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Touring-Afrika.de > Namibia > Reiseberichte > Traumurlaub06 Tag7

Die Felsgravuren des Buschmannes

Wir fuhren zuerst wieder nach Kamanjab, doch nun nicht wie am Vortag in südliche Richtung, sondern nach Westen. Es wäre auch möglich gewesen, die schlechte C35 zu fahren, aber wir wollten über 100 Kilometer nicht noch einmal dieselbe Straße zurücklegen. Also wählten wir den Weg über das Gebirge.
Ab Kamanjab blieben wir zwar weiterhin auf der C40, aber diese führte von hieraus als Schotterpiste weiter.
Nachdem wir getankt hatten, trennten uns 100 Kilometer vom Grootberg - Pass. Die Strecke war landschaftlich wirklich sehr schön. Sie bot beeindruckende Foto-Motive, die wir uns natürlich nicht entgehen ließen.
Wir durchquerten Flussbetten, die meist ausgetrocknet waren oder nur noch ein schmales Rinnsal an Wasser führten. Bei mehr Wasser wären wir wohl mit unserem PKW hier nicht durchgekommen, ein weiterer Grund, sich für einen Jeep zu entscheiden.
Als wir wieder einmal am Straßenrand hielten, lag eine tote Schlange zwischen den Steinen. Um welche es sich handelte, konnten wir nicht feststellen.
Diese Berge und Felsen, diese immer neuen Landschaften aus den verschiedensten Blickwinkeln kann man gar nicht oft genug fotografieren. Aber alle Fotos oder Filme können die Wirklichkeit nicht annähernd widerspiegeln und ersetzen.
Eine Ortschaft oder Tankstelle gab es auf der heutigen Tour nicht mehr.
Von der C40 bogen wir links auf die C43 und nach 39 Kilometern wiederum links auf die C39. Wir wollten nicht allzu spät in der Lodge sein, aber die nur 5 Kilometer entfernten Felszeichnungen mussten wir unbedingt sehen. Am nächsten Tag wardafür keine Zeit, da wir weiter mussten und schon einen Umweg eingeplant hatten. Ein Stopp wurde noch an einem großen Felsen direkt neben der Straße eingelegt. Es war sehr warm dort und Schwärme von Fliegen belästigten uns. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, ein klein wenig herumzuklettern, immer wachsam, damit wir nicht etwa eine Schlange übersahen.
Trotz der schlechten Straße und des Gebirges lagen wir noch relativ gut in der Zeit.

Als wir die C39 verließen, war unser erstes Ziel die so genannten „Orgelpfeifen“. Diese geologische Besonderheit sollte man nicht verpassen. Die „Orgelpfeifen“, eine Reihe von Doleritsäulen, die von der Erosion freigelegt wurden, befinden sich in einer Schlucht.
Der Parkplatz liegt oberhalb, und man kann zu Fuß absteigen. Eine andere Reisegruppe befand sich auch gerade hier.
Wir kletterten in die Schlucht hinunter. Man kann ruhig solch ein Gesteinsstück in die Hand nehmen, es liegen genug abgebrochene Teile herum.
Danach fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter zum „Verbrannten Berg“. Er erhielt seinen Namen wegen des geschwärzten Kalksteins, der sich an seinem Fuß befindet. Schwarze Doleritbrocken vermitteln zusammen mit den übrigen Felsen, die in verschiedenen Farbtönen leuchten, den Eindruck, als ob hier ein verheerendes Feuer gewütet hat. Man solle diesen Berg wegen des Naturschutzes nicht besteigen, wie auf Schildern zu lesen ist. Aber man kann unten ein kleines Stück laufen und die Natur bewundern. Leider mussten wir nach nur kurzem Aufenthalt zu unserer nächsten Unterkunft, die Twyfelfontein Country Lodge fahren.


Das gesamte Gebiet nennt man Damarland.

Unterwegs, rechts und links am Straßenrand, wuchs sehr hohes Gras und wir hatten eine neue Begegnung.
Direkt auf der Straße bewegte sich eine ziemlich große Echse. Keine Ahnung, um welches Reptil es sich handelte, aber es war sehr viel größer als die bisher gesehenen Eidechsen. Schnell verschwand es im Gras, so dass Fotos nicht möglich waren. Aber ich habe das Reptil auf dem Film festgehalten.
Nach einer Kurve sind wir fast im hohen Sand stecken geblieben, hatten aber wieder einmal Glück. Dafür staubte es jedoch so sehr, dass sich eine feine Sandschicht auf den Abstreifgummis der Seitenfenster bildete. Ich glaubte in diesen Tagen, dass wir das dreckigste Auto von ganz Namibia fuhren. Egal, wir hatten immer das Abblendlicht eingeschaltet, und das Nummernschild konnte man auch noch lesen.

