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Touring-Afrika.de > Namibia > Reiseberichte > Traumurlaub06 Tag11

Fish River Canyon

In Seeheim verließen wir die B4 und bogen auf die C12, eine Schotterpiste, nach Süden.
Auch die Bahn hatte hier ein Dreieck. Wir fuhren also weiterhin parallel zu den Schienen, die wir zweimal überquerten. Die Bahnstationen waren kleine Haltepunkte. Nach einer kurzen Pause und einer weiteren Straßenkreuzung erblickten wir das erste originelle Schild vor dem Canon Roadhouse. Es zeigt ein trauriges Mondgesicht und die Frage „Durstig?“. Dann der zweite Smiley. Er fragt „Hungrig?“. Kurz darauf ein drittes Schild mit blinzelndem Mondgesicht. „Schläfrig?“, lasen wir. Der vierte Smiley lächelt froh und kündigt das Canon Roadhouse an.

Ein altes Autowrack weist unübersehbar auf die Einfahrt zur Lodge hin.

Wir wurden freundlich empfangen, diesmal von einer Chefin. Sie sprach Deutsch und zeigte uns unsere ebenerdigen Zimmer.
Im Mittelpunkt der Unterkünfte befindet sich ein kleiner Hof mit vielen Pflanzen.

Der erste Wunsch, den wir hatten, war zu tanken.
In der Anlage befindet sich auch eine kleine Tankstelle. Der Tankwart wurde geholt und füllte den Tank.
Nachdem das erledigt war und wir uns etwas eingerichtet hatten, begaben wir uns zum Mittagessen auf die Terrasse des Restaurants.
Für den Nachmittag planten wir einen Spaziergang in der näheren Umgebung.

Unsere Lodge war nicht nur außerhalb mit dem Autowrack am Eingang dekoriert, es standen noch viele andere alte Requisiten auf dem Gelände: alte Zapfanlagen, ein altes Motorrad und ein LKW-Führerhaus. Auch innen ist das Restaurant mit vielen Gegenständen, die mit der Motorisierung, Anfang des 20. Jahrhunderts zu tun hatten, ausgestaltet
Die Bar sieht aus wie das Cockpit eines Autos. Die Wände zieren Nummernschilder und Zeitungsartikel über Kraftfahrzeuge. Eine Stoßstange als Board für Flaschen und Gläser ergänz das originelle Interieur. Alles in allem, Nostalgie pur.
Weiterhin gehören zur Hotelanlage ein Swimmingpool und Campingplatz.
Zwei dicke Fotoalben liegen aus und zeigen den Aufbau der Lodge, aber auch, was hier los ist, wenn der zur Zeit ausgetrocknete Fluss zum reißenden Gewässer wird.

Wir spazierten auf einem Weg abseits der Straße in Richtung eines kleinen Hügels mit einer Antennenanlage, der rundum mit Sträuchern bewachsen ist. Hier wachsen auch mannshohe Kakteen.
Der Weg um den Hügel endete im Nichts und wir mussten auf ihm zurück. Auf der gegenüberliegenden Seite ging es aber noch einen kleinen Berg hoch, der offensichtlich zugänglicher war.
Der Aufstieg dauerte etwa eine halbe Stunde.
Von einem Plateau aus kann man die Gegend gut überblicken.
Wir sahen ungefähr fünfhundert Meter vor uns einen Köcherbaum, unser nächstes Ziel.
Zum ersten Mal fasste ich einen dieser Gewächse an. Sein Stamm ist ungewöhnlich glatt, und weißer Staub, der Ähnlichkeit mit Mehl hat, blieb an unseren Händen haften. Es ließ sich nicht vermeiden, dass auch Hose und T-Shirt weiß wurden.
Unseren Weg säumten Steine und kleine Felsen.
Die Straße und das Canon Roadhouse waren von hier oben gut zu sehen.

Auf dem Rückweg überquerten wir den Campingplatz.
Zwei junge Leute schlugen gerade ihr Dachzelt auf dem Auto auf. Wir waren sprachlos, wie schnell mit wenigen Handgriffen die Behausung aufgestellt war.
Mich machten noch die sanitären Anlagen neugierig und ich war angenehm überrascht, wie sauber alles war. Selbst Steckdosen waren vorhanden. Vielleicht könnten auch wir einmal hier campen.

