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Touring-Afrika.de > Namibia > Reiseberichte > Traumurlaub06 Tag10

Wilde Pferde

„Im Eagle's Nest finden Sie Bungalows um riesige, natürliche Felsen herum gebaut. Jeder Bungalow hat eine eigene Terrasse sowie Dusche/WC. Die originell und gemütlich eingerichtete Lounge mit Kamin und den originalen Felswänden sowie die reizvoll eingerichteten Doppelzimmer machen Eagle´s Nest zu einem besonderen Zufluchtsort, umgeben von Bergen, direkt am Rande der Namib Wüste.
Hier können Sie absolute Ruhe und Entspannung vom Alltagsstress finden. Auf Ihrer Terrasse erleben Sie einzigartige Sonnenuntergänge.“

Soweit ein Zitat aus dem Internet - Reiseführer.

Klein Aus Vista hieß unsere nächste Lodge.
Doch wir mussten erst einmal dorthin kommen.

Für uns war es die abenteuerlichste Fahrt unseres gesamten Urlaubs.
An ihrer Strecke befand sich u.a. das Schloss Duwisib, dessen Besuch wir allerdings auf unsere nächste Namibiareise verschieben mussten.

Beginnen wir aber von vorn.

Nur wenige Minuten von der Namib Desert Lodge entfernt gibt es eine Tankstelle. Wahrscheinlich waren wir zu zeitig da, jedenfalls war kein Mensch zu sehen. Wir versuchten es mit Selbstbedienung, denn Ketten waren nicht an den Zapfpistolen. Doch vergeblich. Auch im angrenzenden Schuppen war niemand zu finden. Zum Glück war unser Tank noch gut gefüllt und es bestand kein Grund zur Sorge. Wir würden unterwegs noch zweimal Gelegenheit haben zu tanken, wobei aber die erste Möglichkeit einen Umweg von 40 Kilometer erforderte.
Nach etwa einer Stunde Fahrt stieß unser Auto, genauer gesagt das linke Vorderrad, erneut ein beunruhigendes Geräusch aus. Wir hielten auf der Schotterpiste an und hatten bald den Grund gefunden. Die Bremse an diesem Rad war blockiert. Wir checkten den Wagen weiter durch und stellten fest, das Automatikgetriebe stand auf „N“ und die Handbremse, die ja nur auf die Hinterbremse wirkt, war lose. Die vorderen linken Bremsbacken waren aber an der Bremstrommel und nur an diesem einen Rad.
Wir bauten das Rad ab, um besser an den Schaden heran zu kommen. Dazu mussten wir unser ganzes Gepäck ausladen, denn der Wagenheber lag unten im Kofferraum beim Reserverad.
Ich klopfte gegen die Bremse, in der Hoffnung, dass sie sich wieder lösen würde. Das klappte jedoch nicht. Petra meinte, wir sollten das Auto anfahren und abrupt bremsen. Auf diese Weise lösten sich vielleicht die Backen. Gesagt, getan. Rad wieder montiert und ich allein eingestiegen. Ich beschleunigte schnell und kurz und bremste scharf. Das Gleiche versuchte ich im Rückwärtsgang. Nichts änderte sich, die Bremse blieb fest. Was sollten wir jetzt tun?
Uns kam auch der Gedanke umzukehren, doch das verwarfen wir aus Zeitproblemen, die daraus bestimmt entstünden.
Ich befürchtete auch, dass bei einer Weiterfahrt das Rad so heiß wird, dass eventuell der Reifen platzt oder ein anderer Schaden entsteht.
Schließlich erinnerten wir uns an eine Notrufnummer, die wir von der Autovermietung mitbekommen hatten. Doch wir mussten erst überprüfen, ob wir überhaupt mit dem Handy Empfang hatten. Bisher hat es nur, wenn überhaupt, an den Lodgen funktioniert. Doch in diesem Fall hatten wir Glück, noch gab es beim Handy Netzempfang.
Der nächste Schock: Die Notrufnummer, die sich meiner Meinung nach im Handschuhfach befand, war zunächst unauffindbar.
Die Erlösung: Nach einigem Suchen fand Petra die Nummer in den Unterlagen im Gepäck.
Ich wählte die Nummer: Es meldete sich eine Frau auf Englisch. Die Frage, ob sie Deutsch spreche, verneinte sie. Ich versuchte ihr, so gut ich das in Englisch konnte, zu erklären, dass unser Auto Probleme mit den Bremsen hatte. Ich nannte den Autotyp und die Nummer. Nun wurde ich zurückgefragt, ob wir in Windhoek seien. Das machte mich, gelinde gesagt, etwas ungehalten und ich verneinte. Jetzt meinte sie, sie habe nichts verstanden. Ich wiederholte mehrmals „brake is defective“. Doch es war umsonst. Sie sagte immer wieder „is not correct“. Entnervt brach ich die Verbindung schließlich ab.
Wir hatten noch eine zweite Notrufnummer. Doch bevor wir es mit ihr versuchten, wollte ich Diana und Europcar anrufen. Diana sprach jedenfalls Deutsch.
Ich probierte es zuerst bei ihr.
Doch es meldete sich eine unbekannte Frauenstimme. Auf die Frage, ob Diana zu sprechen sei, erklärte sie, sie wäre nicht hier. Das Gespräch wurde auf Englisch geführt, so dass ich bei weitem nicht alles verstand. Deshalb beendete ich es. Ich befürchtete nämlich, dass wir unsere Karte ohne Erfolg leer telefonierten.
Nun versuchten wir es mit der zweiten Notrufnummer von Europcar. Jetzt war ein Mann am Apparat, der mir mitteilte teilte, dass er ein wenig Deutsch spricht, und uns nicht weiter helfen könnte. Er nannte mir eine Telefonnummer, die ich anrufen sollte. Das war aber die, die ich schon angerufen hatte. Ich sagte das dem Mann, er verstand und bat um einen Moment Geduld.
Er verband mich mit einem anderen Partner, der auch etwas Deutsch beherrschte. Ich schilderte ihm unsere Situation. Er fragte, wo wir uns befänden. Genau wusste ich das nicht , ich vermutete kurz vor dem Tsaris Pass. Nun erkundigte er sich, ob das Auto noch fährt, was ich bejahte. Er riet uns, bis zur Maltahöhe zu fahren, da uns dort eine Werkstatt helfen könnte.
Nach diesem Gespräch klingelte das Handy noch einmal, was aber mit unserer Misere nichts zu tun hatte, es wurde lediglich das aktuelle Guthaben durchgesagt.
Die Gespräche waren erstaunlich billig, so dass wir noch genug Geld auf der SIM - Karte hatten.
Wir beluden unser Auto und nahmen Kurs zur Maltahöhe.
Nach einigen Minuten gab es einen kleinen Ruck und, welch ein Wunder!, die Bremse war wieder frei. Unbeschreiblich, wie wir uns darüber freuten! Roland meinte, wir sollten am besten gar nicht mehr bremsen. So könnte die Bremse nicht mehr blockieren. Der Gedanke war gar nicht so abwegig, denn es gab hier so gut wie gar keinen Verkehr und die Straße ging Kilometer lang nur gerade aus.
Die Maltahöhe hatten wir schon vorher wegen der Tankstelle in Betracht gezogen. Sie lag zwar nicht unmittelbar auf unserem Weg, aber auch nicht zu weit weg.
Wir hätten von der C19 zwanzig Kilometer vor Maltahöhe nach rechts abbiegen müssen. Infolge der neuen Situation mussten wir nun 40 Kilometer Umweg in Kauf nehmen.
Leider hatte ich mich aber mit unserem tatsächlichen Standort verschätzt.
Bis zum Tsaris Pass hatten wir noch eine knappe Stunde Fahrzeit vor uns. Diese Zeitspanne verlängerte sich aber, denn nach einer kurzen Fahrt mit losen Bremsen bemerkten wir den nächsten Platten. Diesmal hatte es unseren „Beulenreifen“ erwischt.

