Wer vielleicht selbst mit dem Gedanken spielt, einmal längere Zeit alleine oder zumindest ohne Reisegruppe in Afrika in der Wüste zu verweilen, der muss nicht zwangsläufig einfach ins Blaue starten. Auch andere haben so etwas auf einer Afrika-Reise schon unternommen. Und einer, ein älterer deutscher Herr, hat sich dabei gefilmt.

Das heißt, gefilmt hat er vor allem die Landschaft, die vielen Kleintiere, die ihm trotz der sengenden Hitze immer mal wieder Gesellschaft leisten – von der Maus über jenen einen Vogel, der immer der Selbe ist bis zu vielen weiterem, was sich erstaunlich zäh in der Wüste hält.

Das ganze heißt dann “Allein die Wüste“, ist ein Dokumentations-Film aus dem Jahr 2011 und vermittelt einen ganz guten Eindruck, über 85 Minuten, wie wenig äußerlich passiert und sehr man sich im Laufe der Zeit in dieser Szenerie und Einsamkeit verändert.

5 Wochen ganz allein in der Wüste – eine Erfahrung fürs Leben

Menschen hat der älterer Herr in der Zeit zwar dann doch getroffen, aber das waren nur Kameltreiber, die nicht länger verweilten. Die Zeit, das waren fünf Wochen. Klingt zunächst nach einem machbaren Urlaub, den man schön mit Abschalten, Philosphieren und Meditieren nutzen kann. Außer seiner Kamera hatte er sonst nur sein Zelt und Verpflegung im Wagen, ausreichend für die fünf Wochen, auf die Pirsch musste er also nicht gehen.

Und doch entwickelt sich diese Reise, die zwar schon eine Afrika-Reise ist, aber er reist ja währenddessen nicht, in eine ganz andere Richtung als geplant. Je länger er dem wenigen Pflanzen beim umso schöneren Blühen zusieht, desto ausgeglichener wird er, und stört sich keineswegs an der Einsamkeit. Meditative Züge nimmt er selbst an, die Dokumentation zum Glück nicht, verweilt eher bei dem vielen anderen Sehenswerten, das in der Wüste trotz aller Leere existiert.

Filmisches Tagebuch eines Afrika-Reisenden

Das ganze Tagebuch, so kann man das Werk wohl einordnen, zerbirst nicht gerade vor Action, wie man sich vorstellen kann. Und der ältere Mann ist keineswegs auf den Kopf gefallen, aber auch nicht der größte Philosoph vor dem Herrn. Umso besser funktioniert die Identifikation als Zuseher. Nach einiger Zeit scheint man doch tatsächlich selbst in der Wüste zu sitzen, vor Sanddünen, unter dem strahlend blauen Himmel und inmitten des nicht zu vergessen oft pfeifenden Winds, der ja durch fast nichts hier mitten in der Wüste gebremst wird.

So kann man anhand dieser kleinen Dokumentation vielleicht schon mal einschätzen, ob ein längerer Trip durch die Wüste eher etwas für einen wäre als die klassischen Rundreisen durch Afrikas Wüsten, die aber nach überschaubarer Zeit ihr Ende finden und zudem wesentlich mehr Abwechslung bergen als diese eher eremiten-artige Erfahrung.

Sehenswert, ohne ein Klassiker zu sein: ein echter Film über die Wüste eben

Kritiker monieren zwar vielleicht zurecht, dass in dem Film nun mal wirklich nichts passiere. Vom Land NRW wurde das Projekt dennoch als förderungswürdig empfunden, dass man es jetzt in ausgewählten Programmkinos zu sehen bekommt. Und für all jene, welche in dieser Zeit keinen Platz für eine Afrika-Reise haben, ihr Fernweh ein wenig stillen können.

Eine Erkenntnis soll dann aber doch nicht verschwiegen werden, die dem Protagonisten am Ende des Films über die Lippen kommt:

Menschen, sagt der Mann, Menschen habe er in all der Zeit eigentlich nicht vermisst.