Reisebericht: Demokratische Republik Kongo

Reisebericht: Eine Reise in die Demokratische Republik Kongo

Folgender Reisebericht wurde uns von Johannes F. zur Veröffentlichung zugesendet. Herzlichen Dank dafür!

3 Wochen nachdem ich nach Hause gekehrt bin, habe ich in der Zeitung einen Bericht gelesen mit der Überschrift: ,,Geprügelter Kongo – kein anderes Land Afrikas ist derart geschunden“. Es folgt der erste Absatz, in dem ein Journalist seine erste Ankunft in der Demokratischen Republik Kongo schildert. Der Absatz endet mit dem Satz: „Willkommen im ärmsten Staat der Welt.“

Obwohl ich seit der Reise in den Iran den westlichen Medien ein wenig kritisch gegenüber stehe, kamen in diesem Absatz viele Erinnerungen hoch, doch was hat mich in dieses Land bewegt, vor dem jedes Auswärtiges Amt warnt?

Beim Heimflug nach Brüssel lernte ich einen UN-Mitarbeiter am Flughafen kennen, dem ich mein Erlebtes zusammenfasste. Über den Unterschied zwischen Kongo und dem Rest Afrikas zeigte ich mich ihm gegenüber ein wenig geschockt. Ich habe ihm erzählt, dass ich in den letzten 4 Jahren in Ghana, Uganda und Kenia war. Doch er belächelte mich über den Vergleich: „Willst du jetzt einen Vergleich zwischen Kenia und Kongo aufstellen?“ Er hatte Recht, es ist nicht möglich.

Ich erinnerte mich zurück als ich ein Jahr zuvor an der Grenze Uganda / DR Kongo war und von der ugandischen Grenze in dieses faszinierende Land hinüberblickte. Es hatte etwas ganz Magisches an sich, ich wusste nicht was es war, aber ich wusste: „Dort drüben muss etwas ganz Besonderes sein.“ Schon damals wusste ich, dass ich eines Tages dieses Land bereisen werde.

links: DR Kongo, rechts: Uganda

Mein niederländischer Mitreisender hatte dann in Kenia am Flughafen gemeint, er wird wieder nach Afrika reisen, aber man benötigt immer ein Jahr Pause von Afrika. Ich stimmte ihm zu, doch in Wirklichkeit sollte kein ganzes Jahr vergehen bis ich den afrikanischen Kontinent wieder betrat, nämlich genau dieses magische Land. Nur betrat ich das Land von der anderen Seite. Das Abenteuer Kongo begann nach einem langen Flug in der dritt größten Stadt Afrikas: Kinshasa. Man weiß nicht wie viele Menschen wirklich dort leben, die Einwohnerzahl liegt irgendwo zwischen 8 und 17 Millionen.

Der Aufenthalt in der Metropole war leider kein langer. Planmäßig hatte ich am nächsten Tag zwar Kinshasa Richtung Mbandaka verlassen, aber ich habe mir noch vor meinem Heimflug zwei Tag in Kinshasa eingeplant, die aber durch kongolesisches Chaos ins Wasser vielen, somit konnte ich nur einen Abend und einen Morgen in Kinshasa verbringen, das natürlich für so eine Stadt viel zu wenig ist.

2007, als ich mit dem Reisen begonnen hatte, hatte ich panische Angst vor dem Flug mit der Austrian Airline von Linz nach Iraklion. Wenn mir damals wer gesagt hätte, dass ich ein paar Jahre später dreimal mit der CAA, einer kongolesischen Gesellschaft fliege, hätte ihn für verrückt gehalten. Der erste Flug war von Kinshasa nach Mbandaka, von dort aus reiste ich mit einem Boot nach Lisala.

In Mbandaka konnte man sehr schnell erkennen, dass man in diesem Land nicht auf Tourismus gefasst ist. Die einzigen Weißen, die man in den Jahren zu Gesicht bekommen hat, waren nur Missionare und UNO-Soldaten.

