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Touring-Afrika.de > Namibia > Reiseberichte > Traumurlaub06 Tag8

Swakopmund - die Stadt am Meer

Ein ganzes Stück ging es nun zurück auf dem Weg, den wir einen Tag zuvor gekommen waren. Als erstes wollten wir den „versteinerten Wald“ aufsuchen. Er befindet sich in der Nähe von Khorixas. Doch dazu kam es nicht. Das einzige Mal während unserer gesamten Rundreise verfuhren wir uns.
Wir befanden uns auf der D2612 und nicht, wie angenommen, auf der C39. So kamen wir gar nicht erst in den Ort Khorixas und auch nicht am „versteinerten Wald“ vorbei, sondern kürzten ein ganzes Stück ab, so dass wir uns bald auf der C35 befanden. Eine Rückfahrt wurde einstimmig ausgeschlossen. Deshalb erlebten wir den „versteinerten Wald“ nicht, hatten aber Zeit gespart und dadurch die eine Stunde Reparaturzeit von heute früh aufgeholt.
Die meisten Flüsse, die wir unterwegs überquerten, führten kein Wasser und wenn, war es nicht tief. So hatten wir damit kein Problem. Eher mit dem Geröll, das im Flussbett lag, denn Brücken gab es nur selten.
Wir fuhren in der Nähe des Brandberges vorbei, der mit seiner höchsten Erhebung, dem 2573 Meter hohen Königsstein, der höchste Berg Namibias ist. Leider war es sehr diesig und wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn wirklich gesehen hatten.
Aber etwas Besonderes gab es auf dieser Strecke doch noch zu erleben:

Am Straßenrand erblickten wir zwei Himbafrauen mit ihren beiden Kindern. Eigentlich sind die Himbas im Nordwesten Namibias, dem Kaokoland, zu Hause. Sie sind ein halbnomadisches Hirtenvolk.
Die beiden Frauen schauten uns nicht gerade sehr freundlich an .Trotzdem fragten Petra und Kerstin, ob sie sie fotografieren dürften. Sie waren einverstanden, wollten aber von jedem dafür umgerechnet 2 Euro haben, die sie auch erhielten. Den Kindern schenkte Petra Plüschtiere und Süßigkeiten.
Beim Weiterfahren sahen wir am Straßenrand auch Hereros, deren Frauen man vor allem an ihrer Kopfbedeckung erkennt.
Dann erreichten wir Uis. Der Ort war für uns insoweit interessant, als es dort eine Tankstelle und einen Supermarkt gab.
Weiter ging es auf einer 114 Kilometer langen Schotterpiste, die absolut trist war. Es gab rechts und links der Straße kaum etwas zu sehen. Während einer Pause entfernte ich mich ein Stück von der Straße und fand nur große Fladen ausgetrockneter Erde. Bei relativer Wärme und lästigem Staub setzten wir, fast allein auf der Straße, unsere Fahrt fort.
Endlich, kurz vor dem Südatlantischen Ozean, wurde unsere Straße zur Teerstraße. Darauf hatten wir lange gewartet. Nun erreichen wir schnell die gut ausgebaute Küstenstraße.
Nach rechts in nördlicher Richtung ging es zur Skelettküste, nach links in südlicher Richtung nach Swakopmund. Da wir zuerst nach Cape Cross, was auf Deutsch so viel wie Kreuz Kap heißt, wollten, fuhren wir nach Norden.
Aus unserem Reiseführer wussten wir, dass dort eine Robbenkolonie lag, die wir uns unbedingt ansehen wollten. Aber zunächst wäre ein kleiner Imbiss auch nicht schlecht, zumal es Mittagszeit war.
Unsere Wunschvorstellung war ein McDonald. Und wirklich ein Schild kündigte eine Bar an. Nichts wie hin! Wir waren die einzigen Besucher. Leider wurde unsere Frage nach Food verneint. Es gab nur Getränke. Schade. So verabschiedeten wir uns und hielten die Augen nach einem anderen Restaurant offen. Leider vergeblich.
Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt gelangten wir zur Robbenkolonie. Ob wohl Tiere zu sehen sind? Zuerst fuhren wir einen Parkplatz an und bezahlten in einem kleinen Häuschen Eintritt. Dort gab es auch Ansichtskarten und kleine Souvenirs.
Mit uns traf eine Reisegruppe ein, deren sämtliche Mitglieder langärmliche etwas dickere T-Shirts anprobierten. Kein Wunder, denn das rauere Klima - ungemütlich windig - war deutlich zu spüren.
Bis in Strandnähe, wo wir parken konnten, mussten wir noch ein paar Kilometer fahren.
Vom Parkplatz aus noch ein paar Schritte, da sahen wir sie. Massen von Robben tummelten sich am Strand oder schwammen im Wasser. Und es stank bestialisch nach ihren Exkrementen. So viele Robben zusammen hatten wir noch nie gesehen.
Eine kleine Mauer trennte uns noch vom Strand. Ob sie für die Besucher oder die Robben gebaut worden war, blieb unklar. Viele Fotos entstanden. Besonders die Kleinen hatten es uns angetan. Aber auch einige Kadaver waren nicht zu übersehen. Die lockten natürlich Schakale an, von denen wir auch einen sahen, der aber gebührend Abstand hielt und schnell verschwand.
Bis zum Ende der Mauer unternahmen wir einen kleinen Spaziergang. Hier waren wir den Robben ganz nahe. Ein Abstand von 1-2 m schien den Tieren angemessen zu sein und uns auch.
Als wir uns von den Robben verabschiedet hatten, die uns mit ihren großen Kugelaugen neugierig anschauten, beschlossen wir, zur Lodge am Cape Cross zu fahren.
Dort fragten wir nach einem Lunch. Man sagte uns, dass sei möglich, obwohl wir gar nicht sicher waren, ob hier geöffnet war. Es sah alles so neu aus. Das Haus lag direkt am Ozean mit einer Terrasse und großen verglasten Schiebetüren. Wir bestellten Pasta mit Meeresfrüchten. Ehe das Essen serviert wurde, entdeckte Kerstin ziemlich weit draußen im Meer einen Wal. Noch konnten wir es gar nicht glauben. Roland und ich holten aus dem Auto die Ferngläser. Unterwegs erzählten wir den Angestellten an der Rezeption von unserer Entdeckung. Sie schauten nicht aus, als ob sie uns glaubten. Doch wirklich, als wir auf der Terrasse standen und lange aufs Meer hinaus schauten, sah auch ich durchs Fernglas die riesige Schwanzflosse. Auch ein paar Robben lagen am Strand, doch diese waren nun gar nicht mehr so interessant. Da, schon wieder schoss eine Fontaine in die Luft, der große Körper war kurz zu sehen und dann war der Riese auch schon abgetaucht. Nach langem Warten war wieder die Schwanzflosse zu sehen, aber ein ordentliches
Foto zu schießen, war unmöglich. Wir sahen noch eine ganze Weile zu, bis der Gigant der Meere endgültig verschwunden war.
Wir mussten immer noch auf unser Essen warten. Als es dann aber endlich gebracht wurde, schmeckte es ausgezeichnet. Hunger hatten wir ja inzwischen genug.
Als wir bezahlt hatten, fuhren wir zurück: 40 Kilometer bis zu der Stelle, an der wir die Strandstraße vor ein paar Stunden erreicht hatten, und noch 72 Kilometer bis Swakopmund.
In dieser Stadt kann sich wohl niemand dem Eindruck entziehen, dass sie zur ehemaligen deutschen Kolonie „Deutsch - Südwest - Afrika“ gehörte.
Auf den ersten Blick wirkt Swakopmund wie eine Stadt an der Ost- oder Nordsee in Deutschland. Und wir hörten auch scherzhaft, dass Swakopmund das südlichste Nordseebad sei. Eventuell stören die Palmen diesen Eindruck etwas. Uns erinnerte die Stadt auch an Neuseeland. Auf alle Fälle war auf den ersten Blick alles sehr sauber und auch übersichtlich. Mit einem Stadtplan hatte ich keinerlei Schwierigkeiten zu navigieren und unsere Unterkunft sofort zu finden. Die Rapmund-Pension befindet sich in der Bismarckstraße gleich neben dem Café Anton, von wo aus man den Leuchtturm sehen kann.
Eine Frau, die Deutsch sprach, empfing uns und zeigte uns die Zimmer. Kühlschrank und Wasserkocher gehörten zur Ausstattung, Kaffee und Tee standen auf dem Korridor bereit. Die Zimmer waren gut ausgestattet und sauber.
Wir holten unsere Sachen aus dem Auto vom Parkplatz, der Tag und Nacht bewacht wird.
Diesmal richteten wir uns für einen längeren Zeitraum ein, für drei Nächte.
Natürlich hielt es uns nicht lange in der Pension. Aber zuerst mussten wir uns umziehen. Mit kurzen Hosen fiel man auf, denn es war recht kühl. Man konnte nicht nur lange Hosen, sondern auch eine Jacke vertragen. Schon am Cape Cross waren wir ja nicht wettermäßig angezogen.
Die kleine, schmucke Küstenstadt besitzt viele schöne Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit. Unser Weg führte uns jedoch zuerst zum Strand, der nicht weit von unserer Unterkunft entfernt ist. Er war breit, leer und auffallend sauber. Die Wellen brachen sich kurz vor dem Strand und es roch nach salziger Meeresluft.