Dasselbe (grausame) Spiel begann von neuem. Das Gepäck wurde abermals vollständig ausgeladen und der Reifen gewechselt.
Aber mit Flicken war die Panne diesmal nicht zu beheben, denn an der Innenseite stach das Drahtgeflecht heraus, der Reifen war total kaputt. Jetzt stellten wir auch fest, dass er völlig anders aussah als die übrigen. Er war schon vor Antritt unserer Reise viel abgenutzter. Vorsichtshalber fotografierten wir ihn einige Male.

Obwohl meistens sehr wenig Verkehr war, kam uns von vorn ausgerechnet jetzt ein Jeep entgegen. Der Fahrer hielt an und fragte, ob er uns helfen könne. Ein Tourist war es nicht, so viel war klar. Wir sagten ihm, dass wir das Rad wechseln müssten, aber dafür unbedingt einen neuen Reifen brauchten. Auch er verwies uns nach Maltahöhe. Dort sei ein Workshop, also eine Werksatt. Und schon hielt das nächste Auto an, dessen Insassen ebenfalls Hilfe anboten. Wir bedankten uns und sie fuhren davon.

Auf unserer weiteren Reise beunruhigte uns der Gedanken, was wir machten, wenn der nächste Reifen noch vor Maltahöhe kaputt geht oder die Bremse wieder versagt, sehr.
Doch es verlief alles gut. Den Pass überfuhren wir ohne Probleme, wenn auch etwas vorsichtiger als vor unseren Pannen, und auch die spitzen Steine auf der Piste wurden mit den Augen noch genauer gesucht, um ausweichen zu können. Doch das war so gut wie sinnlos, denn es gab nur Schotter und spitze Steine.
Jedenfalls erreichten wir nach einiger Zeit die Kreuzung zur C14, Richtung Süden, die wir, wie gesagt, hätten abbiegen müssen.
Noch 19 Kilometer verblieben bis nach Maltahöhe.
In der Ferne sahen wir schon Sendemasten oder Antennen. Die Straße wurde zur Teerstraße und bald waren wir am Ziel. Zwar hatten wir hiermit noch nicht einmal die Hälfte unseres Tagespensums geschafft, aber wir waren guter Dinge.

Die Tankstelle mit Werkstatt und Shop fanden wir sofort.
Zuerst wurde getankt, bevor wir nach dem Reifen fragten. Der Tankwart sagte uns, wir sollten uns etwas gedulden.
Er überprüfte sein Lager nach einem passenden Reifen. Leider kehrte er mit der Mitteilung zurück, er könne uns nicht helfen. Es gäbe aber im Ort noch eine Werkstatt.
Wenn schon keinen Reifen, kauften wir im Shop wenigstens Kekse und Getränke.