Je tiefer die Reise in das Land ging, desto größere war die Sensation für die Einheimischen, einen Weißen zu sehen. Auch für mich gab es viele atemberaubende Begegnungen.

Unter anderem, als ich einen noch nicht fertiggestellten Palast des ehemaligen Diktator von Zaire, Mobutu Sese Seko, zu Gesicht bekam.

der noch nicht fertiggestellte Palast des ehemaligen Diktator Mobutu

Einen weiteren Palast des ehemaligen Diktators gibt es in der Stadt Gbadolite. Ich hätte diesen Palast auch gerne aus der Nähe oder von innen gesehen, allerdings ist dies ein zu gefährlicher Ort und unsere Reise führte nicht so weit in den Norden der DR Kongo. Mobutu war durch einen ausbeuterischen und verschwenderischen Lebensstil bekannt. Mitten in seinem Palast befand sich ein Becken in dem Krokodile lebten. Sehr häufig wurden politische Gegner den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen. Als Mobutu 1997 gestürzt wurde, wurde der Palast von Soldaten aus Ruanda geplündert und zerstört. Bis heute wird der Palast von Soldaten besetzt und bewohnt. Ob es noch immer dieselben von damals sind, ist zu bezweifeln. Ebenso ist deren politische Zugehörigkeit unklar.

Auch an dem noch nicht fertig gestellten Palast in Mbandaka kommt eine ganz besondere Gänsehautstimmung auf, wenn man den Palast aus der Ferne betrachtet und hin und wieder einzelne Soldaten mit Kalaschnikows über die Maueren des Palastes gehen sieht..

Etwas angenehmere und ruhigere Begegnungen hatte ich in den kleinen Fischerdörfern am Fluss entlang. In einem der Dörfer traf ich Anhänger der Kimbanguistenkirche. Eine christliche Konfession, die den kongolesischen Märtyrer Simon Kimbangu als zusätzlichen Propheten ansieht. Bis zu 12 Millionen Menschen gehören dieser Kirche an, die meisten davon im Kongo, die restlichen in den Nachbarländern.

Simon Kimbangus große Prophezeiung war es, dass sich eines Tages alle Völker dieser Welt unter einem König vereinen. Da ich der erste Weiße war, den dieses Dorf gesehen hat, glaubten sie, dass dies der erste Schritt dieser angepriesenen Völkervermischung ist.

Es waren die glücklichsten Menschen, die ich je gesehen habe, denn sie glaubten ihr Glaube nimmt Realität an. Es war zum ersten Mal so, dass ich von Menschen mit einem Dankesgebet willkommen geheißen wurde.

Allgemein im ganzen Land besitzt der Glaube an Gott eine hohe Priorität.

Während in Europa ein Kirchenbesuch als extrem langweilig gilt, ist es im Kongo oder auch in ganz Afrika ein kleines Erlebnis. In Ghana war damals schon das viele Singen amüsant zum Zuhören. In der Kirche in Mbandaka konnte ich allerdings Leute sehen, die richtig hyperventilert haben – vergleichbar mit einer Voodoo-Zeremonie.

Kirche in Mbandaka

Eine weitere außergewöhnliche Begegnung hatte ich einem anderen Dorf. Vor der Abreise machte ich noch ein Foto von mir und dem Dorf. Ich zeigte Ihnen dann das Foto auf dem Display meiner Kamera. Da sie noch nie Fotos hatten und keine Spiegel besitzen, hatten sie sich zum ersten Mal im Leben selbst gesehen.