Die Lodge ist wunderbar in die Natur eingebettet und mit eine der besten, die wir nicht nur sahen, sondern auch bewohnten.
Am Eingang erwartete uns bereits ein Mann. Woher wusste er, wann wir eintreffen? Wahrscheinlich steht er immer dort, aber er kannte auch unsere Namen.
Die Koffer ließen wir vorerst im Auto.
Wir wurden an die Rezeption geführt. Schon auf dem kurzen Weg dorthin sahen wir Buschmanns Gravierungen im Fels. Es gab eine kleine Brücke und Felsentore, bis wir von drei Buschmännern empfangen wurden, sie waren allerdings nur Schnitzereien.
Und schon standen wir an der Rezeption. Eine Frau empfing uns höflich, und nach dem obligatorischem Eintrag ins Buch der Lodge erhielten wir die Schlüssel. Anschließend ging es eine Ebene höher, wo sich die Bar und das Restaurant befanden. Hier nahmen wir unser Abendessen und Frühstück ein. Doch zunächst bekamen wir einen Begrüßungstrunk und eine kurze Einweisung in Englisch, die wir so halbwegs verstanden. Noch mal alle vier schnell auf die Toilette, ja auch das muss sein, und dann schnell ins Auto.
Wir fuhren sofort die 5 Kilometer zur Freiluftgalerie, denn es war schon 16:30 Uhr und wir wussten nicht, wie lange dort geöffnet war. Morgen hatten wir jedenfalls dafür keine Zeit mehr. Schade, dass wir nur eine Nacht hier blieben.
Vom Parkplatz aus ging es durch einen kleinen Park in ein Gebäude, in dem auch die Kasse war. Bis 17:00 Uhr ist geöffnet, war auf einem Schild zu lesen.
Die Besichtigung ist nur mit Führung möglich. Wir bezahlten und bekamen einen Guide mit. Es war mittlerweile 16:45 Uhr und der junge Mann fragte uns, ob wir die kleine Tour mit 45 Minuten oder die größere mit einer Stunde wünschten. Ich fragte ihn, wie lange er im Hinblick auf die Öffnungszeiten wohl Zeit hätte. Diese Frage schien er jedoch nicht deuten zu können. Also sagten wir klipp und klar, wir möchten den großen Weg über eine Stunde nehmen.
Als erstes zeigte uns unser Führer ein eingefallenes Haus. Es war der Ort, an dem der erste Weiße, des Buschmanns Zeichnungen entdeckte, und mit seiner Familie wohnte. Danach liefen wir auf einen Pfad durch das Gelände, und er erklärte uns die verschiedenen Felsgravuren. Meistens waren auf ihnen die Tiere Afrikas oder Buschmann selbst dargestellt. Auch ein oder zwei Fußabdrücke fehlten meist nicht. Sie bedeuten soviel wie die Signatur des Herstellers.
Die Zeichnungen sollen 5000 Jahre alt sein und sind in Sandstein graviert. Ich war mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden hatte, da ich der Meinung bin, Sandstein ist weich, und 5000 Jahre sind ein zu großer Zeitraum, um die Zeichnungen in einem so guten Zustand zu erhalten. Auf die Frage, ob es Restaurierungsarbeiten gab, bekam ich keine Antwort, da er wohl meine Frage nicht verstand. Er erklärte uns auch, dass die Zeichnungen so an den Felsen angebracht waren, dass das Regenwasser ablaufen konnte.
Ich habe unterdessen nachgelesen, das Alter ist sehr umstritten und wird auf 1.000 bis 10.000 Jahre geschätzt.
Eine andere Gruppe, die uns entgegen kam, hatte eine Schlange im Gras gesehen, wir leider nicht.
Ein Aussichtspunkt, der zur Anlage gehörte, war im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt unseres Rundgangs.
Unser Führer zeigte uns noch einen gezeichneten Elefanten, der wirklich eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Ottifanten von Otto Walkes hatte.
Leider war nicht zu übersehen, dass unser Begleiter zum Ende kommen wollte, die eine Stunde hat er nur knapp eingehalten.
So fuhren wir zurück zur Twyfelfontein Country Lodge, um noch vor dem Abendessen zu duschen. Wir fuhren direkt vor unser Doppelhaus, packten unsere Koffer aus dem Auto, das Roland wieder auf den Parkplatz vor der Lodge fuhr.
Wir lebten wieder aus dem Koffer, da wir ja schon am nächsten Morgen abreisen wollten.
Hier waren Steckdosen vorhanden, so wurden alle Akkus endlich wieder aufgeladen.
Inzwischen war es dunkel geworden. Frisch angezogen, begaben wir uns zu Fuß über einen kleinen Steg zur Lodge zum Abendbrot.
Der Speiseraum war mit Netzen umspannt, um Vögel fernzuhalten.
Es war ein Buffet angerichtet, auf dem es an nichts fehlte. Wir haben außer Strauß noch alles Mögliche probiert und waren rundum satt.
Nach dem Essen setzten wir uns an die Bar und verbrachten einen schönen Abend. Es gab für Petra und Kerstin Campari Orange und für uns einen Whisky, der es in sich hatte, besonders was den Preis betraf. Gleichzeitig besprachen wir, was für den nächsten Tag geplant war, unser Ritual am Abend.
Als erstes wollten wir den „versteinerten Wald“ besuchen und dann in Richtung Swakopmund weiterfahren. Auch einen Umweg von 80 Kilometer nach Cape Cross planten wir ein.
Dann hieß es aber, schlafen zu gehen, denn auch morgen erwartete uns mit 465 Kilometern ein anstrengender Tag.

