Medikamente mit Cola-Flaschen verschicken
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Medikamente mit Cola-Flaschen verschicken

25. Oktober 2011

Kann als Transportmittel mehr als nur Brause liefern

Kann als Transportmittel mehr als nur Brause liefern

Eine wahnwitzig einfache und gleichzeitig charmant wirkungsvolle Idee hatte vor einiger Zeit ein findiger Mensch, der sich damit beschäftigte, wie man das große Logistikproblem in weiten Teilen Afrikas bewältigen könne, wenn man Medikamente an ihre Empfänger bringen will, ohne dass man die Mittel dazu hat, eine komplett neue Infrastruktur aufzubauen.

Die Lösung war so naheliegend wie gleichzeitig lange Zeit übersehen. Man nutzt vorhandene Mikrostrukturen, findet einige Mitstreiter und hat am Ende ein Problem aus der Welt geschafft, ohne dass man grundlegend etwas neu hätte bauen oder viele neue Jobs hätte schaffen müssen.

Doch eins nach dem anderen. Zunächst war da die Ausgangslage, dass Mitte der 1980er Jahre die Kindersterblichkeit in Sambia — wie in vielen anderen afrikanischen Ländern — sehr hoch war, obwohl die Hilfe in Form von Medikamenten nur ganz kleine Beträge gekostet hätte. Sie kam aber nicht bei den Menschen in den entlegeneren Dörfern an.

Einem damals vor Ort befindlichen Entwicklungshelfer fiel allerdings auf, dass er wo er auch hinkam immer wieder eine Flasche Cola angeboten bekam. Wieso schaffte es eine Flasche Cola bis in die hinterletzten Dörfer des Landes, nicht aber die viel dringender benötigte Medizin? Dieser Frage ging der Entwicklungshelfer auf den Grund und erfuhr schließlich alles Mögliche über das Vertriebssystem von einer ganz bestimmten Cola-Marke, die wohl Weltmarktführer ist.

Denn die Lösung lag auf der Hand: Man würde nur die Medikamente in den Vertriebsweg der Cola-Flaschen mit einfließen lassen müssen, und schon wäre das Problem gelöst. Denn die Behältnisse der Medikamente waren selten bis nie größer als es jene Flaschen waren, so dass sie wohl auch in die dafür vorgesehenen Transportbehältnisse gepasst hätten.

Von ihrer Geburt bis zur Umsetzung brauchte die Idee mehr als 20 Jahre

Doch trotz dieser formidablen Idee passierte zunächst einmal nichts in der angedachten Richtung. Die angeschriebene Firma reagierte nicht, es gab kein Internet und irgendwann hatte der Mann mit der Idee, die er nicht völlig zu den Akten legte, schulpflichtige Kinder, woraufhin er nach Europa zurückkehrte.

Erst im Jahr 2008 griff er sie wieder auf, nun mit den Mitteln der Neuen Medien, er schrieb in seinem Blog davon und die BBC wurde auf die Idee aufmerksam. Danach ging es zunächst ganz schnell, Experten versammelten sich hinter ihm und er erhielt einen Termin bei der Europazentrale von jener besagten Colamarke.

Die klärte auf, dass es über 13.000 Einzelpersonen sind, die ein Netz von fast einer halben Million Verkaufsstellen in Afrika bedienen. Genau diese müsse man erreichen, dann könnten auch weitere Ideen als allein Mittel gegen Kindersterblichkeit auf diesem Weg transportiert werden, so z. B. Kondome oder Saatgut für die Bauern. So lange es nur in ein Behältnis von den Ausmaßen einer Colaflasche passt, könnte es auf diesem Weg zu seinem angedachten Empfänger gelangen.

Inzwischen hatten sich Designer daran gemacht, die optimale Form für das Behältnis herauszufinden. Statt eine Flasche weniger zu transportieren, wurde nun der Freiraum um den Flaschenhals herum genutzt. Vor Ort sollten in Fragen der Gesundheit ausgebildete Menschen entscheiden, welche Medikamente o. Ä. benötigt würde und welcher Empfänger diese wann erhalte.

Dies war nötig, um den Colaproduzenten wie auch den einzelnen Transporteur von der Verantwortung zu entbinden, Medikamente zu verteilen oder im ungünstigeren Fall auch bedürftigen Menschen diese zu verweigern.

Danke Internet viele Unterstützer und weitere Ideen gefunden

Der einstige Ideenfinder arbeitet nun mit einer bereits etablierten Hilfsorganisation zusammen, um diesem Projekt weiter auf die Beine zu verhelfen. In einigen Monaten plant er sogar, seinen bisherigen Vollzeitjob aufzugeben, um weiter an der Entwicklung seines Projekts zu arbeiten, statt dies bisher nebenbei laufen zu lassen.

Wer nun Interesse gefunden hat an diesem Projekt und sich einfach nur informieren möchte oder aber vielleicht selbst einiges beizutragen hätte, ob Manpower oder weitere Ideen, dem sei hier immerhin der Name des Projekts verraten: Colalife, mit dazugehöriger Webseite. Die Cola produzierende Firma kann sich ja wohl ohnehin jeder selbst denken.

Eine fantastische, weil so herrlich simple Idee, die dennoch über 20 Jahre bis zu ihrer Umsetzung benötigte. Ein weiteres Indiz, um wie viel einfacher das Internet die globale Kooperation hat werden lassen.

Creative Commons License photo credit: pat00139


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