Nun knüpfte sich unsere ganze Hoffnung an diese letzte Werkstatt.
Ich betrat sie und traf einen Arbeiter an, der mich zum Auto begleitete, wahrscheinlich deshalb, weil er mit meinem Kauderwelsch nichts anfangen konnte. Ich machte ihm klar, dass wir im Kofferraum einen total defekten Reifen hätten und einen neuen brauchten. Er sah sich die Maße an und wir gingen zusammen in den Shop, der an die Werkstatt grenzte und wohl zu ihr gehörte. Eine Sekretärin hörte sich den Arbeiter an und fragte nach der Reifengröße, die der Mann aber vergessen hatte. Mit beiden zusammen holte ich aus dem Handschuhfach einen Zettel und schrieb alles auf.
Der Arbeiter ging wieder in seine Werkstatt und ich folgte der Frau in den Shop. Es waren nur vier Reifen vorrätig. Davon war einer zu groß und die anderen drei waren viel zu klein. Sie hätten nicht auf die Felge gepasst. Noch ließ ich nicht locker, da ich vermutete, dass irgendwo hinten in einem Lager eventuell doch noch ein passender Reifen ,,schlummerte“.
Ein Weißer kam nun zu mir und sagte auf Englisch, dass er leider nichts anderes habe. Wir könnten es ja in Mariental versuchen. Das lag aber überhaupt nicht auf unserer Strecke, sondern war in östlicher Richtung über 100 Kilometer entfernt.

Das Bremsenproblem hatten wir darüber ganz vergessen. Aber wir fragten, ob wir mit Europcar telefonieren könnten, in der Voraussicht, an unserem Guthaben auf der SIM - Karte zu sparen.
Unsere Rechnung ging auf. Ich erhielt ein tragbares Telefon und rief wieder Europcar an.
Es meldete sich ein anderer Mann als heute Vormittag, dem ich eindringlich unsere Misere schilderte.
Auch er erkundigte sich, ob wir noch fahren könnten. Ich sagte: „Ja, aber wenn noch ein Reifen kaputt geht, stehen wir auf offener Strecke ohne Telefonempfang.“
Er riet uns, trotzdem weiter zu fahren und heute Abend von Aus nochmals anzurufen. Dann könnte er einen Reifen bestellen, den wir in Lüderitz abholen sollten.
Das gefiel mir überhaupt nicht, denn wir hatten noch viele Stunden schlechte Straße vor uns. Aber was blieb uns übrig? Zurück bis zur südlichen Ausfahrt auf die C14?
Wir ärgerten uns, nach Maltahöhe gefahren zu sein, denn wir hätten nun schon 40 Kilometer weiter sein können.
Doch eine kleine Hoffnung blieb noch. Sie hieß Helmeringhausen.
Von diesem Ort trennten uns 137 Kilometer Schotterpiste.
Die Fußgänger, die wir auf der Strecke dorthin manchmal sahen, ließen uns fragen, wo kommen die eigentlich her und wohin wollen sie? Schon mit dem Auto sind die Entfernungen sehr weit.
Ohne eine weitere Panne erreichten wir schließlich den kleinen Ort Helmeringhausen.
Lange zu suchen brauchten wir nicht, die Ortschaft war sehr übersichtlich. Die Tankstelle und ein paar Häuser, auch ein Hotel waren nicht zu übersehen.

Nachdem wir getankt hatten, fragte ich in der Werkstatt nach einem Reifen. Ein Mann zerlegte gerade einen großen Motorblock, aber an einen Reifen, der auf die Felgen unseres Autos passte, war nicht zu denken.
Im Tankstellenshop kauften wir, war es aus Verzweiflung? Kaffee, den es aus der Thermoskanne gab. Er war kalt und schmeckte abscheulich.
Uns blieb nichts weiter übrig, als unseren Weg fortzusetzen und während der nächsten 105 Kilometer bis Aus zu hoffen, dass es keine Panne mehr gab.
Die Straße wurde teilweise besser, es gab Abschnitte ohne Schotter, nur mit rotem Sand.
Noch einmal war unsere Bremse fest, aber wir fuhren unbeirrt weiter und tatsächlich: Sie löste sich wieder nach kurzer Zeit.
Wenn ich dann wieder einmal bremste, schauten mich meine Leidensgefährten ganz komisch, vorwurfsvoll an.
Ab und zu lag eine Art Schwellen über der Straße, die das Überqueren von Tieren verhindern sollten.

In Helmeringhausen hatten wir die C14 verlassen und fuhren nun auf der C13, die kurz vor dem Ort Aus auf die B4 mündete.
Endlich wieder gute Teerstraße!
Die letzten Kilometer haben wir regelrecht gezählt, und bei den letzten fünf vor Aus fiel uns ein zentnerschwerer Stein vom Herzen. Jetzt hätten wir selbst bei einer weiteren Panne die Chance gehabt, an diesem Tag unsere Lodge zu erreichen.
Wir stießen wieder auf die Bahnlinie, die sich neben der Straße bis nach Lüderitz schlängelte.
Unser Ziel war Klein Aus Vista. Der Ort liegt von Aus etwas westlich in Richtung Lüderitz an der B4.
Bevor wir aber dorthin fuhren, bogen wir kurz über die Bahnschienen ab, um an eine Tankstelle mit Werkstatt zu fahren. Ihr Chef sprach deutsch.
Wir entluden unseren Kofferraum und zeigten das defekte Rad. Er ließ unser Auto voll tanken und ging selbst, um nach Reifen zu suchen.
Als Ergebnis teilte er uns mit, er hätte einen Secondhandreifen, den er uns verkaufen könnte. Er sei zwar ein bisschen höher, würde aber auf die Felge passen und wir sollten ihn, wenn notwendig, auf die Hinterachse montieren. Auch einen kleineren hätte er noch am Lager. Ich sagte ihm, dass wir hier in der Nähe zwei Nächte bleiben und morgen nach Lüderitz fahren würden. Dort wollten wir versuchen, einen passenden zu bekommen. Wenn nicht, kämen wir am nächsten Abend zurück und kauften einen von seinen.
Wir sprachen auch noch unser Bremsenproblem an. Er schien das Problem zu kennen, hervorgerufen von den staubigen Straßen. Aber Fett oder Öl seien vorbeugend und auch zur Behebung des Schadens nicht geeignet. Stattdessen holte einer seiner Mitarbeiter die Luftpistole und blies die beiden vorderen Bremsen aus. Dazu mussten wir ein Stück weggehen, es staubte enorm.
Seit diesem Zeitpunkt hatten wir mit den Bremsen keinerlei Probleme mehr.
Wir bedankten uns und fuhren zurück zur Hauptstraße.
Wir trafen noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang an der Rezeption unserer Lodge ein.

