Timbuktu bald die Hauptstadt von Azawad?

Timbuktu bald die Hauptstadt von Azawad?

Diese Entwicklung war abzusehen. In Mali hat die “Nationale Befreiungsorganisation” der Tuareg angekündigt, einen unabhängigen Staat gründen zu wollen, in welchem die Scharia gelten soll. Mit im Bunde sind dabei die Mitglieder von Ansar al-Din, einem Ableger von Al-Qaida, die sich nun als Waffenbrüder der Tuareg sehen und insoweit gemeinsame Ziele teilen, als sie beide islamisch sind.

Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, ist das wohl nicht allein ein Problem für den dann zerfallenen Staat Mali. Vielmehr kann sich auch der Rest der Welt auf neue Unterschlupfmöglichkeiten und Gelegenheiten zum Training für Terroristen gefasst machen. Eine riesige Region im Norden Malis würde dann der Kontrolle eines zivilen Staates entglitten sein, welche noch dazu kaum zu überwachen ist.

Wer dort was treibt, würde in einem denkbaren souveränen neuen Staat eine innere Angelegenheit sein. Fraglich, dass die vor allem westliche Welt dabei zusehen wird, wie das Gedankengut von Al-Qaida und Konsorten in ganz Westafrika Unfrieden stiftet.

Einen Namen gibt es für das von Tuareg und Ansar al-Din beanspruchte nordöstliche Gebiet Malis ebenfalls bereits: “Azawad” soll dieser neue Statt heißen. Mitten darin gelegen wäre das weltberühmte Timbuktu.

Allerdings gibt es nicht nur negative Stimmen zur jüngsten Entwicklung der Vereinigung der Kämpfer. Der burkinische Außenminister beispielsweise äußerte sich so, dass es leichter fallen werde, eine für alle akzeptable Lösung des Bürgerkriegs in Mali zu finden, wenn man nur noch mit einer Partei verhandeln müsse statt wie bislang mit deren zwei.

Mittelfristig sind diese Autonomiebestrebungen ein direktes Resultat der Revolution in Libyen, wo viele Tuareg als Söldner angeheuert hatten. Mit dem Sturz von Gaddafis Regime traten sie massenweise die Heimreise an — nahmen dabei aber große Mengen auch schwerer Waffen mit nach Mali.

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