One Laptop per Child: Wissenslücken decken, kostenlos
15. April 2011| Tweet |
Initiiert wurde das Projekt von Mitarbeitern des MIT in Cambridge, das sich zum Ziel gesetzt hat, in Entwicklungsländern Computer, hier: Laptops, für alle aufwachsenden Menschen verfügbar zu machen. Partner des Projekts wurden nach einer Testphase, in der die spezifischen Anforderungen an derartige Laptops für Kinder und in Entwicklungsländern herausgefunden wurden, neben Prozessorenhersteller AMD auch solche Größen wie Google selbst. Inzwischen sind viele weitere potente Konzerne mit im Boot, wenn es darum geht, das Projekt finanziell am Leben zu halten.
OLPC ist in der gesamten Welt aktiv — sogar in Industrienationen
Der Rechner, der dabei zum Einsatz kommt, ist eine spezielle Entwicklung für Kinder, die gleichzeitig sehr kostengünstig ist, daher wird dieser auch als “100-Dollar-Laptop” bezeichnet. Seine Typbezeichnung lautet XO-1. Er soll das E-Learning der Kinder unterstützten, integriert in sein Gehäuse sind auch W-LAN-Antenne und USB-Ports, die dennoch nicht das für Kinder sehr attraktive Äußere negativ beeinflussen. Hergestellt wird er übrigens in Taiwan, und zwar vom selben Hersteller, der auch Auftragsproduzent für Apple ist. Von der dort ansässigen Firma Quanta Computer werden angeblich etwa ein Drittel der gesamten Weltproduktion an Laptops hergestellt.
Allerdings ist die gesamte Aktion nicht auf Afrika allein begrenzt, sondern findet überall dort Anwendung, wo die jeweiligen Familien oder Staaten nicht in der Lage dazu sind, ihre Kinder mit derartigen Laptops auszustatten. Die Erfolge können sich sehen lassen. Zum Einen auf dem Bild hier, das anzeigt, wo überall OLPC aktiv ist, zum anderen aber auch ganz konkret, wenn zum Beispiel vermeldet wird, dass in Ländern wie Uruguay, Peru und als afrikanischem Land Ruanda praktisch alle Schulkinder ein derartiges Laptop besitzen. Allerdings kommen die Geräte explizit auch in Industrienationen zum Einsatz, so gibt es Projekte in Österreich und auch in Deutschland, bei denen der XO-1 eingesetzt wird.“Give One Get One” – Privatpersonen ermöglichen weiteren Vertrieb
Finanziert wurde das Projekt wie erwähnt ursprünglich nur durch größere Konzerne, mittlerweile sind allerdings auch Spenden von Privatpersonen möglich. Eine interessante Aktion gab es in den letzten Jahren jeweils kurz vor Weihnachten unter dem Motto “Give One Get One”. Jeder Käufer eines solchen Laptops in Industrienationen erhielt ein Exemplar, während ein weiteres Exemplar kostenlos in einem Entwicklungsland ausgeliefert wurde. Die Zahl der Beteiligten dabei sind jeweils enorm, 2007 waren es beispielsweise 150.000 Käufer, die so 150.000 weiteren Kindern den Erhalt eines Laptops ermöglichten.
Einen Überblick über die Vielfältigkeit der Projekte bietet diese Unterseite von OLPC, auf der man sieht, wo überall in der Welt die Initiative aktiv ist. Wir nennen nur mal einige Projekte in Afrika:
- Mali
- Ghana
- Nigeria
- Kamerun
- Uganda
- Ruanda
- Kenia
- Äthiopien
- Mosambik
- Südafrika
Aus europäischer Sicht sollte vielleicht noch angemerkt werden, dass das Projekt ebenso dazu dient, die Lehrer in den beteiligten Projekten mit Laptops und Zugang zu wesentlich mehr Informationen als ohne auszustatten, nicht allein die Kinder. Häufig fehlt für derartige Randnotizen ja das Vorstellungsvermögen.
Ein rundum positives Projekt also?
Nein, das finden nicht alle. Kritik gibt es unter anderem von Bill Gates, aber auch von Intel. Beiden könnten gewisse Eigeninteressen bezüglich der verwendeten Systeme und Computer nicht abgesprochen werden. Dass aber die indische Regierung selbst die Teilnahme wegen “Zweifel am pädagogischen Nutzen” des Projektes ablehnte, lässt aufhorchen, gibt man sich doch in Indien im allgemeinen wenig technik-reserviert bis -feindlich.
Konkurrenzorganisationen wenig glücklich über OLPC
Zudem monieren andere Stellen, dass durch die große Aufmerksamkeit für dieses Projekt “OLPC” vergleichbare Vorhaben in den Schatten gerückt würden. So gibt es Organisationen, die in Industrieländern ausgemusterte PC nach Instandsetzung nach Afrika verschiffen, wo sie als vollwertige Rechner eingesetzt werden können, während der XO-1 beispielsweise über eine fragwürdige Festplatte und über Stromproduktion durch eine Handkurbel (!) verfügt.
Was nun richtig ist und ob die Vor- oder Nachteile überwiegen, das ist wie so häufig nicht endgültig festzustellen. Interessant und somit erwähnenswert ist dieses Projekt aber allemale, vielleicht ebenso wie die vergleichbaren. Zu anderer Stunde, zu anderer Zeit.
Hier noch mal der Link zu OLPC mit den vielen Aktionen, die inzwischen im Namen des Programms erfolgen.
PS: Uns ist klar, dass nicht alle Hilfsorganisationen bedenkenlos empfohlen werden können, schwarze Schafe gibt es überall und selbst Bill Gates’ Hilfsorganisation hat mit dem Problem zu kämpfen, dass viele der eigentlich als Hilfe gedachten Gelder in Korruptionskanälen verschwinden. Es gibt wohl keine Organisation, die eine völlig weiße Weste besitzt, so lange Menschen dort mitarbeiten.
Weshalb wir noch einmal darauf hinweisen möchten, dass die Tatsache, dass wir über eine solche Organisation bloggen, nicht bedeutet, dass wir sie als Spendenempfänger empfehlen. Für uns steht die Frage nach der Dringlichkeit und Wirksamkeit der jeweils durchgeführten Aktionen im Vordergrund. Sollte sich jemand entschließen, für eins der hier vorgestellten Projekte spenden zu wollen, so raten wir in jedem Falle zu einer weiteren — eigenständigen — Prüfung der Vertrauenswürdigkeit der jeweiligen Organisationen mittels dafür geeigneter Informationsquellen.
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Schlagworte: Entwicklung, Hilfsorganisation, Laptop, Mali, MIT, Nigeria, OLPC, Peru, Prozessor, Uruguay, USA