Aus ist bekannt wegen eines Internierungslagers aus dem ersten Weltkrieg. Nach 1915 wurden hier ca. 1500 Soldaten der Schutztruppe für 4 Jahre gefangen gehalten.
Der kleine Ort liegt ca. 125 Kilometer östlich von Lüderitz. In der Nähe von Aus gibt es Herden von Wildpferden. Ihr Abbild ist auch in das Logo der Lodge eingearbeitet.

An der Rezeption kamen wir mit unserem Englisch nunmehr schon ganz gut zurecht. Wir erfuhren, dass wir in Eagle`s Nest einen Bungalow beziehen werden. Es gab noch die Geisterschlucht für Familien oder Gruppen und das Desert Horse Inn mit Doppelzimmern.
Wir trugen uns wieder in das ausliegende Buch ein. Als uns die Essenszeiten mitgeteilt wurden, fragte man uns, ob wir morgen Abend ein Barbecue wünschten. Eine prima Idee, den Wunsch hegten wir bereits im Etosha Nationalpark.
Wir bestellten je zweimal Lamm und Beef. Nach unserer Rückkehr morgen aus Lüderitz sollten wir das Bestellte an der Rezeption abholen. Als Uhrzeit vereinbarten wir 17:00 Uhr.
Nachdem wir einen kleinen Lageplan erhalten hatten, fuhren wir los.
Mit unserem Auto war die Fahrt auf dem schmalen Sandweg eine Tourtour, denn er brachte unser Auto oft ins Schlingern. Schneller als 40 km/h waren nicht möglich, und an den Gegenverkehr denkt man am besten gar nicht.
Wir brauchten für die 7 Kilometer zwischen 20 und 30 Minuten. Auf den letzten 2 Kilometern waren so große Querhügel auf dem Weg, dass wir immer wieder aufsaßen. Mit einer PKW - Limousine sollte man diese Strecke lieber nicht fahren. Wir zählten schon, wie oft wir diese Strecke noch hin und her bewältigen mussten. Heute Abend jedenfalls wegen des Essens noch und das im Dunkeln…
Es krachte fürchterlich, als wir wieder einmal aufsaßen, doch endlich entdeckten wir die Bungalows von Eagle´s Nest, die weit voneinander entfernt liegen.
Wir mussten gehörig suchen, um diese um den Fels gebauten Unterkünfte zu finden.

Unser so genanntes Chalet war unglaublich romantisch und das rustikalste, was wir bisher bewohnten. Als erster Blickfang ein Esstisch, der mit Geschirr für vier Personen gedeckt war. Rechts davon noch ein niedriger Tisch mit Sitzmöbeln ringsum am offenen Kamin. Links, durch einen hüfthohen Tresen abgetrennt, eine Art Küche mit einem Spülbecken, einem Kühlschrank und Fächern für Geschirr, Besteck und Gläsern. Auch ein kleiner Kocher sowie Kaffee und Tee waren vorhanden. Kühlschrank und Kocher wurden mit Gas betrieben. Eine Wand in diesem Raum bestand aus natürlichem Fels. Davor stand ein Baumstamm. In ihn waren Löcher gebohrt, in denen Weinflaschen steckten. Das war unser gemeinsamer Aufenthaltsraum. Von ihm aus ging rechts und links jeweils eine Tür in unsere Schlafräume. Jedes Doppelbettzimmer hatte eine eigene Dusche und ein WC. Von hier führte eine Tür zur jeweiligen Terrasse. Sehen konnte man die andere Terrasse nicht, da sich der große Fels dazwischen schob .Zu je zwei Bungalows gehörte draußen ein runder Grill, vor dem zwei Säcke Holz lagen.

Wir waren uns einig, morgen dürfen wir nicht zu spät zurück sein. Wir wollten uns einen gemütlichen Abend in dieser traumhaften Unterkunft gestalten.
Wir packten schnell das Auto aus, da es ja schon wieder Zeit war, zum Abendessen zu fahren. Noch vor dem Dunkelwerden wollten wir unten sein. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, den wunderbaren Ausblick von der Terrasse noch eine Weile zu genießen.
Der Weg zur Lodge war wieder eine Katastrophe. Obwohl nun kein Gepäck mehr an Bord war, saßen wir trotzdem nicht nur einmal auf. Und dazu kam uns noch ein Jeep entgegen. Auszuweichen riskierten wir nicht, die Stoßstange hätte es weggerissen.
So wich der Jeep nach links aus, die Böschung ein Stück hoch, und wir kamen aneinander vorbei.
Entschädigt wurden wir durch ein gutes Abendessen im Restaurant.
Wie schon gewohnt, kam das Personal an den Tisch und fragte, ob alles zu unserer Zufriedenheit sei. Bei dieser Gelegenheit kamen wir auch mit dem Chef ins Gespräch.
Wir schilderten ihm unserer Probleme mit dem Reifen und dass wir bisher noch keinen Ersatz hatten. Er versprach zu helfen. Wir sollten ihm die Maße geben. Er würde uns einen neuen Reifen besorgen und auch montieren lassen. Wenn nötig, würde er auch aus Windhoek geholt werden. Und er nannte uns auch gleich den ungefähren Preis, der nicht von Pappe war. Deshalb beschlossen wir, erst in Lüderitz nachzufragen. Hätten wir dort keinen Erfolg, könnten wir ja immer noch auf sein Angebot zurückkommen.
Wir bedankten uns für die Freundlichkeit, aber er fragte nicht wieder nach.