Unser Spaziergang führte zurück zum Molenweg, der, wie der Name schon sagt, an der Mole endete. Nun wollten wir aber die Stadt erleben.
Am Leuchtturm vorbei ging es zum Postamt, in dessen Briefkasten steckten wir ein paar Ansichtskarten für zu Hause. An einem Schaufester blieb unser Blick hängen. Auf einem Plakat wurden Rundflüge angeboten. Damit stellte sich die Frage, was wir an den zwei folgenden Tagen unternehmen wollten. Es war gar nicht so einfach, das zu entscheiden. Also verschoben wir unsere Planung auf später.

Durch unsere Reisevorbereitungen wussten wir, dass es in Swakopmund ein deutsches Brauhaus gibt. Und bald standen wir davor.
Die Speisekarte draußen im Schaukasten ließ große Vorfreude aufs Abendbrot aufkommen. Sie wurde aber schnell gedämpft, es gab keinen Tisch, auf dem nicht ein „Reserviert“ Schild stand. Da kam mir die Idee, warum nicht auch reservieren lassen? Wir sind ja noch zwei Abende hier. Gesagt, getan. Heute war Samstag, Sonntag war geschlossen, und für Montag war es kein Problem, einen Tisch für vier Personen zu bestellen.
Doch im Moment benötigten wir eine andere Gaststätte, um endlich zu Abend zu essen. In einer kleinen Seitenstraße fanden wir eine ebenfalls gemütliche deutsche Einkehrstätte.

Wieder zurück in der Pension, setzten wir uns im Zimmer von Petra und Roland zusammen und planten den nächsten Tag.
Ideen gab es genug. Sie mussten nur koordiniert und konkret festgelegt werden. Da für morgen Ausschlafen angesagt war, frühstückten wir erst um 08:00 Uhr. Deshalb kam eine Bootstour in Walvis Bay nicht in Frage, denn die beginnt bereits um 09:00 Uhr, und später legen die Boote nicht mehr ab.
Hinzu kam, dass der nächste Tag ein Sonntag war und viele Geschäfte und Gaststätten geschlossen hatten. Die Büros mit den Angeboten für Touristen öffnen erst um 10:00 Uhr. Schließlich einigten wir uns, morgen Walvis Bay auf eigene Faust zu erkunden. Vorher wollten wir bei einem Touristenbüro eine Tour für Montag buchen.

