Man kann wohl drüber streiten, ob man solch eine Veranstaltung wirklich zu einer Touristen-Attraktion werden lassen soll. Schließlich befürchten die Organisatoren selbst, dass mehr Touristen den Charakter dieses Events in eine falsche Richtung verändern. Die Rede ist vom Heiratsmarkt von Imilchil, einem kleinen Bergdorf in Marokko mit nur 2000 Einwohnern. Welches sich aber einmal im Jahr zu einem Zentrum der Liebe und Partnerwahl sowie allem, was mit Hochzeit zu tun hat, entwickelt. Und das nicht ohne Grund. Denn in den einsamen Bergregionen Marokkos ist es oft schwierig für die jungen Heiratswilligen, geeignete und ebenfalls interessierte Partnerinnen und Partner zu finden.

Deshalb hat man das alljährliche Betrothal-Fest der hier ansässigen Berber zu einer Art Heiratsmarkt umgewandelt, bzw. es hat sich im Laufe der Zeit dazu entwickelt wie auch zu einer der spannendsten Sehenswürdigkeiten in Marokko. Inzwischen interessieren diese Festivitäten auch immer mehr Touristen, nicht allein – trotz erhöhter Einnahmen durch Fremdenverkehr – zum Gefallen der Bewohner der Region.

Authentischer Hochzeitsmarkt im Atlas-Gebirge

Um Imilchil zu erreichen, musste man als Gast, als Tourist früher noch eine beschwerliche Anfahrt auf sich nehmen. Heute ist das immer noch möglich, für alle, die lieber als Selbstfahrer durch Marokko reisen. Doch Anbieter von Busreisen haben auch diese Touristen-Attraktion, die keine sein will, längst ausgemacht und bieten Touren nach Imilchil an.

Dann geht es auf über 2.100 Meter Höhe in die Berge des Atlas-Gebirges, recht zentral in Marokko gelegen, geographisch gesehen, aber in Wahrheit weit ab vom Schuss in einer dünn besiedelten Region des nordafrikanischen Landes.

Hier hält sich die Legende, dass einst zwei junge Menschen einander aufgrund sozialer Unterschiede nicht heiraten durften, obwohl sie sich liebten. Die Trauer führte beide in den Selbstmord, und zu ihren Ehren am vermeintlichen Todestag dieser beiden dieses Fest ein. Eine Legende, ganz nach dem Schema von Romeo und Julia.

Berberische Kultur zum Kennenlernen aus erster Hand in Imilchil

Mit dem feinen Unterschied, dass auch heute noch die sozialen Normen in Marokko nicht unbedingt die freie Partnerwahl erlauben, auch flirten ist in der Öffentlichkeit normalerweise verpönt, ebenso wie ein Aktivwerden der Frau bei der Partnerwahl.

Und hier kommt das Hochzeitsfest von Imilchil ins Spiel, liefert es doch willkommenen Anlass, ganz bewusst und gewollt auf Braut- und Bräutigamschau zu gehen. Unverheiratete Frauen müssen dabei zwar immer noch auf das Einverständnis der Eltern warten, Geschiedene und Verwitwete aber dürfen auch ganz selbsständig aktiv werden.

Begleitet wird das Fest von vielerlei weiterem Trubel. Vieh wird gehandelt, Brautschmuck wird feil geboten, die Menschen feiern und nach einigen Tagen des Festes wird am Samstag schließlich geheiratet, mit einem Standesbeamten, der unter freiem Himmel die Papiere stempelt.

Mitreißende Atmosphäre, toller Ausflug ins Atlas-Gebirge

Die gesamte Atmosphäre ist so anziehend und auch so anders, als man es sonst aus der lokalen Kultur kennt, dass verständlich ist, wieso immer mehr Touristen diesem feierlichen und fröhlichen Ereignis beiwohnen wollen. Vielleicht beschließt man in Imilchil demnächst eine Beschränkung der Besucherzahlen. Bislang ist es aber noch nicht so weit.

Den Interessierten auf einer Marokko-Reise steht der Ausflug nach Imilchil immer noch offen. Ob nun eben auf einer Bustour oder als Selbstfahrer. Sicher sein kann man sich in jedem Fall des Umstands, dass das hier Erlebte authentische, berberische Kultur ist und nicht extra für Touristen zelebriert wird. Die Reise nach Imilchil zum Hochzeitsfest bietet Echtheit in ihrer Motivation. An welchen Stellen kann man das beim Reisen schon noch behaupten?