Von Windhoek zur Otjibamba - Lodge
Koffer ins Auto, einen Rucksack obenauf, zwei Reisetaschen davor, Getränke in den Stauraum, zwei Rucksäcke mit der Fotoausrüstung in die Mitte der hinteren Bank - wir beherrschten ein richtiges System beim Packen. Trotzdem überprüften wir nochmals, ob wir nichts vergessen hatten. Ergebnis: Unsere Ladung war komplett. Und so konnten wir gut, verpackt Charlottes Gästehaus verlassen.
Hierher kamen wir erst nach drei Wochen zurück.
An der alten Feste von Windhoek hielten wir nochmals, das Auto wurde im Kreisverkehr, der links herum eingefahren wird, gleich gewendet. Ein paar Stufen ging es hoch, die Feste war noch geschlossen, aber die Aussicht war wunderbar und die Sonne stand im Rücken, also ideal zum Fotografieren.
Heute lagen ca. 250 Kilometer vor uns. Unser Ziel war die Otjiwarango - Region, die Lodge heißt Otjibamba und liegt 5 Kilometer südlich von Otjiwarango.
Als wir Windhoek verließen, herrschte schon relativ viel Verkehr in der Stadt. Auch einen Blitzer entdeckte ich, und Anzeichen von Stau gab es auch. Wir fuhren auf guter Straße Richtung Norden. Verfahren war kaum möglich, erstens gibt es außerhalb der Stadt nur wenige Straßen, und zum zweiten sind sie gut ausgeschildert.
Die B1 zieht sich in Süd - Nord Richtung durchs ganze Land. Im Süden grenzt Südafrika und im Norden Angola an Namibia.
Die Straße ist geteert und ohne jegliche Schlaglöcher oder andere Schäden.
Es gibt aber keinen markierten Randstreifen und keine Begrenzungspfähle. Man muss schon gut aufpassen, um nicht zu sehr nach links abzudriften. Hier ist der Beifahrer gefragt, den Fahrer darauf aufmerksam zu machen, wenn die linken Räder im Schotter fahren. Doch besser ist es, ihn schon vorher zu warnen.
Die Straße scheint unendlich und verleitet zu schnellem Fahren.
Eine Geschwindigkeit von 120 km/h halte ich für angemessen. Man sollte auch daran denken, dass Tiere auf der Fahrbahn sein können. Es gibt zwar rechts und links einen Zaun, aber das bedeutet nicht, dass Tiere ihn nicht überwinden können.
Wir fragten uns, wie dieser unendlich wirkende Zaun gebaut worden ist.
Die Parkplätze werden zeitig angekündigt und sind ausreichend vorhanden.
Ein grünes Verkehrszeichen mit einem Baum und einer Bank kündigt sie an. Weiterhin steht noch die Kilometerentfernung auf dem Schild. Und wie auf ihm sehen die meisten Parkplätze aus: Sie sind eine Einbuchtung aus einer Schotterstraße, in deren Mitte sich ein Baum befindet. Ein Tisch sowie Sitzgelegenheiten aus Beton laden zum Verweilen ein. Als Abfallbehälter stehen leere aufgeschnittene 200l Metallfässer, die an einem Gestell hängen, zur Verfügung.
Nach 66 Kilometern erreichten wir Okahandja.
In unserer Reiseplanung war hier die Besichtigung eines Herero - Friedhofes vorgesehen. Aber wir entdeckten nicht die Spur einer Begräbnisstätte, an solche Enttäuschungen sollten wir uns noch gewöhnen.
Also was nun? Ich hatte einen elektronischen Übersetzer mit und suchte das Wort, „Friedhof“ heraus. Er sollte auf Englisch cemetry heißen. Keine Ahnung, wie das ausgesprochen wird. Als wir versuchten, nach cemetry zu fragen, schaute man uns verständnislos an, ein sicheres Zeichen, dass man uns nicht verstand. Diese Art von Blicken kannte ich, wir sollten ihnen noch oft begegnen. Ob es wohl auch daran lag, dass wir den Leuten nur Worte oder Satzfetzen, die ohnehin noch falsch ausgesprochen waren, an den Kopf warfen? Roland und ich versuchten es noch einmal bei einem älteren Paar und sie schienen zu verstehen, dass wir den Herero - Friedhof suchten. Das Zauberwort hieß grave und bedeutet Grabmal. Wo das zu finden war, wussten sie zwar auch nicht, aber mit ihrem Englisch fragten sie weitere Passanten und wir wurden schließlich in die richtige Richtung gewiesen.
Unser Auto parkten wir vor einer Ferienunterkunft, wo gerade der Grill angeheizt wurde.
Wir mussten nochmals fragen. Diesmal schien man uns aber sofort zu verstehen, zeigte uns die Richtung, und auch Schilder konnten wir nun entdecken. Wir fanden den Herero - Friedhof. Er war klein, eingezäunt, mit einer Kette und einem Schloss war das Türchen gesichert. Es gab dort drei Grabmale. Die Jahreszahlen auf einem sagten uns, dass der hier begrabene Mann wohl 100 Jahre alt geworden war, aber sicher bin ich mir da keinesfalls. Der Führer der Herero hat seine letzte Ruhestätte auch hier gefunden. Eine Kirche steht gleich daneben, eine zweite auf der anderen Straßenseite. Sie ist auch von einem Friedhof umgeben. Das Tor war offen, und wir sahen uns die Gräber an. Hier waren deutsche Männer beerdigt. Wir lasen ihre Dienstgrade, Geburts- und Todesorte sowie andere Daten. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass wir überall unsere Fotos machten.