Inzwischen war es dunkel geworden. Wir fuhren wieder auf unserer „Lieblingsstrecke“ zu unseren Bungalows. Dort angekommen, duschten wir und setzten uns im vorderen Raum noch kurz zusammen.
Dieser Tag hatte uns wirklich geschafft, aber wir freuten uns auf den nächsten.

Bis nach Lüderitz ist es nicht weit, und abgesehen von dem Stück bis zur Rezeption nur sehr gute Teerstraße. Auch hatten wir etwas mehr Zeit als sonst.

Früh morgens weckten uns die Vögel, die auf dem Dach spazieren gingen.
Wir hatten ausgeschlafen und öffneten weit die Tür zur Terrasse. Dort schaute mich ein wildes Kaninchen aus neugierigen Augen an.
Noch war die Sonne nicht aufgegangen und es war noch frisch.
Ich duschte und packte danach unseren Rucksack.
Mit dem Auto begaben wir uns zur Lodge zum Frühstück.
Unterwegs gönnten wir uns noch einen Stopp für Fotos vom Sonnenaufgang über den Bergen.
Das Frühstück dauerte ungefähr eine halbe Stunde.

Wir bestiegen unser Auto. Ich war der Fahrer und bog auf die B4 ein. 125 Kilometer sind es bis Lüderitz, doch wir hatten als erstes Ziel Kolmanskop. Es befindet sich etwa 12 Kilometer vor Lüderitz.
Auf der Straße konnten wir recht zügig fahren. Natürlich spukten uns noch immer unsere geflickten Reifen im Kopf herum, und auch die Tatsache, dass wir keinen Reservereifen besaßen, beunruhigte uns.
Parallel verläuft die Bahnstrecke, die teilweise erneuert wurde, aber wohl wenig oder gar nicht befahren wird.
Auf unserem Weg lernten wir etwas für uns völlig Ungewohntes kennen, kleine Vögel, die uns direkt ins Auto flogen oder von der Straße zu spät starteten. Sie knallten an den Kühler oder die Frontscheibe. Obwohl wir nun zum ersten Frontscheibenriss, den wir schon bei der Wagenübernahme hatten, irgendwo unterwegs einen neuen dazubekommen hatten, hielt unsere Scheibe durch.
Von den Vögeln lagen viele tot auf der Straße. Sie waren von anderen Fahrzeugen getroffen wurden.
Wir erreichten genau zum Beginn der Öffnungszeit die „Geisterstadt“.
Ein Kontrollposten erklärte uns, wohin wir fahren müssten, um Eintrittskarten zu erwerben.
Es gibt eine einstündige Führung, die im Theater beginnt. Die Karten dazu kauft man in einem Laden davor, der auch Souvenirs und einen Imbiss anbietet.
Wir hatten noch eine Viertelstunde Zeit, bis die Führung begann.
Aber bereits jetzt sahen wir Häuser, die in die Sandwüste hinein gebaut worden waren und die sich nun die Wüste wieder zurückholt.
Die Leute, die sich im Theater versammelt hatten, wurden auf Englisch und Deutsch begrüßt. Nach Sprachen wurden die Gruppen den Guide zugeordnet. Wir hatten als

Führerin eine junge Frau, die sich für ihr Deutsch entschuldigte, aber es wirklich gut sprach.
Der Rundgang führte durch einige Häuser, die eine bestimmte Funktion hatten. Zum Beispiel gibt es die ehemalige Eisfabrik, den früheren Shop und ein verödetes Krankenhaus. Wir erfuhren von Kolmanskop, dass 1908 das Diamantenfieber bei Lüderitz begann und innerhalb von zwei Jahren diese Stadt in der Wüste entstand.
Es gab noch eine vereinsamte Kegelhalle, die wir ebenfalls besuchten.
Der Rundgang endete in einem Hof, in dem Gerätschaften zur Diamantenwäsche standen.
Nach der Führung hatten wir noch Gelegenheit, auf eigene Faust die „Geisterstadt“ zu erkunden. Und das war ein kleines Abenteuer.
Das Lehrerhaus, das wir betraten, ist sehr zerfallen und voller Sand. Dort sollte man wegen Einsturzgefahr lieber nicht weiter gehen. Aber das Haus des Managers oder auch des Buchhalters kann man ohne Probleme besichtigen. Als erstes fiel mir eine Badewanne, die vor dem Haus im Sand lag, auf. Ich schaute mir das Erdgeschoss und das erste Stockwerk sowie den Balkon an. Teilweise sind noch sanitäre Einrichtungen und Fliesen zu sehen. Auch die Elektroinstallationen sind noch recht gut erhalten. Der Sand holt sich aber unerbittlich sein Terrain zurück, manche Räume sind bereits stark zugeweht. Es gibt Fenster und Türen, die schon zur Hälfte im Sand versunken sind, eine wahre Geisterstadt…
Wir liefen weiter in Richtung Unterkünfte für unverheiratete junge Männer. Diese sind zwar auch voller Sand, aber man kann noch hineingehen, ohne auf allen Vieren kriechen zu müssen.
Als wir uns genügend umgesehen hatten, fuhren wir wieder zum Kontrollposten, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr besetzt war.
Auf dem Weg nach Lüderitz stoppte uns eine Straßensperre der Polizei zu einer allgemeinen Kontrolle. Ich ließ das Fenster herunter und verstand wieder einmal kein Wort. Wir machten das Handschuhfach auf und gaben sämtliche Zettel, die darin lagen, dem Polizisten: den Mietvertrag von Europcar, die Fahrzeugpapiere und auch die Bedienungsanleitung vom Autoradio.
Der Polizist holte seinen Vorgesetzten herbei, aber auch ihn verstand ich nicht. Also kramten wir noch meinen Euroführerschein und Personalausweis aus dem Rucksack heraus. Wir sagten ihm, wir sind Visitor, was Besucher bedeutet.

