Windhoek und Abschied
Beeilen brauchten wir uns am folgenden Tag nicht. Doch die Wartezeit bei der Bezahlung mit der Kreditkarte war wieder eine Geduldprobe. Es dauerte über eine halbe Stunde, bis alles erledigt war. Gefrühstückt hatten wir bereits und die Koffer waren im Auto verstaut.
Die letzte staubige Piste, zuerst bis zum Tor der Kalahari Anib Lodge, dann noch bis zur Hauptstraße, absolvierten wir heute.
Gestern schon wurde die Idee geboren, noch einen Abstecher zum Hardap Dam zu unternehmen. Da wir Zeit hatten und es kein großer Umweg war, fuhren wir hin.
An der Straße dorthin gab es eine Kontrollstelle.
Wir wussten nicht genau, ob und wie viel man Eintrittsgeld bezahlen musste.
Die Frau, die im Häuschen saß, verstanden wir so gut wie gar nicht. Sie ließ uns aber für eine viertel Stunde kostenlos passieren.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal aus dem Reiseführer des Internets zitieren:
„Der Hardap Dam ist der größte Stausee in Namibia mit einer Wasserfläche von rund 25 Quadratkilometern und einer Staumauer von 862 Metern Länge. Aufgestaut wird der Fish River, der einzige Fluss im Landesinneren, der nahezu ganzjährig Wasser führt, wenngleich in der trockenen Jahreszeit nur sehr geringe Mengen. Der Stausee ist ein beliebtes Wassersportrevier und Naherholungsgebiet für die Windhoeker. Am westlichen Seeufer schließt sich ein kleines Natur- und Wildschutzgebiet von rund 20.000 Hektar Größe an.“
Die Fahrt nach Windhoek war im Vergleich zu unserer bisherigen Auto-Reise die reinste Erholung, denn von Mariental bis Windhoek ging es auf der gut ausgebauten B1 sehr zügig voran.
Wir kamen von einer ganz anderen Seite in die Stadt als der, von der aus wir sie vor drei Wochen verlassen hatten. Im Stadtzentrum erkannten wir aber sofort die markanten Stellen und auch Klein - Windhoek und somit ebenfalls Charlottes Gästehaus wieder.
Noch einmal packten wir das Auto aus, ehe wir uns erfrischten.
Wir bewohnten die gleichen Zimmer wie bei unserem ersten Besuch.
Nun wollten wir wieder in die Stadt.
Zuerst, wie konnte es anders sein, tankten wir das Auto voll, das zweite war eine Autowäsche, die mehr als dringend nötig war. Unser Auto wurde mit einem Kärcher und viel Handarbeit geputzt. Zwei Männer wuschen es etwa eine halbe Stunde lang. Danach sah es wieder topp aus. Innen brauchte man den Wagen nicht zu reinigen. Wir bezahlten umgerechnet 2,80 Euro.
Zwischendurch konnten wir im Supermarkt einkaufen.
Hätten wir das Auto ohne Wäsche der Autovermietung zurückgegeben, wäre eine teure Endreinigung fällig gewesen. Dem hatten wir vorgebeugt.
Nachdem unser Auto wie neu aussah, konnten wir uns mit ihm wieder im Stadtzentrum sehen lassen.
Wir fuhren zu dem uns bekannten Parkplatz vor dem Reiterdenkmal. So viel Stau und Autos wie hier hatten wir in ganz Namibia nicht gesehen. Die Schule war gerade aus, so dass viele Kinder mit dem Auto abgeholt wurden. Da die alte Feste an unserem ersten Tag schon geschlossen war, besuchten wir jetzt deren Museum.
Der Eintritt ist freiwillig und so hoch wie jeder geben möchte.
Im Museum werden die Geschichte von Namibia, seine Menschen und die Landschaft dieses Landes, das uns während unserer Reise ans Herz gewachsen ist, anschaulich dargestellt. Uns kam vieles bekannt vor.
Ich persönlich kann mir besser ein Bild von dem Ausgestellten machen, wenn ich es vorher,,live“ gesehen habe. Also ich beschäftige mich lieber mit einem Land, wenn ich dort war, als im Vorfeld.