Der kleine Frühstücksraum war einfach eingerichtet, es gab ein Buffet und auf Wunsch Kaffee oder Tee. Wer wollte, konnte ein Ei bekommen. Die „Allgemeine Zeitung“ lag kostenlos aus, und ich nahm mir ein Exemplar mit.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke und fuhren in einen Supermarkt, um Getränke und Zutaten für ein Picknick zu kaufen. Zum Beispiel: Hähnchenschenkel, Sandwich, Kuchen oder auch Schnitzelbrötchen, alles Portionsweise in Folie eingewickelt. Bezahlen konnten wir mit Kreditkarte. Aber auch der südafrikanische Rand (ZAR) wird akzeptiert und gewechselt.
Im Touristen-Informationsbüro bat ich, man höre und staune, in Englisch, uns bei der Auswahl eines Unternehmens für den nächsten Tag zu beraten. Die von mir angesprochene Frau sprach aber Deutsch, schade oder umso besser?
Wir ließen uns ein paar Angebote empfehlen: Flugsafaris, Bootsausflüge und Autofahrten.
Am Ende entschieden wir uns für eine vierstündige Autotour, die wir allerdings mit unserem Auto nicht unternehmen konnten, da sie durchs Gelände führte. Die Frau rief sofort beim Veranstalter an und buchte für uns.
Wir sollten am Montag um 10:00 Uhr von unserer Pension abgeholt werden. Der Mann, der diese Tour fährt, spräche deutsch und könne unsere Fragen beantworten. Wir bekamen einen Zettel und einige Prospekte mit. Die Frau erzählte uns noch, sie sei 66 Jahre alt und stamme von deutschen Einwanderern ab. Dankend verließen wir das Büro.
Das Wetter war an diesem Sonntagmorgen trüb. In der Hoffnung auf Besserung fuhren wir auf der B2 über den Swakop - River in Richtung Walvis Bay, was auf Deutsch soviel wie, Walfischbucht heißt.
Auf der rechten Seite der sehr gut ausgebauten Straße sahen wir das Meer.
Von Swakopmund bis Walvis Bay sind es nur dreißig Kilometer. Schon nach kurzer Fahrt entdeckten wir im Meer ein altes Schiffswrack. Auf der linken Seite begannen die Sanddünen. Wir begegneten wieder Anglern wie schon auf der Fahrt zum Cape Cross. Sie hatten ihre langen Angelruten am Auto vorn an den „Büffelfängern“ senkrecht angebunden.
Am Ortseingang von Walvis Bay ist Kreisverkehr. Hier kann man zum Flughafen abbiegen. Die gleiche Ausfahrt muss man nehmen, wenn man zur Düne 7 will.
Wir entschlossen uns bei diesem Wetter, zuerst zur Strandpromenade zu fahren. Unser Auto stellten wir vor dem Büro von „Mola Mola Safaris“ ab. Es war sofort jemand da, der gegen eine Gebühr auf unser Auto aufpassen wollte.
An einigen Straßenhändlern vorbei gingen wir zum Strand. Eine Art Haus auf Pfählen ragte ins Meer hinein. Es war eine Gaststätte aus Holz, an der jedoch noch gebaut wurde. Die Pfähle standen im Trockenen, denn zur Zeit war gerade Ebbe. Wir sahen Pelikane und weiter entfernt auch Reiher und Flamingos. Leider war das Wetter für Aufnahmen nicht ideal.
Mit dem Auto fuhren wir nun auf die Halbinsel.
Unterwegs sahen wir die Anlagen und Flächen für die Salzgewinnung.
Noch war Ebbe, aber die Flut kündigte sich bereits an.
Die Fahrt ging immer weiter auf die Halbinsel hinaus. Auch andere Fahrzeuge waren unterwegs. Als wir hielten, merkten wir beim Aussteigen, dass der Untergrund voller Salz und sehr glatt war. Für unser Auto war hier sowieso Schluss, denn die Straße war zu Ende und ringsum liegt, bis auf einige Robben, die sich an Land bewegten, und wenigen Robbenkadavern und Skeletten nur Strand mit viel, viel Sand.
Wir vermuteten, dass die Tiere es bei Ebbe nicht mehr ins Meer geschafft hatten. Zumal wir eine Robbe beobachteten, die Probleme hatte, durch den Sand wieder das Meer zu erreichen. Aber ich habe auch gelesen, dass viele Robben den Schakalen zum Opfer fallen. Wie auch immer, eine Robbe, die gerade aus dem Meer kam, war für uns ein schönes Fotomotiv.
Wir wussten nicht, ob unsere Straße bei Flut überspült würde und machten uns deshalb sicherheitshalber relativ zeitig auf den Rückweg. Auch auf der dem Meer abgewandten Straßenseite lagen manchmal tote Robben.
Auf einer Bank an der Strandpromenade hielten wir Mittagsrast. Wir hatten uns Schnitzelbrötchen und Getränke mitgebracht, auf die eine Möwe schon begierig wartete.
Eigentlich war in Walvis Bay um diese Zeit nicht viel los, was wohl am Wetter und der Jahreszeit liegen mochte. Wir konnten noch Flamingos beobachten, die bei Ebbe auf dem feuchten Meeresboden oder in kleinen Wasserlachen standen.
Wir beschlossen zur Düne 7 zu fahren, fanden aber keine Erklärung, woher die Düne ihren Namen hatte.