Später liefen wir die staubige Straße zurück zu unserem Auto.
Ein Supermarkt versorgte uns mit Getränken und eingepackten Schnitzelbrötchen, die wir zum Mittag auf einem Rastplatz essen wollten.
Die nächste Tankstelle war jetzt unsere.
In Namibia wird man an den Tankstellen bedient, und das Scheibenputzen vom Personal ist eine Selbstverständlichkeit. Wir benötigten 95 Oktane und bezahlten für den Liter im Durchschnitt umgerechnet ca. 0,70 Euro.
Wir hatten nun noch ungefähr 170 Kilometer gute Straße zu bewältigen. Unterdessen war es Mittagszeit, Zeit, am nächsten Parkplatz zu rasten.
Unser Zeitplan ließ einen Umweg zu. Deshalb verließen wir 28 Kilometer vor Otjwarongo die B1 und bogen auf die C22 ein. Wir wollten uns den Groot Waterberg ansehen. Auf den ersten Kilometern war die Straße noch gut. Als wir aber auf die D2612 abbogen, hatten wir zum ersten Mal in Namibia eine rote Sandstaubpiste unter den Rädern. Hier kann man nur mit Vorsicht fahren, denn der Sand ist sehr rutschig.
Die Hochfläche ist ca. 200 m hoch und überragt als Tafelberg das Umland. Wir gaben uns nach ein paar Kilometern Piste mit dem Berg zufrieden und kehrten um, nicht ohne vorher noch einen Fotostopp einzulegen.
Leider war es um den Berg sehr diesig. Auf der C22 hielten wir nochmals, denn eine Art Esel, am Straßenrand weidend, lief uns vor die Kamera.
Bei diesem Halt stellten wir fest, dass der linke hintere Reifen eine kleine Beule aufwies. Die Beule am „M“ des Schriftzuges wollten wir weiter beobachten.
Doch ohne Zwischenfälle verlief die Weiterfahrt zu unserer Lodge, der Otjibamba Lodge, die wir auf gut ausgeschilderter Strecke erreichten. Das Besondere für uns: Die Lodge hat einen eigenen Wildpark.
Das Einchecken ging schnell und problemlos vonstatten. Wir bekamen ein Doppelhaus, an das wir auch mit dem Auto heranfahren konnten. Die Beule im Reifen war unverändert. Die Idee, das Rad zu wechseln, verwarfen wir vorerst.
Als wir die Tür zu unserem Haus öffneten, schaltete sich eine Alarmanlage ein. Ein Mann eilte herbei und erklärte uns, wir müssten erst mit der am Schlüssel hängenden Fernbedienung die Alarmanlage deaktivieren und danach die Tür öffnen. Ob die Alarmanlage aktiv oder deaktiviert ist, erkannte man an der roten Lampe über der Eingangstür. Das gleiche ist auch bei der Terrassentür zu beachten.
Die Koffer auszupacken war wieder nicht notwendig, wir blieben hier nur eine Nacht.
Als erstes wollten wir den Wildpark auf einem kleinen Spaziergang erkunden. Da liefen uns auch schon die ersten Giraffen über den Weg. Weiterhin sahen wir Springböcke und Strauße.
Im Park gab es einen kleinen Aussichtspunkt, auf dem wir eine Weile verbrachten. Dann beschlossen wir, zur Lodge zurückzukehren, da es dort ein Wasserloch gab. Wir hofften, dass sich hier zum Sonnenuntergang noch mehr Tiere einfinden würden.
Auf dem Gelände der Lodge lag auch ein kleiner künstlicher Weiher, auf dem Flamingos zu beobachten waren. Die Anlage war sehr hübsch gestaltet, mit viel Grün und kleinen Wegen sowie einem Swimmingpool.
Wir warteten auf einer Bank mit Sicht zum Wasserloch auf den Sonnenuntergang. Das Stativ war aufgebaut und die Fotoausrüstung griffbereit. Es war noch nicht dunkel, da kamen die ersten Besucher aus dem Busch, es waren Gnus.
Als die Sonne verschwand, war es kurz darauf schon finster. Aber die Wasserstelle war beleuchtet, und so konnten wir noch Zebras und Springböcke beobachten, die zum Saufen kamen.
Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, ging es zum Abendbrot. Wir bestellten Oryx - Steak, da wir dies als etwas Typisches der Namibianischen Küche ansahen, es schmeckte sehr gut. Zu Trinken gab es Bier und südafrikanischen Wein. Die Preise sind günstiger als in Deutschland.
Die Lodge war nicht ausgebucht.
Den Abend verbrachten wir auf der Terrasse vor unseren Häusern. Wir entdeckten noch ein Pärchen Frösche, das wohl gerade für Nachwuchs sorgte. Das Interessanteste aber waren die Geräusche der Natur.
Es kann in der Nacht richtig laut werden, da die Tiere jetzt aktiv sind. Am Wasserloch gab es aber nur noch ein paar Hühner. Ob auch sie die Sterne am Himmel glänzen sahen? Wir genossen die Nacht, denn Frühstück gab es erst ab 08:00 Uhr.
Am nächsten Morgen entdeckte ich eine ersoffene Maus im Swimmingpool.
Wir wollten gleich abfahren und unterwegs frühstücken, da wir eine längere Fahrt vor uns hatten.
Bei der Abgabe der Schlüssel sagte man uns aber, dass wir schon jetzt frühstücken könnten, also nutzten wir die Gelegenheit, bevor wir losfuhren.