Endlich ließ er uns fahren. Auf dem Rückweg haben wir den Posten nicht mehr gesehen.
Am Ortseingang ging es uns als erstes wieder um den Reifen.
Inzwischen wussten wir, dass das englische Wort dafür tyres heißt, aber es haperte an der Aussprache.
Eine Werbetafel wies uns den Weg in eine Werksatt. Sie wurde gesucht und gefunden.
Es gab einen Reifen! Er war zwar etwas zu groß, passte aber auf die Felge. Mit dem Preis waren wir nicht einverstanden, aber der Chef versicherte uns, dass dieser Reifen neu sei. Wir sagten ihm, dass wir erst noch nach einem perfekt passenden suchen wollten und eventuell am Nachmittag wieder kommen würden.
Es gab in Lüderitz mehrere Werkstätten. Und so fuhren wir auf den Hof von Nummer zwei.
Einem Arbeiter, der an einem riesigen Rad arbeitete, erklärte ich, dass wir so etwas brauchten, nur kleiner. Er verstand den Spaß und kam mit zu unserem Auto. Ich öffnete den Kofferraum und zeigte das zerlederte Stück Reifen. Nun suchten zwei Männer nach einem passenden Reifen für uns, und sie wurden fündig. Endlich hatten wir, was wir so notwendig brauchten. Der Reifen war zwar gebraucht, aber mit dem Chef hatten wir uns schnell auf einen Preis mit Montage geeinigt. Wir bezahlten sofort, schon vor Beendigung der Reparatur, in bar und warteten geduldig am Auto.
Beim Bezahlen stellten wir fest, dass es höchste Zeit war, eine Bank zu suchen. Denn außer dem Geld für den Reifen in der Gemeinschaftskasse, das wir ja ausgegeben hatten, hatten wir keine namibischen Dollar mehr. Deshalb mussten wir Geld tauschen. Das sollten Petra und Roland für uns mit erledigen, während Kerstin und ich auf das Rad am Auto warteten.
Wir warteten lange, zu lange. Schließlich schöpften wir den Verdacht, dass etwas nicht stimmt.
Ich ging zum Chef und fragte ihn, was Sache sei. Er antwortete mir, dass der Reifen nicht auf die Felge passt, man hätte sich in einer Zahl geirrt und ein passender sei nicht vorhanden.
Ich verstand weiter, dass jetzt Mittag sei und er sich um einen Ersatz kümmern wolle, aber das könne bis zum Nachmittag dauern. Wir waren skeptisch und ließen uns lieber das Geld zurückzahlen. Auch hier vereinbarten wir, dass wir am Nachmittag eventuell wieder vorbeikommen, packten aber die Felge und den inzwischen abgezogenen alten Reifen lieber wieder ein.
Der Kofferraum war fast leer, und somit hatten wir kein Platzproblem.

Auf der Hauptstraße parkten wir das Auto an einer kleinen Kirche.
Petra und Roland kamen gerade von der Bank zurück. Auch sie hatten nichts erreicht, die Bank war zwar geöffnet, aber sie hatten keinen Pass dabei, der war im Auto.
Sie gingen nochmals los, und wir versuchten es in der dritten Werkstatt.
Hier hatten wir insoweit Glück, als der Chef Deutsch sprach. Als wir ihm die Maße genannt hatten, griff er sofort zum Telefon. Wir bekamen mit, dass er selbst keinen passenden Reifen hatte, dafür aber überall anrief, wo wir schon waren. Das Ergebnis war, wir sollten in die Werkstatt fahren, die unsere erste in Lüderitz war.

