Die Erdöl-Problematik in Nigeria
29. Dezember 2011| Tweet |
Erdöl. Riesige Vorkommen an Erdöl. Einem Land im Herzen von Afrika, dem bevölkerungsreichsten Land des Schwarzen Kontinents stand mit dem Schwarzen Gold namens Öl, nach dessen erster Entdeckung im Jahr 1956 eigentlich eine im Wortsinne goldene Zukunft bevor. Doch dann ging alles fürchterlich schief.
Heute ist Nigeria, zumindest alles, was sich im Bereich der Ölförderung abspielt, ein korruptes Land, dessen Natur durch die mangelhaften Förderungsbedingungen zerstört wird. Die in diesem Land offiziell gemessene Lebensqualität ist schlechter als in allen anderen Ländern, in denen Öl gefördert wird.
Erdöl in rauen Mengen, ohne dass die Bürger profitierten
Früher waren die Hauptexportartikel landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Kakao und Palmöl. Heute bestehen 95 Prozent aller Exporte aus Nigeria aus Erdöl. Weil die eigenen Raffinerien zu marode sind, muss Nigeria aber trotzdem selbst noch Treibstoff einführen. Es steht sogar noch schlimmer um die Verhältnisse vor Ort: Benzin ist allzu häufig überhaupt nicht erhätlich — ein angesichts der enormen Erdölmengen in Nigeria an Absurdität kaum zu überbietender Umstand.
Im Nigerdelta werden kaum die simpelsten Schutzbedingungen eingehalten. Die Arbeiter erhalten Hungerlöhne, die Anwohner leben in ölverschlammter Umwelt. Hier gibt es in vielen Dörfern keinen Strom, kein sauberes Wasser und für viele auch keine Arbeit. Dementsprechend dümplen viele Menschen ohne große Zukunftsaussichten vor sich hin.
Shell, Total und Agip heißen einige der großen Profiteure dieser Situation. Sie fördern das Öl unter kostengünstigste Bedingungen und streichen den Reibach ein. Das Gebiet ökologisch oder kulturell zu unterstützen, in dem sie ihre Profite einfahren, kommt den Entscheidern dieser Konzerne nicht in den Sinn.
Inzwischen gewaltsame Rebellion gegen die Erdölförderung
Die Folge: Nigeria hätte ein Vorbild werden können, zumindest für jene anderen afrikanischen Staaten, die ebenfalls über Erdöl (oder andere Rohstoffe) verfügen. Nun ist der potenzielle Vorzeigekandidat zum wirtschaftlich größten Patienten des Kontinents geworden. Die Sanierung der betroffenen Gebiete, an die zur Zeit noch niemand einen Gedanken geschweige denn einen Handschlag verschwendet, würde 30 (!) Jahre dauern. Dabei dauert die Ölförderung selbst gerade einmal erst 50 Jahre.
Die Situation ist derart grotesk, dass sich in Nigeria selbst mittlerweile Widerstand formiert. Das “Movement for the Emancipation of the Niger Delta” (Mend) ist bewaffnet und setzt seine Waffen im Kampf gegen die Ölförderung auch ein. Hauptziel sind dabei die Produktionsstätten von Shell Nigeria. Deren Mitarbeiter werden getötet oder entführt, vor den Gebäuden der Ölfirmen fliegen Autobomben in die Luft. Letztens wurde gar eine über 50 Kilometer von der Küste entfernt liegende Insel gewaltsam besetzt.
Was schief lief in Nigeria erklärt dieser Teil der Verhältnisse natürlich nicht, wohl aber, dass offensichtlich viele Bürger in Nigeria diese nicht länger hinnehmen wollen. Die Regierung betrachtet diese Gruppierung als eine Terrororganisation des “Organisierten Verbrechens”, welche bekämpft werden muss. Einige Aktivisten stehen in Nigeria vor Gericht, doch bislang tut dies der Schlagkraft dieser Gruppierung keinen Abbruch. Wie die Entwicklung weiter verläuft, auch aus wirtschaftlicher Sicht, wird mit entscheidend sein dafür, wie die Zukunft Nigerias aussehen wird.
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Schlagworte: MEND, Nigeria, Norwegen, Öl, Ölförderung, Raffinierien, Reichtum, Treibstoff, Wohlstand