Der Straße zur Düne war ausgeschildert und nach der Überquerung der Bahnanlage lag sie vor uns. Es war Sonntag und deshalb ziemlich viel Betrieb. Es herrschte fast Volksfeststimmung.
Die Autos parkten direkt im Sand vor der Düne, die wir unbedingt erklettern wollten. Das war aber einfacher gesagt als getan. Zwei Schritte im Sand nach vorn bedeuteten einen zurück gerutscht. So ging es mühsam Stück für Stück nach oben. Wir hatten nicht den Dünenkamm gewählt, sondern eine Breitseite. Ihre Bewältigung gestaltete sich besonders kraftaufwendig. Aber wir schafften es. Nachdem wir teilweise auf allen vieren geklettert waren, standen wir auf dem Kamm der höchsten Düne in diesem Gebiet.
Hier vergaßen wir das schlechte Wetter, denn die Sonne schien und es war warm. Einige Quadfahrer fuhren die Düne hoch und runter, was einen höllischen Lärm verursachte.
Die Aussicht von hier oben war einzigartig. Vom Kamm aus konnte man auf beiden Seiten hinunterschauen. Leider hatte sich im unteren Drittel schon Müll in Form von leeren Plastflaschen und Papier angesammelt.
Auf dem Dünenkamm liefen wir ein Stück hin und her.
Petra und Roland waren schon unten am Auto.
Nun erlebten Kerstin und ich das Beste auf Düne 7, den Abstieg. Nur einen Bruchteil der Aufstiegszeit benötigten wir für ihn. Ich rannte einfach hinunter, musste aber wegen der Steilheit aufpassen, dass ich nicht vornüber fiel. Das wäre zwar ein weicher Sturz gewesen, aber ich hatte einen kleinen Fotoapparat mit, der nicht im Sand „baden“ sollte, obwohl er ganz gelb und feinkörnig war und den wir am Auto „kiloweise“ aus unseren Schuhen kippten. Bei so viel Sand wunderte es mich, dass unsere Füße überhaupt noch Platz in den Turnschuhen hatten.
Wir hatten in Namibia bis jetzt schon viele Kilometer Bahnschienen gesehen, aber noch nie einen Zug. Hier an Düne 7 sahen wir einen zum ersten Mal. Es war ein Güterzug, der von einer Diesellokomotive gezogen wurde. Die Kamera schnell gezückt, wurde auch dieses Motiv festgehalten.
Dann ging es wieder in Richtung Swakopmund. Wir machten noch einen Stopp an dem Schiffswrack, das wir schon heute früh gesehen hatten.
Es war der gestrandete Fischtrawler „Kolmanskop“. Dort waren auffallend viele Möwen am Straßenrand zu sehen. Eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi ging, sagte so etwas wie Sea lion. Wir bemerkten auch eine Robbe, die sich am Strand in Richtung Wasser fortbewegte.
Nachdem wir uns nun auf unseren Zimmern etwas frisch gemacht hatten, ging es wieder zum Strand, an den große Wellen schlugen.
Wir sahen diesem Schauspiel eine ganze Weile zu und gingen dann zum ersten Mal auf der Mole bis ganz nach vorn.
Das Wasser klatschte mit einer unvorstellbaren Kraft gegen die Steine und spritzte dann hoch auf.
Anschließend bummelten wir durch die Stadt, vorbei am Hansa Hotel zum ehemaligen Bahnhof, der nun ein Hotel beherbergt. Zum Schluss flanierten wir auf der Sam Nujoma Avenue, der ehemaligen Kaiser - Wilhelm - Straße. An einem Haus lasen wir den alten Straßennamen.
In dieser Straße gibt es viele Geschäfte und Banken, man kann bis fast zum Strand promenieren.