Den „Tintenpalast“ mit angrenzendem Garten sahen wir uns diesmal von einer anderen Seite aus an.
Zu Windhoek selbst gibt es noch zu sagen, dass die Stadt auf einer Höhe von 1650 Meter liegt und 250 000 Einwohner zählt. Damit ist sie nicht nur Hauptstadt, sondern zugleich die größte Stadt Namibias.
Windhoek ist eine moderne Stadt mit modernen Einkaufspassagen. Unserer Meinung nach steht es in keiner Weise europäischen Städten nach, eher ist das Gegenteil der Fall.
Deutsch ist hier hautnah zu spüren. Nicht nur in Produkten, die angeboten werden, sondern oft in der Sprache oder auch in Straßennamen. Die Hauptstraße von Windhoek heißt heute allerdings Independence Avenue, also Straße der Unabhängigkeit, und war früher die Kaiserstrasse.
Für uns wurde es Zeit, wieder nach Klein - Windhoek zu fahren. Morgen hatten wir ja nochmals einige Stunden Zeit für die Stadt.
An dem uns bereits bekannten Supermarkt hielten wir, um hier unser Abendbrot einzunehmen. Zu ihm gehörte gab ja ein gastronomischer Bereich, und am ersten Tag unserer Reise hatte das chicken so gut geschmeckt. Den Geschmack kennt man von unseren deutschen Hähnchen gar nicht mehr. Leider wurde es mit einem Fassbier nichts, das Anstecken eines neuen Fasses überstieg unsere Geduld, aber Cola schmeckt ja auch nicht so schlecht.
Ein letzter kleiner Einkauf beschloss unseren Besuch des Supermarktes.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit waren wir in unserer Unterkunft zurück.
Da es nicht kalt war, verbrachten wir den Abend in Charlottes Gästehaus am großen Holztisch.
Ein Anruf von Diana erreichte uns noch an diesem Tage auf dem Handy. Sie fragte, ob wir das Fax mit der Abflugsbestätigung erhalten hätten. Ich sagte, es sei alles o. K .Sie erkundigte sich noch, ob wir schon zu Abend gegessen hätten. Da dies der Fall war, verabschiedeten wir uns von ihr.
Wir drehten noch einen Abspann für den Videofilm, in dem wir eine kurze Bilanz zu den drei Wochen unser Rundreise zogen.
Für den nächsten Tag planten wir noch einen Einkaufsbummel in der Stadt und wollten dann wirklich zeitig genug zum Flughafen fahren, um das Auto abzugeben und nicht zu spät einzuchecken. Es ist wieder ein Nachtflug Nonstop nach Frankfurt/M. geplant.
Frühstück gab es diesmal im Haus. Bis 10:00 Uhr sollten die Zimmer geräumt sein, man erlaubte uns aber auf Nachfrage, das Gepäck im Frühstücksraum abzustellen.
Unser Parkplatz in Windhoek war wie immer vor der alten Feste.
Wir liefen die paar Schritte zur Christuskirche, die nach dem Ende der Kriege zwischen Deutschen und den Hottentotten, Herero und Ovambo als Friedenskirche 1910 geweiht wurde.
Ob die Tür wohl offen ist? Sie war es und ein deutsch sprechender Herr bat uns sogar hinein.
Wir schauten uns um. Vor allem war für uns eine Tafel interessant, auf der die Namen deutscher Soldaten standen.
In der Stadt trennten wir uns von Petra und Roland, 14:00 Uhr wollten wir uns am Auto wieder treffen.
Ein paar Stunden war nun shoppen angesagt.
Zu Mittag gingen wir in ein Einkaufscenter und fanden dort ein Fischrestaurant. Es gehörte zur gleichen Kette wie das in Swakopmund. Dort hatten wir ja wunderbar gespeist. Heute bestellten wir dasselbe Gericht Line Fish und bereuten es nicht.
