Wer lernt noch Deutsch in Afrika?
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Wer lernt noch Deutsch in Afrika?

25. April 2011

Deutsch spricht man wieder an immer mehr Orten in Afrika

Deutsch spricht man wieder an immer mehr Orten in Afrika

Wie Englisch, Französisch und Italienisch ist auch das Deutsche in Afrika bei Weitem nicht überall beliebt, war und ist es doch die Sprache der ehemaligen Kolonialherren. Kolonialherren, die bekanntlich die betroffenen Gebiete ausbeuteten, die Menschen entrechteten und kein Interesse am Aufbau der Länder zeigten, worunter die Ex-Kolonien (teilweise) noch heute zu leiden haben.

Dennoch ist das Deutsche als Fremdsprache auf dem gesamten afrikanischen Kontinent wieder im Kommen, es wird allerorten immer beliebter. Wie kann das sein, wo doch Englisch weiterhin die wichtigste Sprache der Welt ist? Die Gründe dafür sind vielschichtig, und sind in mancherlei Hinsicht deutlich eher positiv als negativ.

Früher, zu den hier in letzter Zeit häufig zitierten Kolonialzeiten, war Deutsch Pflichtsprache in den von Deutschland kontrollierten Gebieten, Pflichtunterrichtsfach wenigstens in den Schulen. Zumindest nachdem die Deutschen selbst sich darüber einig geworden waren, dass es ihren Herrschaftsansprüchen nicht schaden würde, wenn die Unterworfenen ihre eigene Sprache erlernten. Nicht nur deshalb gibt es — wie überall auf der Welt — Lehnwörter aus dem Deutschen, die sich in den afrikanischen Sprachen durchgesetzt haben und erhalten geblieben sind.

Einer der Leuchttürme des Deutschlernens war lange Zeit in Südafrika zu finden, hier allerdings mehrheitlich in der weißen Bevölkerung, wo es als schick und Zeichen von Bildung galt, Deutsch als Fremdsprache zu erlernen. Seit sich die Verhältnisse in der Welt verändert haben, ist diese Idee jedoch in Südafrika auf dem Rückzug. Immer weniger Weiße lernen in Afrika Deutsch. Dafür steigt die Zahl der Schwarzen, die ein Interesse an unserer Muttersprache entwickeln.

In Südafrika auf dem Rückzug, in Nordafrika auf dem Vormarsch

In Nordafrika hingegen ist Deutsch schon lange populär, als dritte Fremdsprache nach Französisch soll seine Beherrschung von Weltoffenheit zeugen. Hier wachsen die Zahlen der Teilnehmer von Deutschkursen in den Schulen und an den Universitäten beständig. Und auch in jenen Teilen Schwarzafrikas, in denen mehrheitlich Englisch gesprochen wird, wächst der Zuspruch zum Deutschlernen. In Kamerun gibt es alleine 1.000 Studenten, die sich für Germanistik eingeschrieben haben, viele weitere Menschen lernen Deutsch auf anderem Weg als dem universitären.

Für diese wachsende Attraktivität sorgt aber weniger die Sprache selbst — die als schwierig zu erlernen gilt und somit Ausdruck besonderer Fähigkeiten ist — als vielmehr die Inhalte, die originär Deutsch sind. Man sollte dabei nicht allein an Deutschland als Land der Dichter und Denker erinnert werden, Goethe, Schiller, Lessing sind ein Argument, sich für Deutsch zu interessieren. Doch auch viele weitere Leistungen deutschsprachiger Menschen wecken das Interesse in Afrika. Philosophie, Literatur, aber auch Technik und sogar der deutsche Fußball werden hier oft als Gründe angeführt.

Wer Deutsch lernt, dem schwebt aber auch oft vor, später oder in Kürze einmal in Deutschland zu studieren oder eine anderweitige Ausbildung zu beginnen. Und nicht nur das: Auch als Deutschlehrer selbst kann man in vielen Regionen Afrikas gutes Geld verdienen und seinen Lebensstandard höher schrauben.

Tourismus, wirtschaftlicher Aufstieg, Literatur: die Gründe sind vielfältig

Nicht zuletzt ist das Interesse daran, Deutsch zu lernen, auch von einer besonderen, in Afrika allzu wichtigen Branche geprägt. Wer im Tourismus unterkommen will, der muss wohl oder übel Deutsch beherrschen, wenn er in diesem Arbeitsbereich vorwärts kommen will. Zwar ist Deutsch bei Weitem nicht die wichtigste Sprache auf diesem Planeten, wie man im nächsten Absatz sehen wird, aber bei jener Subgruppe der Erdbevölkerung, die sich weite und teure Urlaubsreisen leisten kann, stehen die Deutschen (Schweizer, Österreicher, Liechtensteiner …) eben ganz weit oben, der starken Finanzkraft sei Dank.

Weltweit sprechen übrigens etwa 90 Millionen Menschen Deutsch als Muttersprache, weitere 28 Millionen beherrschen Deutsch als Fremdsprache, womit Deutsch insgesamt als Sprache immerhin auf Platz 10 der meistgesprochenen Sprachen der Erde liegt — und noch vor dem in Afrika so verbreiteten Französisch. Dazu werden es in Afrika offensichtlich immer mehr Menschen, die es als ausreichend lohnenswert empfinden, Deutsch zu lernen.

Es liegt jedoch an den deutschen Muttersprachlern selbst, ob interessante kulturelle und bildungsbezogene Angebote weiterhin auf Deutsch existieren — oder doch lieber auf englisch präsentiert werden. Ohne solche Angebote bliebe allein der Tourismus als Motivation, Deutsch zu lernen, und diese könnte eines Tages nicht mehr genug sein, um auch für andere Bevölkerungsteile in Afrika ausreichend attraktiv zu sein.

Creative Commons License photo credit: nemosocke


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1 Kommentar »

  1. In Kamerun lernen nach wie vor etwa 150 000 Schüler Deutsch.
    Obwohl Kamerun für ein paar Jahre deutsche Kolonie war ist das deutsche Ansehen immer noch sehr hoch. Es gibt sogar bei älteren Kamerunern eine Nostalgie nach der deutschen Kolonialzeit. Immer wird auf noch bestehende Bauten, Brücken und die Eisenbahn verwiesen. Es war schon peinlich wenn man als deutscher Botschafter darauf angesprochen wurde, zumal immer Vergleiche mit dem französischen Kolonialismus gezogen wurden. Wir die “Guten” und die Franzosen “die Bösen”.Aber wirklich leiden tun die Menschen unter manchen heutigen Regimen in Afrika, die sich für das Los ihrer Bevölkerungen nur wenig interessieren.
    Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor “Afrika wird armregiert”

    Kommentar by Volker Seitz — 25. April 2011 @ 18:19

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