In einem Supermarkt waren wir Stammkunden, solange wir uns in Swakopmund aufhielten.
Einmal hatte ich einem sixpack Tafel Bier aus dem Kühlschrank genommen und hielt ihn in der Hand. Einer der Wachschutzleute, die es in jedem Geschäft gibt, kam auf mich zu, wobei ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, dass es sich um Wachschutz handelte, da dieser keine Uniform trug. Er sagte zu mir etwas auf Englisch, was ich jedoch nicht verstand. Also kümmerte ich mich nicht weiter um ihn und setzte meinen Einkauf fort. Nun holte er seinen Vorgesetzten, den ich als Wachmann identifizieren konnte. Freundlich erzählte er mir ebenfalls etwas. Aber auch von ihm verstand ich nicht, was er wollte. Ich erkannte aber, dass es sich um mein Bier handelte. Ich ging mit ihm zu dem Kühlschrank, aus dem ich es genommen hatte. Da sah ich einen Zettel an seiner Tür, der war zwar auf Englisch beschrieben war, den ich aber übersetzen konnte: Er verwies darauf, dass es am Sonntag kein Alkohol verkauft wird. Ich stellte das Bier zurück und wir kauften an diesem Tag im Supermarkt keinen Alkohol. Kein Problem: Es gab ja noch die so genanten Bottelshop's, vergleichbar mit unseren Getränkestützpunkten.

Nun stand wieder die Frage des Abendessens. Wir schauten uns hier und da nach einer geeigneten Gaststätte um, aber das Richtige fanden wir nicht. Doch ich erinnerte mich an jene Fischgaststätte, die wir vorhin am Meer gesehen hatten und bei uns einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Da die Tür verschlossen war, vermuteten wir, sie habe schon Feierabend. Aber es kam eine Bedienung, die uns öffnete, nicht, ohne hinter uns wieder zuzuschließen. Ein bisschen merkwürdig kam uns das Verhalten schon vor. In Geschäften hatten wir schon das gleiche beobachtet.
Man wies uns einen Platz zu, und obwohl Sonntag war, konnte man hier auch Alkohol bestellen.
Das Restaurant gehörte, wie wir später merkten, zu einer Kette ähnlich unserer Nordsee - Restaurants, aber mit Bedienung. Was sollten wir nun für ein Fischgericht nehmen? Die Auswahl war groß. Meeresfrüchte wollte ich jedenfalls nicht schon wieder essen. Wir entschieden uns für Line Fish. Wir wussten zwar nicht genau, was man darunter verstehen sollte, dachten uns aber, dass es so eine Art Angebot des Tages war. Nach unseren Erkundigungen konnte man das auch so auffassen. ,,Fisch an der Angel“ könnte man das Gericht wohl übersetzen. Jedenfalls hatten wir uns nicht verwählt, im Gegenteil. Es hat uns sehr gut geschmeckt, war reichlich und preiswert. In Deutschland hätte man das Gericht für dieses Geld nicht bekommen. Man kann dieses Fischrestaurant nur weiterempfehlen. Sollten wir wieder einmal in Swakopmund sein, steht es jedenfalls wieder ganz oben auf unserer Restaurantliste.