Zurück in unserem Zimmer war nicht mehr viel Zeit bis zum Sonnenuntergang. Wir nutzten sie für eine ausgiebige Dusche.
Pünktlich zum Sonnenuntergang standen wir vor unserer Lodge, das Objektiv zwischen zwei Köcherbäumen auf die Sonne gerichtet. Danach wurde es Zeit für das Abendbrotessen „á la Carte“. Es gab dazu Wein und Bier, aber für das bestellte Essen brauchten wir eine volle Stunde Geduld. Als es dann aber kam, schmeckte es wirklich sehr gut. Den Rest des Abends verbrachten wir im Restaurant am Kaminfeuer und bei einem guten Whisky.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, das es im gleichen Restaurant gab, packten wir unsere Rucksäcke für eine Halbtagestour zum Fish River Canyon.

Zuerst führte unsere Fahrt zur Fish River Canyon Lodge.
Sie erinnerte uns im ersten Augenblick an das Canon Roadhouse. Auch dort stehen alte Autowracks als Dekorationen herum. Und zum zweiten gibt es Ähnlichkeiten mit Eagle's Nest, denn auch hier wurden die Bungalows zwischen gigantische Granitblöcke gebaut.
Vor der Rezeption stand ein Allradfahrzeug mit einem platten Reifen, Erinnerungen wurden wach...
Die Bepflanzung der Anlage zeugt von gutem Geschmack.
Auch eine Pferdekoppel gibt es hier.
Im Hauptgebäude der Fish River Canyon Lodge sind Rezeption, Restaurant, Bar und ein kleiner Souvenirladen untergebracht.

Wir fuhren weiter zum Parktor, der Canyon ist Teil eines staatlichen Naturparks und gebührenpflichtig.
Am Tor befindet sich auch das Rastcamp Hobas mit einem kleinen Kiosk. Nach dem Bezahlen des Eintrittspreises hatten wir noch zehn Kilometer schlechte Schotterpiste vor uns, die am Main Viewpoint, also an einem Hauptaussichtspunkt, endet.
Noch waren wir fast allein dort. Das Auto blieb auf dem Parkplatz und wir genossen die wunderbare Aussicht. Aber auch ein niedliches Streifenhörnchen erregte unsere Aufmerksamkeit.
Der Fisch Fluss Canyon ist, nach dem Grand Canyon in den USA, der zweitgrößte Canyon der Welt.
Mit dem Auto fuhren wir noch ein Stück weiter nach rechts, hatten dann einen kleinen Fußweg zu passieren und erreichten nochmals einen Aussichtspunkt. An dieser Stelle war auch der Abstieg.
Es gab Pfosten, an denen Ketten nach unten führten.
Ein Abstieg ist aber nur mit einem Gesundheitszeugnis und Guide erlaubt, und nur zwischen Mai und August.
Als wir uns satt gesehen hatten, fuhren wir zurück zu dem Parkplatz, auf dem wir vorher waren und wanderten noch etwa eine Stunde in die andere Richtung.

Die Aussicht änderte sich immer wieder und verleitete uns von Kurve zu Kurve, weiter zu gehen.
Der Fish River Canyon ist 160 km lang, 550 m tief und bis zu 27 km breit.
Wir sahen keine größeren Tiere, aber viele Echsen, Streifenhörnchen, Frösche und Vögel.
Die zehn Kilometer Schotterpiste zurück schafften wir etwas schneller, wir hatten uns an die schlechte Straße gewöhnt.
Als wir am Tor wieder ankamen, war es Mittagszeit, aber das Angebot im Kiosk war sehr dürftig. Es könnte auch daran gelegen haben, dass Sonntag war. Wir kauften ein paar Getränke und eine Büchse Würstchen. Das hätten wir sein lassen können, denn die sechs weichen Würste schmeckten nach nichts und Hunger hatten wir nach ihrem Verzehr trotzdem noch.
Einen weiteren Plan hatten wir für den heutigen Tag zunächst nicht, also traten wir die Rückfahrt zu unserer Lodge an.
Unterwegs hatten wir noch eine Idee.
Da wir wussten, dass im Köcherbaumwald weder Zeit für Sonnenaufgangs- noch Sonnenuntergangsfotos sein würde, suchten wir uns in der Nähe des Canon Roadhouse einen einzelnen Köcherbaum aus, den wir heute Abend vor der untergehenden Sonne fotografieren wollten.

