Geheimtipp: Pirateninsel bei Madagaskar
15. Dezember 2011| Tweet |
Ile Sainte-Marie ist ihr Name, und die Reiseführer über Madagaskar pflegen sie normalerweise eher beiläufig zu erwähnen. Zugegeben, auf der Karte wirkt sie recht unauffällig, wenn man nichts über die Hintergründe weiß. Für Seefahrer aber bot sie mit ihrer Lage im Nordosten des Landes einen optimalen Ort für einen Zwischenstopp. Und Seefahrer bedeutete in den früheren Jahrhunderten durchaus immer auch: Piraten. Piraten allerdings in jenem Fall, wie man sie sich in den Abenteuerfilmen unseres Jahrhunderts vorstellt, nicht wie heutzutage vor Somalia.
Mit Augenklappen, Totenkopffahne und einem zu verbuddelnden Schatz, nicht ohne vorher ein paar der lokalen Bräute zu rauben oder zu schwängern. Denn tatsächlich sind hier auf der Insel einige Menschen direkte Nachfahren der Piraten, die hier einst ihre Schätze vergruben und schließlich dann doch irgendwann als Siedler sesshaft wurden.
Adam Baldrige soll 1691 der erste gewesen sein, der an der Insel anlandete. Schrittweise stieg die Zahl der hier lebenden Piraten auf bis zu 1.500, auch wenn die Einheimischen sich gerne zur Wehr gesetzt hätten, allein es gelang nicht.
Erst Pirateninsel, dann Sträflingsinsel, jetzt Taucherparadies
Erst ab 1750 hatten die Franzosen ausreichend ausgerüstete Flotten zusammengestellt, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Von da an wurde die Insel zur Sträflingsinsel umgerüstet, doch mittlerweile haben die Schatzsucher die Oberhand. Obwohl versucht wird, dem Einhalt zu gebieten, scheint die Insel doch immer wieder allzu lockend zu sein: So hat man inzwischen extra einen Inselhüter eingestellt, um der vielen Suchenden Herr zu werden, die noch dazu nach der Legende nach zugeschütteten Gräben und Tunneln suchen, welche schließlich zum Schatz führen sollen.
Das ist den Anwohnern wiederum gar nicht recht, glauben diese nämlich, in den Gräben befinden sich Flüche, welche bei Öffnung ihrer Eingänge entweichen würden, und Unglück über die Insel und ihre Bewohner bringen würden. Man sieht, die Insel bietet alles an geschichtlichem Hintergrund, was es für eine echte Pirateninsel braucht.
So ist sie nicht nur für die Schatzsucher attraktiv, sondern auch für Touristen, die sich gerne in einem solchen Flair aufhalten, weil es doch mal etwas anderes ist als die weitgehend mythosfreie (zumindest in der Gegenwart) Welt in Mitteleuropa.
Tauchen und die Phantasie streifen lassen auf der Pirateninsel
Von den Einheimischen wird die Insel übrigens Nosy Boraha genannt, nicht dass man sich wundert, dass man sie eventuell auf Karten nicht findet. 222 Quadratkilometer hat sie, womit sich eine ausreichende Zahl an möglichen Orten ergibt, an denen ein Schatz vergraben sein könnte. Ungefähr 16.000 Menschen leben hier, wie viele genau Nachfahren der Piraten sind, wird nicht gezählt.
Mit einer Länge von etwa 60 Kilometer bei einer Breite von nur 10 Kilometern an der breitesten Stelle bietet sie nachvollziehbar gute Bedingungen zur Seefahrt, wie sie auch ansonsten die Phantasie anregt.
Und nicht zuletzt wird sie deshalb als Reiseziel attraktiv, weil man hier auch hervorragend Tauchen kann. Und wer würde nicht gerne beim Tauchen zufällig auf einen Goldschatz treffen? Absolutes Higlight der Insel bleibt aber der fast im Originalzustand erhaltene Piratenfriedhof auf der Insel, der schöner nicht im Film in Szene gesetzt werden könnte.
photo credit: Alaskan Dude
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Schlagworte: Adam Baldrige, Nosy Boraha, Piraten, Pirateninsel, Sträflingsinsel, Totenkopffahne