Wieder einmal wurde uns bewusst, wie mangelhaft unsere Englischkenntnisse sind. Deshalb gab es abends auf dem Zimmer bei einem Bier und einer Flasche Wein für uns vier Englisch Unterricht. Wenn schon die Aussprache nicht ganz einfach ist, so galt es wenigstens, Vokabeln und Phrasen zu lernen. Benutzt wurde dazu der elektronische Übersetzer.
Wie am Vortag, gab es gegen 08:00 Uhr Frühstück.
Heute hatten wir ja um 10:00 Uhr einen Termin.
Der kleine Bus von „Kallisto Tours“ kam pünktlich. Ein älterer Herr stellte sich als unser Reiseführer für unsere Halbtagesfahrt vor.
Der erste Stopp erfolgte an der B2 kurz nach dem Ortsausgang von Swakopmund. Dort stand in einem Pavillon das Dampfmobil „Martin Luther“. Wir erfuhren, dass dieses Gefährt 1,4 Tonnen schwer ist und 1896 von dem Offizier Troost aus Deutschland importiert wurde. Es sollte die Ochsenkarren ersetzen und die Strecke Swakopmund - Windhoek bewältigen. Es wurde mit Holz befeuert, blieb aber im Wüstensand stecken. Daher erhielt es seinen Namen „Martin Luther“, dessen Ausspruch lautete: „Hier stehe ich und kann nicht weiter".
Einige Arbeiter waren mit Bauarbeiten am Pavillon beschäftigt. Sie schlossen die Tür auf und wir konnten uns das Ungetüm ganz aus der Nähe betrachten.
Weiter ging es im Flussbett des Swakop Rivers, der jetzt ohne Wasser war. Wir lernten viele Pflanzen kennen, die meisten davon waren Sukkulenten, also wasserspeichernd.
Dieses Jahr soll viel Regen gefallen sein, so dass selbst für die Einheimischen ungewöhnlich viel Gras und anderes Grün gewachsen war.
Die Fahrt führte uns dann durch eine bizarre „Mondlandschaft“. Es waren weiche Gesteinsschichten, die sich vor Millionen Jahren hier abgelagert hatten und durch die sich der Fluss schlängelte.
Ein weiterer Höhepunkt war ohne Zweifel die kuriose Pflanze Welwitschia. Auch sie war ein Grund dafür, dass wir gerade diese Tour ausgesucht hatten.
Sie ist wohl die berühmteste Pflanze Namibias und wird ungefähr 1000 Jahre alt. Den Namen hat sie von ihrem Entdecker, dem österreichischen Botaniker Doktor Welwitsch. Wie wir von unserem Führer erfuhren, hat die Welwitschia nur zwei Blätter, die an ihren Enden absterben und immer wieder nachwachsen. Die Wurzel erinnerte mich an einen Baum, ansonsten liegen die Pflanzen tief am Erdboden und sind wenig attraktiv. Trotzdem kommen Menschen extra hierher, um einmal im Leben diese Pflanze zu sehen.
In der Nähe besuchten wir die „klingenden Steine“. Eine Klopfprobe zeigte, dass einige einen klingenden hellen Ton erzeugen, je nachdem, wie sie liegen. Die Steine enthalten sehr viel Eisen. Als wir weiterfuhren, wurde uns klar, das ging nur mit einem geländegängigen Fahrzeug. Unser VW-Bus hatte Allrad-Antrieb und war höher gelegt. Schließlich gelangten wir zur Sandwüste mit Sanddünen, die zwar nicht so hoch wie Düne 7 waren, aber dafür gab es hier keine Menschenseele.
Unser Fahrer nahm einen Magneten, dem er eine Plastiktüte überstreifte, und fuhr damit durch den Wüstensand. Man sollte nicht glauben, wie viele Metallspäne nun an dem Magnet hingen.
Etwas Zeit blieb noch, um eine Düne über ihren Kamm zu besteigen. Es bot sich uns wieder ein phantastischer Ausblick .Dazu schimmerte der Sand in verschiedenen Farben. Wie ein Spielzeugauto wirkte der VW-Bus dort unten.
Ab und zu sahen wir Käfer, die im Sand lebten.
Nach dem Abstieg wurden die Schuhe wieder geleert, sie waren wieder einmal voller Sand.

