisierung existierende Reiche und verbreitet Ethnien zeigt die folgende Infografik: Afrikas Staaten ohne Kolonialisierung.

Kontinent Afrika in völlig neuer Landordnung

Leider steht die Grafik des Kontinents Afrika nach üblichen Schemata auf dem Kopf, aber nur so sind auch die Namen und Bezeichnungen sichtbar.

Schnell wird deutlich, dass es eine enorm größere Zahl von Staaten in Afrika geben könnte. Aus heutiger Sicht würde man da vielleicht noch mehr den Überblick verlieren.

Aus Sicht eines Besuchers auf einer Reise durch Afrika könnten die Länder sich aber vielleicht deutlicher voneinander abgrenzen, jedes mit seinen eigenen, dann aber homogeneren Kulturen. Es gäbe noch mehr Reiseziele in Afrika, die konkret benannt werden könnten.

Allein der Blick auf das fiktive Westafrika zeigt, wie viel mehr Staaten es geben würde. Das Selbe zeigt sich beim Blick auf die Region des heutigen Südafrikas. Genau 11 Staaten stellt der Kreateur dieser Karte sich vor, die an dieser Stelle existieren könnten.

Nur wenige Staaten Afrikas blieben wie heute bekannt

Größere Übereinstimmung mit der Realität zeigt sich tatsächlich nur in wenigen Regionen. Explizit in Ägypten, in Äthiopien, in Namibia und ansonsten bleibt kaum ein heute existierender Staat in Afrika zu erkennen. Gerne kann man sich ja mal den Spaß erleben und durchzählen, wie viele Nationen dann tatsächlich in Afrika existieren würden — und damit explizit weitere, differenzierte Reiseziele in Afrika.

Natürlich würde sich politisch Afrika auch völlig anders darstellen. Vielleicht, mit ethnisch homogeneren Staaten weniger anfällig für Auseinandersetzungen, andererseits möglicherweise wirtschaftlich auch schwächer, weil so recht klein. Aber: gilt das für die Staaten von Europa nicht größtenteils auch?

Sehenswert in jedem Falle: die Infografik über Afrikas Staaten ohne Kolonialisierung.