Petra und Roland waren einen Schritt weiter gekommen, sie hatten Geld für uns alle getauscht. Da wir aber sicherlich einen teuren Reifen kaufen mussten, entschloss ich mich, noch fünfzig Euro zu tauschen. Das bedeutete, sich am Bankschalter geduldig anzustellen, hier gingen die Uhren eben anders als bei uns in Deutschland.
Ich staunte über die Ruhe der Leute. Zum Beispiel ging der Wartende vor mir aus der Schlange, um sich in einem aufgehängten Fernsehapparat etwas Interessantes anzusehen. Danach stellte er sich wieder ganz hinten an.
Als ich dann endlich an der Reihe war, erlebte ich folgendes: Ich zeigte den Fünfzig Euro Schein vor, den ich tauschen wollte. Die Angestellte gab mir einen Zettel, den ich ausfüllen musste. Darauf nahm sie den Geldschein sowie meinen Pass und verschwand. Mir schwante nichts Gutes. Aber als sie wiederkam, hatte sie lediglich beides abgelichtet. Nun tippte sie noch im Computer und zahlte mir meine namibischen Dollar aus.
Bis zum Nachmittag wollten wir möglichst viel von der Stadt sehen, denn bisher waren wir ja nur in Werkstätten gewesen. Das Auto blieb in der Hauptstraße geparkt und wir liefen in Richtung Hafen, bis ich wieder eine Werkstatt entdeckte. Noch ein letztes Mal, ohne große Hoffnung, wollten wir es versuchen.
Die Arbeiter machten sich gerade auf zur Mittagspause, und wir wollten deshalb wieder gehen. Doch ein Mann fragte uns, ob wir etwas wünschten. Wir gaben ihm die Maße für unseren Reifen, nach dem er in seinem Lager suchte. Auch er hatte einen, der zu groß war, aber auf die Felge passte. Es war ein gebrauchter. Wir feilschten um den Preis. Er ließ aber nicht mit sich handeln und wir willigten ein. Die Montage könne er allerdings nicht vornehmen. Eine Tankstelle in der Nähe würde den Reifen aufziehen. Roland trug ihn zur Tankstelle. Dort trafen wir uns später nachdem ich das Auto geholt hatte und ich fragte den Tankwart, ob er uns das Rad montieren könnte. Er war einverstanden. Wir holten die Felge und den defekten Reifen und übergaben sie ihm. Eine Maschine zum Reifenaufziehen gab es auch. Doch als ich darauf zeigte, winkte er ab.
Entweder war diese kaputt oder er wollte sie nicht benutzen. Jedenfalls zog er den ersten Teil mit dem Gummihammer auf die Felge und arbeitete dann mit Montierhebeln und Füßen weiter. Endlich war der Reifen auf der Felge. Er wurde noch mit Pressluft aufgepumpt. Ich wollte jetzt das Rad einpacken. Er sagte jedoch „Moment“ und prüfte mit Wasser noch einmal die Dichtheit, und siehe da, zwischen dem Profil kamen Luftblasen heraus.
Roland ging zum Händler zurück und reklamierte. Er bekam das Geld für die Reparatur zurück.
Inzwischen wurde der Reifen auf die bekannte Art geflickt. Wir ließen etwas weniger Luft aufpumpen, da er ja größer war als die anderen. Ich verglich das Rad mit einem anderen. Wir waren der Meinung, dass es in den Radkasten passen müsste. Der Tankwart blickte zwar etwas skeptisch, nickte aber schließlich.
Er verlangte lediglich das übliche Geld für die Reparatur. Dafür gaben wir ihm ein ordentliches Trinkgeld.
Das Rad in der dafür vorgesehenen Mulde im Kofferraum zu verstauen, erwies sich als nicht einfach. Aber am Ende hatten wir unser „Notrad“ eingepackt und besaßen nunmehr drei geflickte Reifen. Ich möchte es aber vorweg nehmen. Das „Notrad“ kam nicht zum Einsatz, wir hatten keine Pannen mehr. Unser Auto war nur so schmutzig, dass wir beim Schließen des Kofferraums immer zurücktreten mussten. Doch innen hatten wir erstaunlicherweise kaum Staub.
Zum Thema Reifen wäre nur noch zu berichten, dass wir das Wort, das wir am Anfang in Englisch verwendeten, die Bedeutung von „reifen lassen“ hatte, was im Englischen ripen heißt. Deshalb hat man uns nie verstanden, tyres ist das richtige englische Wort.

Endlich konnten wir uns der Stadt widmen.
Zuerst ging es in einen Supermarkt, um Getränke und belegte Baguett's zu kaufen. Dann liefen wir zur Strandpromenade, auf der Tische und Bänke zum Verweilen einluden.
Nach dem Mittagessen spazierten wir in Lüderitz am Hafen entlang und freuten uns über die Sauberkeit, die auch hier herrschte.
Danach fuhren wir zur evangelisch-lutherischen Felsenkirche aus dem Jahre 1911 hinauf. Von da oben hat man einen schönen Ausblick auf Stadt und Meer. Leider war die Kirche geschlossen, so dass wir sie nur von außen besichtigen konnten. Es wehte ein kräftiger kühler Wind. Trotzdem nahmen wir noch an einer kleinen Stadtrundfahrt mit einigen Stopps teil.
Später habe ich gelesen, die Stadt erhielt ihren Namen nach dem Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz, der 1883 hier landete. Durch seinen Mitarbeiter und Teilhaber Heinrich Vogelsang handelte er dem Orlam Häuptling Josef Frederiks ein ca. 40 Meilen langes und 20 Meilen tiefes Landstück ab und errichtete darauf einen Handelsposten, das heutige Lüderitz.
Wir verließen die Stadt auf der Straße, auf der wir gekommen waren. Sand wehte über die Straße, mehr noch: Es war ein richtiger Sandsturm.
Wir fuhren eine Weile hinter einem LKW her und sahen, dass durch ihn wieder viele Vögel „abgeschossen“ wurden. Auch unser Auto hatte wieder einige auf dem Gewissen. Zwischendurch hielten wir nochmals an einer Bahnstation.

Wir hatten unsere Hoffnung, wilde Pferde zu sehen, noch nicht aufgegeben. Leider hatten wir diesbezüglich auch heute kein Glück.
Über die Bahngleise zu einem Aussichtspunkt zu fahren, war nicht möglich. Es gab zwar Übergänge, aber mit unserem Auto hätten wir dort aufgesessen.
Wir fuhren zurück zu unserer Lodge.
In einem Freigehege mit Restaurant beobachteten wir zwei Strauße mit ihren drei Jungen, für unsere Frauen begehrte Fotoobjekte. Roland und ich bestellten uns ein Bier und genossen den Anblick von der Terrasse aus.
Noch war es nicht ganz 17:00 Uhr, aber wir fragten trotzdem nach unserem Barbecue. Freundlich sagte man uns, dass es schon fertig sei und wir es mitnehmen könnten. Das freute uns natürlich. Wir erhielten eine große Pfanne mit Deckel, einige große Teller mit Alu - Folie abgedeckt. Vorsichtshalber packten wir noch zwei Säcke Holz ein.
Noch zweimal musste ich die Strecke zu Eagle's Nest mit dem Auto zurücklegen, aber ich hatte mich schon besser auf den schwierigen Weg eingestellt.