Noch vor Sonnenaufgang standen wir auf. Nach der Morgentoilette holte ich das Auto. Wir wollten schon mit gepacktem Wagen zum Frühstück fahren, um dann gleich aufzubrechen.
Als ich mit dem Auto zurückkam, fiel mir auf, dass Roland etwas skeptisch drein schaute. Der Grund dafür war der hintere rechte Reifen, er hatte einen Platten. Ich hatte ihn beim Fahren über den Holperweg gar nicht bemerkt. Es war nicht der Reifen mit der Beule. Der war in unverändertem Zustand.
Noch war es dunkel und Roland sagte, er hätte den Defekt mehr gehört als gesehen.

Uns blieb nichts weiter übrig, als Werkzeug und Wagenheber auszupacken und das Rad zu wechseln. Wegen der Dunkelheit holten wir eine Kerze aus dem Haus und eine kleine Taschenlampe. Das Wechseln ging ziemlich schnell, und danach mussten wir uns noch gründlich die Hände waschen.
Jetzt wurde das Auto gepackt, in den Zimmern nochmals kontrolliert, ob wir nichts vergessen hatten, und es ging zum Frühstück. Danach bezahlten wir unsere Rechnungen und fragten an der Rezeption, wo wir einen Reifen kaufen könnten. Wir erfuhren, evtl. in der Tankstelle etwa 5 Kilometer von der Lodge entfernt. Dort wollten wir sowieso tanken.
Die beiden Zapfsäulen waren mit einer Kette angeschlossen.
Ein paar Meter weiter war eine Werkstatt. Ich sprach einen Mitarbeiter an und zeigte auf einen Reifen am Auto. Er sagte uns, wir sollten das defekte Rad auspacken. Nebenbei erwähnte er, dass genau hinter der Werkstatt gerade ein Elefant zu sehen sei. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Elefantenbullen handelte, den bereits eine Reisegruppe beobachtete.
Ich fuhr das Auto ein Stück zur Seite. Wir packten unsere Koffer aus dem Kofferraum, während Kerstin und Petra mit der Fotoausrüstung zum Elefanten eilten.

Roland und ich zeigten den Arbeitern unseren kaputten Reifen, er war an einer Stelle ganz platt. Daraus schlossen wir, dass unser Auto eine ganze Weile so dagestanden haben musste. Einer der Männer nahm eine Luftpistole und füllte das Rad. Danach wurde mit einem Wasserschlauch jede Menge Staub weggespült. Ein kleiner Trog war vorhanden, in den das Rad gestellt wurde. Mit dem Schlauch goss der Werkstatt Mitarbeiter Wasser über das Reifenprofil. Dabei wurde das Rad langsam gedreht. Kleine Luftbläschen zeigten die undichte Stelle, sie befand sich in einer Vertiefung im Profil. Ein spitzer Stein hatte ein kleines Loch verursacht. Nun wurde mit einer Art Ahle in das Loch gestochen und es damit erweitert. Bei der weitern Suche im Profil zeigte sich keine weitere defekte Stelle.
Jetzt benutzte der Monteur ein anderes spitzes Werkzeug und eine Packung mit Flicken, die wie dicke Bindfäden aussahen. Die Packung riss er mit den Zähnen auf. Mit dem Werkzeug, das mich an eine Häkelnadel mit T-Griff erinnerte, stopfte er den Pfropfen in das Loch, nachdem er die Ahle entfernt hatte. Das war nur mit großem Kraftaufwand zu schaffen. Beim ersten Mal gelang es ihm nicht, so dass sich schließlich drei Männer um unseren Reifen bemühen mussten. Endlich war der Pfropfen dort, wohin er gehörte. Abschließend wurde nochmals mit großer Sorgfalt die Dichtheit geprüft, es zeigten sich immer noch kleine Luftblässchen zwischen Reifen und Felge.
Nachdem mit einem Gummihammer ringsum auf den Reifen geschlagen worden war, war er endlich in Ordnung.
Der Elefant war inzwischen weiter gezogen und reichlich abgelichtet worden.

Wir packten unseren Kofferraum wieder ein. Noch waren wir nicht sicher, ob wir einen neuen Reifen brauchten, beschlossen aber, es vorerst beim alten zu belassen und bei einer eventuellen zweiten Panne neu zu entscheiden.
Auf unsere Frage nach Benzin schickte man uns zu den zwei Tanksäulen. Nach kurzem Warten kam dann jemand aus der Werkstatt, schloss die Tanksäulen auf und tankte unser Auto voll. Wir bezahlten komplett, wobei die Reifenreparatur umgerechnet 4,50 Euro betrug. Zum Dank bekam unser ,,Haupt-“ Helfer ein Basecap, das er sofort aufsetzte.
Endlich konnten wir unsere Reise für diesen Tag beginnen.

 

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