Von unserem Fahrer erfuhren wir viel über Land und Leute. Wir stellten Fragen zur Geschichte und der Gegenwart Namibias. Er erzählte uns, dass er 72 Jahre alt sei und Verwandte in Deutschland, in Zittau, habe.
Die vier Stunden vergingen wie im Fluge. Nach unserer Rückfahrt wurden wir vor unserer Pension abgesetzt, wir bezahlten und bedankten uns.

Petra hatte schon seit einigen Tagen Zahnschmerzen. So beschlossen wir, dass sie und Roland einen Zahnarzt aufsuchen, während Kerstin und ich zum Tanken fuhren. Anschließend machten wir noch einen kleinen Stadtbummel. Gegen 15:00 Uhr wollten wir uns am Supermarkt treffen.
Der Zahnarzt befand sich in der Bismarckstraße, an der Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße, also nicht weit von unserer Pension entfernt.
Tanken und Scheibenputzen waren schnell erledigt, zumal die Tankstelle ebenfalls in der Nähe war. Das war an diesem Tag die einzige Autotour. So wenig sind wir sonst nie an einem Tag mit dem eigenem Auto gefahren.

Unser Bummel durch die Stadt führte uns zuerst in eine Buchhandlung. In ihr gab es auch deutschsprachige Bücher und CD`s zu kaufen. In unserem Camcorder war schon die dritte und damit letzte mitgebrachte Kassette, also höchste Zeit, noch eine zu besorgen. In dem zweiten Fotoladen hatten wir dann auch Glück.
Wir schlenderten noch durch weitere Geschäfte, unter anderem sah ich auch ein T-Shirt mit der Aufschrift „Deutsch - Südwest - Afrika“. So verbrachten wir eine gute Stunde.
Wie abgesprochen, trafen wir uns mit Petra und Roland vor dem Supermarkt wieder. Der Zahnarzt konnte helfen, und in der Apotheke wurde noch ein Medikament gekauft. So war das Problem erst einmal aus der Welt.
Schon in den vergangenen Tagen fielen uns die Bäckerläden und Cafés auf, jetzt hatten wir Zeit, eins zu besuchen.
Kuchen und Kaffee schmeckten lecker.
Nachdem wir nochmals in unsere Pension zurückgekehrt waren, ging es zum Sonnenuntergang wieder an den Strand. Es gab ja so viele schöne Motive mit der untergehenden Sonne im Hintergrund, die es wert waren, fotografiert zu werden.
Eigentlich hatten wir noch vorgehabt, dem ehemaligen Bahnhof, der nun ein Hotel
beherbergte, einen Besuch abzustatten. Leider waren wir in Zeitnot, denn wir hatten ja im Brauhaus einen Tisch für 19:00 Uhr bestellt.
Pünktlich waren wir dort. Schon von außen ist das Gebäude, das zentral in einer Fußgängerzone liegt, schön anzusehen. Innen ist es mit Fahnen, deutschen Biersorten und Nostalgiebildern dekoriert.
Auch heute war ein Platz ohne Anmeldung nicht zu bekommen. Die Frauen bestellten sich Schweinebraten mit Rotkraut und Klößen, Roland und ich ließen uns ein Eisbein mit Sauerkraut, Senf und ebenfalls Klößen schmecken. Dazu passte ein Erdinger Weißbier.
Die Größe des Eisbeins war schon kein Mittelmaß mehr. Als wir gegessen hatten, brauchten wir zur Verdauung einen Kümmerling, ,,deutscher“ konnte das Abendessen nicht sein. Wir gingen jedenfalls sehr satt im Dunkeln in Richtung Leuchtturm, in dessen Nähe unsere Pension Rapmund lag.

In die Zeit unseres Aufenthalts in Swakopmund fiel auch das Bergfest, die Hälfte unseres Urlaubs war wie im Flug vergangen. Dabei hatten wir das Gefühl, dass die zweite Urlaubshälfte noch schneller vergeht.

 

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