Oben angekommen, bereiteten wir zuerst Kaffee zu. Auf der Terrasse von Petra und Roland richteten wir uns ein. Stühle und Tisch wurden von unserer Terrasse herüber geholt.
Zu unserem Barbecue hatten wir einen Teller mit Kuchen und Torte dazu bekommen.
Zwischendurch duschten wir, und natürlich wurden die Kameras und Video - Camcorder mit Stativ aufgebaut, erwarteten wir doch auch heute Abend einen herrlichen Sonnenuntergang.
Petra schlug vor, den Grill schon zeitig anzuheizen. Wir hatten große Holzscheite und die mussten richtig durchbrennen. Zu Hause nimmt man ja zum Grillen meist Holzkohle. Am Kamin im Haus fanden wir auch ausreichend Grillanzünder. Das Feuer brannte sofort und gut, angefacht durch den Wind.
Es wurde Zeit nachzuschauen, was alles zu unserem Mahl gehörte.
Als erstes lüfteten wir das Geheimnis in der Pfanne: Obenauf lagen drei Flaschen mit verschiedenen Soßen, darunter in Alu - Folie zwei große Scheiben Beef mit Knochen, zwei kleinere Scheiben Lamm, vier Bratwürste, vier gefüllte Ofenkartoffeln und, jeweils in Alu - Folie eingewickelt, für jeden ein Sandwich.
Auf einem großen Teller war Gemüse angerichtet und phantasievoll garniert.
Ein Brot hatten wir uns aus der Stadt mitgebracht.
Ich heizte noch unseren Kamin an, denn die Abende waren kühl.
Draußen stand die Sonne schon fast am Horizont, als ich die ersten Würste auf den Grill legte. Auch Leute von benachbarten Bungalows saßen draußen, um den Anblick des Sonnenuntergangs zu genießen. Auf einem großen Stein hatte sich eine Gruppe versammelt.
Das Essen war fertig, als es schon dunkel war. Besonders die Würste schmeckten sehr gut. Das Beef war etwas zu groß für uns. Überhaupt waren die Portionen zu reichlich bemessen, die Sandwiches schafften wir nicht. Aber wir hatten viel Spaß.
Übrigens: Getränke gab es im Kühlschrank, wir brauchten nur einen Zettel für die Bezahlung auszufüllen.
Inzwischen war das Feuer im Kamin erloschen, es wurde von neuem entzündet.
Nach dem Abendbrot blieben wir noch eine Weile auf der Terrasse, aber es wurde zunehmend kühler und der Wind ließ auch nicht nach.
Irgendwann begaben wir ins Wohnzimmer und machten es uns am offenen Kamin gemütlich.
Wir hatten noch etwas Whisky in der Flasche und Cola im Kühlschrank. Dort kühlte auch Wein für die Frauen.
Das Leuchten der Kerzen und Teelichter ergänzte in wunderbarer Weise die gemütliche, die unvergessliche Atmosphäre, auch wenn das Kaminfeuer anfänglich immer wieder erlosch. Mit reichlich Feueranzünder entstand aber nach und nach eine tiefrote Glut, die wir mit unserem trockenen Holz gut „ernährten“.

Aber auch der schönste Abend geht einmal zu Ende. Morgen hatten wir zwar nicht so viele Kilometer vor uns, aber ein paar Stunden mussten doch gefahren werden. Wir gingen schlafen.
Die Glut im Kamin brauchten wir nicht zu löschen, es konnte nichts passieren, da ein großes Blech davor lag und die Feuerstelle ringsum aus Stein bestand.

Noch in der Nacht hörte ich das Knistern des Feuers und das Zusammenbrechen der abgebrannten Holzscheite.

Kurz nach Sonnenaufgang standen wir auf.
Schnell tranken wir in Eagle's Nest einen Kaffee, bevor wir unsere Sachen packten, das Auto beluden und los liefen.
Nein, das war kein Tippfehler: Kerstin, Petra und Roland liefen tatsächlich los, nur ich fuhr mit dem Auto. So reduzierten wir das Gewicht, um so wenig wie möglich aufzusitzen.
Als ich die gröbsten Bodenwellen, die sich im oberen Bereich befanden, gemeistert hatte, stiegen die drei zu.
Unten angekommen, bezahlten wir mit Kreditkarte unsere Rechnung und gingen abschließend noch einmal gut frühstücken.
Gegen 08:30 Uhr nahmen wir Abschied von Klein Aus Vista.

Wir fuhren auf der B4 parallel zur Bahnlinie, nur in entgegen gesetzter Richtung wie gestern nach Seeheim.
Und nun sahen wir sie, wilde Pferde.
Die Straße war gut und auch geteert, so kamen wir zügig voran.
Die erste Ortschaft, die wir durchquerten, war Gageb. Hier wollten wir eigentlich tanken. Die Tankstelle, die aus zwei Säulen bestand, fanden wir auch. Leider gab es kein Benzin und in Seeheim war keine Tankstelle eingezeichnet. Nach unserer Schätzung müsste unser Treibstoff aber gut bis zur nächsten Loge ausreichen. Dort aber brauchten wir dann unbedingt Benzin, auch, wenn wir noch nicht auf dem Trocknen sitzen würden, hier sind die Entfernungen einfach anders als in Europa.

 

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