Architektur in Madagaskar
11. November 2011| Tweet |
Interessanterweise wurden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in ganz Madagaskar rein pflanzliche Baustoffe verwendet, sprich: Holz oder Pflanzenfasern. Denn Steine war als Baumaterial ausschließlich für Grabsteine vorbehalten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich diese Praxis.
Wichtig ist beim Hausbau auf Madagaskar die Ausrichtung des Hauses. Das Dach und somit der Grundriss eines solchen Hauses richtet sich in aller Regel entlang der Nord-Süd-Achse aus. Der Grund: Von der Ost-West-Achse glaubten die Bewohner Madagaskars lange, dass sie Unglück bringe.
Weiterhin darf der Vorstand der in einem solchen Haus lebenden Familie oder Gemeinschaft den nördlichen Teil des Hauses bewohnen, selbe Argumentation wie oben. Nur im Westen gibt es Fenster und Türen, der Osten eines Hauses ist — und jetzt wird es schon ein wenig bizarr — reserviert für Gottheiten und Ahnen!
Dann geht es aber noch weiter: Auch wann ein Gebäude (im günstigsten Fall) gebaut werden sollte, bestimmt nicht einfach Gutdünken, sondern feste Regeln. Denn wie man auf Madagaskar weiß, ist der jeweils erste Tag des dritten, vierten oder fünften Monatas der beste für den Baubeginn.
Ahnen und Gottheiten wohnen mit in den Häusern auf Madagaskar
Noch ein für Europäer ungewöhnlicher Umstand der Behausungen traditioneller Bauart auf Madagaskar: Es gibt keine Kamine oder eine sonstigen Rauchabzug, obwohl es innerhalb des Hauses meist Feuerstellen gab. Stattdessen wird der seine Spuren auf den Wänden hinterlassende Qualm als stolzes Indiz für das Alter der Behausung angesehen und so werden die Russspuren niemals entfernt, sondern bleiben auf den Wänden Madagaskars erhalten.
Allgemein kommt zur traditionellen Bauweise von Häusern in Madagaskar noch hinzu, dass diese sich je nach Region des Landes weiter unterscheiden. Richtung Osten hin wird die Bauweise, sicher auch wegen angenehmerem, weniger widrigen Klimas, immer leichter. An der Ostküste ist es häufig recht heiß, so dass die Häuser hier weiterhin häufig aus pflanzlichem, gut durchlüftendem Baumaterial bestehen.
In den Städten des Landes setzt man dagegen auch in Madagaskar auf Beton — der nun mal viele Vorteile in punkto Stabilität und auch Kosten und Verfügbarkeit bietet.
Alte Häuser wohlhabender Einwohner des Landes, die auch heute noch an vielen Stellen existieren, sind bei Touristen und generell an Architektur Interessierten sehr beliebt. Sie werden Plankenhäuser genannt. Gerne weist man in der Hauptstadt Antananarivo auf deren Existenz hin.
Nicht immer so robust, aber leicht zu erbauen
Natürlich sind angesichts der Baumaterialien und deren Brennbarkeit nicht ganz so viele Exemplare an urtümlicher Häuser in Madagaskar erhalten geblieben, wie man das von weiten Teilen Europas kennt. Umso kostbarer sind und werden auch gehalten die aktuell noch vorhandenen Exemplare früherer Architektur auf Madagaskar.
Wie gerade im Fall von Architektur aber wohl jedem ersichtlich, macht nichts so anschaulich deutlich, wie alte, traditionelle Architektur in Madagaskar aussieht, wie eine schicke Galerie mit vielfältigen Impressionen der Städte und Dörfer in Madagaskar. Welche wir heute zugegebenermaßen nicht gefunden haben. Falls einer unserer Leser einen solchen Link kennt, freuen wir uns über dessen Nennung in den Kommentaren.
Ansonsten können wir nur darauf verweisen: Am allerbesten ist natürlich selbst hinfahren und anschauen. So vielfältig wie Madagaskar in seiner Natur ist, so ansehnlich ist auch seine Architektur.
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Schlagworte: Ahnen, Antananarivo, Baubeginn, Gottheiten, Holz, Kamin, Natur, Ostküste, Pflanzen, Pflanzenwelt, Plankenhäuser, Rauchabzug, Sechster Kontinent, Speisen, Tierwelt