Noch ein letztes Mal fuhren wir eine Tankstelle an, da wir uns unsicher waren, ob am Flughafen noch Gelegenheit zum Tanken ist.
Wieder zurück in Charlottes Gästehaus, wurde das Auto gepackt. Noch blieben ein paar Minuten Zeit, die wir an unserem Holztisch im Garten verbrachten.
Die 50 Kilometer bis zum Flughafen waren schnell gefahren.
Kurz vor dem Flughafengelände sahen wir eine Rauchsäule in den Himmel aufsteigen. Wir hatten eine schlimme Befürchtung, aber es war nur Gras, welches dort verbrannt wurde.
Bei Europcar wurde unser Auto sofort in Empfang genommen und das Gepäck auf einen Wagen verladen. Die Formalitäten sollten wir am Schalter der Autovermietung erledigen. Das Auto wurde zur Kontrolle weggefahren, vorher vergewisserten wir uns noch, dass wir nichts im Wagen vergessen hatten.
Wir beobachteten vier junge Leute, die gerade ihr Auto übernahmen und ratlos vor ihren vielen Gepäckstücken standen, das in eine Limousine passen musste. Genau an dieser Stelle und in dieser Situation hatte vor drei Wochen auch unsere Namibia-Reise begonnen.
In der Flughafenhalle fanden Bauarbeiten statt und es sah alles etwas anders aus als bei unserer Ankunft. Den Schalter von Europcar fanden wir aber sofort wieder.
Hier mussten wir einen Zwischenfall überstehen, den wir nicht erwartet hatten:
Man bemängelte unser Reserverad. Schon das zu verstehen, war sehr schwierig, da die Mitarbeiter nur Englisch sprachen und man bei dem Baulärm kaum seine eigene Stimme hörte. Nach längerer Diskussion bekamen wir am Telefon einen Angestellten, der Deutsch konnte, zu sprechen. Roland erklärte, dass ein Reifen schon bei der Übernahme nicht vollkommen in Ordnung war. Man fragte, wo dieser sei. Aus Platzgründen konnten wir den vollkommen kaputten Reifen nicht mitnehmen, hatten aber Fotos als Beweis. Der Mann am Telefon konnte sich erinnern, dass wir von unterwegs angerufen hatten. Gut, dass wir noch den Namen wussten und das Datum, an dem wir uns von unterwegs gemeldet hatten.
Das Foto wollte am Schalter niemand sehen. Ich hatte überhaupt den Eindruck, dass alles ziemlich durcheinander lief. Zeitweise sprach mit uns gar niemand, auch nicht, als wir die Quittung vom Reifen vorzeigten.
Endlich sagte der Mann am Telefon, dass jetzt alles in Ordnung sei.
Nun verlangte man von uns das Geld für den Zweitfahrer. Wir sagten, dass wir den schon bei Wagenübernahme in bar bezahlt hatten. Unsere Beteuerungen überzeugten.
Lehre daraus: Man soll sich für alles, was man bezahlt hat, eine Quittung ausstellen lassen. Das hatten wir, wie schon anfangs erwähnt, vergessen.
Als alles geklärt war, sollte Roland noch einen Zettel unterschreiben. Mit dem elektronischen Übersetzer überprüften wir aber erst, was auf ihm stand. Roland konnte getrost quittieren. Er sollte unterschreiben, dass das Fahrzeug ohne Mängel zurückgegeben worden war. Wir hatten diese „Schwere Geburt“ glücklich überstanden.
Wir waren froh darüber, dass wir schon sehr zeitig zum Flughafen aufgebrochen waren.
Auch beim Einchecken hatten wir Glück, denn wir standen ziemlich weit vorn am Schalter von Air Namibia.
Die Busse kamen und die Schlange wurde immer größer.
Als wir den Airbus A340-300 bestiegen, war es draußen schon dunkel.
Am 20. September 2006 starteten wir zu einem zehnstündigen Nachtflug Non Stopp zurück nach Frankfurt/M.
Eine Zeitumstellung gab es nicht.
Afrika versank in der Nacht, unten war kaum ein Licht auszumachen.
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