Foto mit dem Bewohner des Dorfes, in dem ich übernachten durfte

Der Kongo-Fluss ist nicht nur ein atemberaubendes Naturschauspiel, sondern auch die wichtigste Lebensader der einheimischen Bevölkerung. Durch den Fischfang kommen die Leute zu ihrer Hauptnahrung. Bei einer Reise auf dem Kongo kann man sich durchaus auf den täglichen Fisch einstellen, andererseits gibt es sehr viele interessante, exotische Früchte. Zwischendurch war das Obst stets ein leckerer Imbiss.

kongolesische Litschi

Regelmäßig sieht man Kanus über den Fluss fahren, sie sind für viele die einzigen Fortbewegungsmittel in dieser Region, außerdem dienen sie als Verkaufsplatz. Einmal hatte ich auch die Möglichkeit, doch bei mir blieb es beim Mitfahren. Man kann es mit Fahrradfahren vergleichen, das in Europa die Kinder von klein auf lernen. Dasselbe ist mit den Kongolesen und ihren Kanus, wenn man als Erwachsener noch nie mit einem Kanu gefahren ist, wirkt das sehr tollpatschig.

das beste Beförderungsmittel im Kongo, ein Kanu

Ein anderes Fortbewegungsmittel wäre dann noch die Fähre. Zirka jeden dritten oder vierten Tag sieht man eine dieser großen Fähren, die von Kinshasa nach Kisangani fahren, zirka 5 oder 6 Wochen dauert diese Fahrt, mit ein paar Zwischenstopps.

Eigentlich ist es bei näherem Betrachten ein schrecklicher Anblick. Ein Fahrzeug in diesem Zustand wird wahrscheinlich sogar in jedem anderen afrikanischen Land von den Behörden aus dem Verkehr gezogen. Sicherheitsvorkehrungen gibt es auf diesen Fähren überhaupt keine. Maßlos überladen, die Leute niesten sich für die Wochen wie in einer Wohnung unter der Transportware ein, auf Baumstämmen oder Kohle haben sie ihre Schlafplätze und Essensplätze mit Lagerfeuer. Ich habe auch erfahren, dass auf solchen Fahrten regelmäßig Leute sterben.

 

Fähre auf dem Weg von Kinshasa nach Kisangani

Ich selbst würde niemandem empfehlen in den Kongo zu reisen, der vorher noch in keinem anderen afrikanischen Land war. Im Kongo verzweifelt irgendwann selbst der geduldigste Mensch. Keine Stunde ohne neu auftretende Probleme, die schlechteste Versorgung überhaupt. Zum Beispiel hatte ich die längste Strecke / Dauer ohne Handyempfang von Mbandaka bis Lisala, ganze 500 km und zirka 2 Wochen ohne einen einzigen Empfangsstrich, dieselbe Distanz ohne eine Dusche. Fließendes Wasser gab es selbst in der Großstadt Mbandaka nicht.

Ganz zu schweigen von der medizinischen Versorgung. Zwischen Mbandaka und Lisala habe ich nur ein einziges Krankenhaus gesehen und dieses benötigt noch sehr viel Verbesserungsbedarf. Bei gesundheitlichen Problemen kann einem dort nur sehr beschränkt geholfen werden.

Dies sind ein paar Sachen, die unter anderem die DR Kongo zu einem Land machen, das in Chaos versinkt. Krankheiten und politische Konflikte kommen dann noch dazu und die Rohstoffausbeutung der westlichen Firmen ist sowieso ein extra Kapitel

einziges Krankenhaus auf 500km

Trotz aller Katastrophen und der schlechten Lage, die im Kongo herrscht, bin ich großteils sehr gut bei der einheimischen Bevölkerung aufgenommen worden. Es gab in den Städten Lisala und Mbandaka zwar manchmal Momente, in denen man sich unwohl fühlte, doch je kleiner der Markt oder das Dorf war, desto herzlicher wurde man empfangen. Sehr überrascht war ich vor allem, dass die Einheimischen überhaupt keine Abneigung vor dem Fotografieren hatten. Schon klar, dass man vorher um ein Foto fragt, doch bei vielen schien es, als ob sie es wünschten, fotografiert zu werden. Vor allem für Kinder war es ein spezielles Erlebnis.

Kinder in einem Dorf

 

Sonnenuntergang über dem Kongo

Ihre Traumreise beginnt hier