Im Haus angekommen, gab es ein Mittagessen oder auch Kaffee und Kuchen, wie jeder es mochte.
Der Plan für die Zeit vor dem Abend musste nun noch überlegt werden.
Petra und Roland wollten sich am Pool eine Auszeit nehmen. Kerstin und ich dachten daran, nochmals die Hügel hinter unserer Lodge hoch zu klettern, und ein Stück zu laufen.
Diesen Gedanken setzten wir in die Tat um.

Diesmal liefen wir die Anhöhe hinauf, auf der die Sendemasten stehen.
Den Weg konnten wir mehr erahnen als sehen. Er führt vorbei an Kakteen und kleinen Büschen. Viele Steine liegen auf dem Weg und können teilweise als Treppe benutzt werden.
Als wir die erste Terrasse erreicht hatten, stiegen wir weiter nach oben.
Bald konnten wir die Lodge nicht mehr sehen.
Um uns nicht zu verlaufen, behielten wir immer die Richtung bei. Aber da wir nur zwei Stunden Zeit hatten, nahmen wir uns vor, nach einer Stunde umzukehren. Zum Glück ist unser Pfad mit Wegzeichen aus übereinander gelegten Steinen markiert.
Immer wieder waren Köcherbäume unser nächstes Ziel.
Verlaufen sollte man sich in dieser Gegend nicht.
Auf dem Rückweg mussten wir viele Unwegsamkeiten überwinden und uns mehrmals neu orientieren, verloren dabei aber nicht die Richtung aus den Augen.
Unterwegs sahen wir noch einige Springböcke, die aber schnell Reißaus nahmen.

Wieder in der Lodge, wurde schnell geduscht, die Fotoausrüstung sowie einen sixpack Bier ins Auto gepackt. Wir fuhren zu dem Köcherbaum, den wir uns auf dem Rückweg vom Fish River Canyon ausgesucht hatten.
Es waren ungefähr vier Kilometer bis dorthin. Das Auto parkten wir einfach am Straßenrand.
Der Baum war auch schnell erreicht.
Dort wurden sehr viele Fotos mit und ohne Sonne gemacht, dann auch noch ein Gruppenfoto.

Der Sonnenuntergang war mit seinem Farbenspiel wieder wunderschön.
Ein Storch flog über uns hinweg und landete auf einem nahen Baum. Später kam noch eine Herde Zebras vorbei, die Roland leider verscheuchte.

Das Abendessen, das wir nach unserem Köcherbaum - Ausflug einnahmen, dauerte nach der Bestellung noch länger als am Vortag, schmeckte aber eben so lecker.

Danach gingen wir an die Bar und kamen hier mit der Wirtin und anderen Gästen ins Gespräch.
Am nächsten Tag versuchten wir nach dem Frühstück so gegen 07:30 Uhr, mit dem Handy Diana anzurufen.
Man muss drei Tage vor Rückflug bei der Airline eine Rückflugbestätigung einholen. Es könnte ja sein, dass sich die Flugzeiten verschoben hatten oder ähnliches.
Am anderen Ende der Leitung hörte ich eine Stimme, die ich überhaupt nicht verstand. Deshalb rief ich anschließend ihren Bruder an. Leider auch ohne Erfolg.
Da wir nicht wussten, wie lange das Handy noch durchhält, kauften wir uns eine Telefonkarte für das Festnetz. Von unserer Wirtin ließen wir uns die Nummer von Namibia Air geben.
Die Karte zu bedienen, bereitete uns mangels unserer ungenügenden Englischkenntnisse Schwierigkeiten. So mussten wir einen Angestellten um Hilfe bei der Freischaltung bitten.
Bei Namibia Air erreichte ich niemand.
Nun rief ich die Notrufnummer von Sense of Africa an. Dort sprach man Deutsch und gab uns die Telefonnummer von Dianas Büro, das aber erst um 08:00 Uhr erreichbar war. Nach ein paar Minuten des Wartens erhielten wir aber Verbindung mit einem Kollegen Dianas, der unser Anliegen verstand. Diana sei noch nicht da, müsste aber jeden Moment kommen. Wir einigten uns so, dass sie uns ein Fax ins nächste Hotel schicken sollte, um damit unseren Rückflug zu bestätigen. Ein Fax deshalb, weil wir unterwegs im Auto auf dem Handy wahrscheinlich keinen Empfang hatten.

 

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