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Der fünfte Tag
19.10.: Es ist 6.15 h und wir sehen in der Nähe des Airstrips (5 Minuten vom Camp entfernt) viele Hyänen mit einem Jungtier. In der Morgensonne warten wir, bis das Licht sie rötlich färbt.
Was ist los? Kaum fahren wir weiter sehen wir die drei Löwenbrüder beim Deckakt. Ich weiß gar nicht, welches Pärchen ich als erstes fotografieren soll.
Peter, der für mich filmt, lacht sich kaputt. Er schwenkt die Filmkamera von einem zum anderen.
Über zu wenig Löwen brauchen sich die Gäste dieser Gegend im nächsten Jahr jedenfalls keine Sorgen zu machen. Das andere große Löwenrudel lebt ja auch noch hier in dem Gebiet.
Packen unseren Tisch, Stühle, Essen usw. aus, um Rast in der Nähe der Serena-Lodge zu machen... Ja – Picknick im Busch wird immer exclusiver! Sunworld war der Meinung, meine kaputten Knochen vertragen das Sitzen im Gras nicht mehr. Danke, Sunworld.... ist ideal für mich.
Picknick geht nicht – müssen ins Auto. Warum??? Weil aus dem Gebüsch geradewegs ein schwarzes Nashorn auf uns zu kommt.
Wir warten im Auto, bis es sich entfernt und in dem Buschwald verschwindet.
Am Mara-River hat sich eine große Gnuherde versammelt. Ca. 1.500 Tiere. Werden mal warten, vielleicht sehen wir ein Crossing.
3 weitere Autos mit Profifotografen warten ebenfalls. Es ist noch nicht ersichtlich, welchen Übergang die Gnus nehmen wollen. Stehen zwei zur Auswahl.
Die Sonne knallt mir auf die Haut, mir ist langweilig, kein Tier bewegt sich.
Doch – jetzt kommt Bewegung in die Gruppe. Ich glaub, ich spinne: die drehen sich alle um und gehen zurück in die Mara, anstatt über den Fluss zu gehen.
Sehen später, dass dort viele Krokodile waren.
Wollen langsam zum Camp zurückfahren. Peter guckt durch sein Fernglas. Hat er einen Geparden gesichtet? Er fährt abrupt quer durch das hohe Gras und hält an. Ein ganz junger Leopard, ca. 7 Monate alt, liegt dort. Keine Mama weit und breit.
Er will sich aufstellen, knickt ein, schmerzerfüllte, ängstliche Augen gucken uns an. Die Pupillen sind schwarz wie die Nacht, ein Zeichen von großem Schmerz und Angst.
Ich fange zu heulen an. Sieht aus, als ob er sich ein Bein gebrochen hat. Das ist sein Todesurteil... Ein Foto mache ich und bete, dass der kleine Kerl Erlösung findet. Seine Augen ... es ist unbeschreiblich, welche Empfindungen sich darin wieder spiegeln.
Peter telefoniert. Ein Ranger kommt, bewacht den kleinen, verletzten Leoparden.
Peter ruft bei Daphne Sheldrick in Nairobi an (Elefantenwaisenhaus) - die Ranger haben kein Telefon, sie ruft zurück und lässt sich den Platz beschreiben, wo der kleine Leopard liegt.
Peter sagt irgendwas vom Tümpel mit grünen Algen, diesem und jenem Baum usw.
Ein Tierarzt kommt gegen 16 h aus Nairobi angeflogen, der Leopard wird narkotisiert und in eine Klinik gebracht, wo die Ärzte Erfahrung mit Raubkatzen haben.
Ich bin beruhigt. Jetzt weiß ich, dass dem armen kleinen Kerl geholfen wird, er schmerzstillende Mittel bekommt und behandelt wird. Klar – er kann nie mehr in die Wildnis zurück. Konnte ja noch nicht jagen und töten, ist noch auf Muttermilch angewiesen. Aber er kommt später in den Nationalpark in Nairobi, wo er zwar in „Gefangenschaft“ ist, aber dennoch ein großes Gebiet hat und mit Futter versorgt wird.
Sehen auf dem Nachhauseweg nochmal einen Löwen-Deckakt. Wir beide kommen uns langsam vor, als ob wir einen Pornofilm drehen... Aber auch einen schönen Gaukler (Vogelart) bekomme ich vor die Linse.


