Berufsbilder in Afrika: Müllsucher
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Berufsbilder in Afrika: Müllsucher

8. April 2011

Die Müllkippe als Lebensinhalt

Die Müllkippe als Lebensinhalt

Mag die Überschrift etwas zynisch klingen, so dürfen wir versichern: So ist es nicht gemeint.

Stattdessen möchten wir hier einmal darlegen, wie das Schicksal von Menschen auf diesem Planeten auch aussehen kann, wenn man nicht die Gnade des richtigen Geburtsortes hatte, wie es wohl für die allermeisten Menschen in Europa gilt.

Das Phänomen des Müllsuchers beschränkt sich nicht auf Afrika allein, sondern ist überall in der Dritten (aber auch der Zweiten) Welt zu Hause. Dennoch richten wir unser Augenmerk auf jene Menschen, die in Afrika davon leben, im Müll der übrigen Mitbürger etwas zum Überleben zu finden. Man darf davon ausgehen, dass diese Situation sich in anderen Ländern nur marginal von jener in Afrika unterscheidet.

Nehmen wir das Beispiel Kairo, wo alleine 8 Millionen Menschen in den Grenzen der Stadt, und weitere 8 Millionen um Kairo herum leben. Zusammen sind das 16 Millionen Menschen, also etwa so viele Einwohner wie die Niederlande oder NRW haben — und dementsprechend trotz geringerem Lebensstandard entsprechende Mengen an Müll produzieren.

So viel Müllsucher wie eine mittelgroße Stadt Einwohner hat

Dort leben laut Wikipedia 60.000 Müllsucher. Diese suchen allerdings nicht in der Müllkippe nach Verwertbarem, sondern sammeln Müll per Hand bzw. Karren bei den Bewohnern der Stadt ein. Danach werden die einzelnen wiederverwertbaren Elemente des Mülls getrennt und schließlich weiterverkauft. Wichtig ist für die Müllsucher dabei, dass sie vor der offiziellen Müllabfuhr bei den Haushalten eintreffen. Argument eins dafür ist, logisch, sonst ist der Müll weg. Argument zwei ist, dass das Müllsuchen in Ägypten illegal ist.

Von den Bürgern erhalten sie zudem oft noch eine Art Trinkgeld. Die Ernährung der “Zabbalin” genannten Müllsucher ist fleischlos, denn Fleisch können sie sich von ihrem mageren Erlös nicht leisten. Ein weiteres Problem ist, dass sie unbedingt am selben Tag noch mit ihrer Arbeit des Mülltrennens und Weiterverkaufens fertig werden müssen, denn jener Ort, wo sie den eingesammelten Müll lagern, ist auch gleichzeitig ihr Schlafplatz.

Die sehr geringe Lebenserwartung der Müllsucher von nur 50 Jahren (ansonsten liegt sie in Ägypten bei immerhin 70 Jahren) ist in der großen Verletzungs- und damit Infektionsgefahr der Müllsucher begründet.

Wichtig ist an erster Stelle Aufmerksamkeit

Weil das alles keine richtige Perspektive ist, hat sich in Deutschland ein Verein gegründet, der das Ziel hat, die Müllsucher, die Zabbalin von ihrem harten Los zu befreien. Ein Nebenziel dieses Hauptzieles besteht darin, überhaupt erst auf die Existenz dieser “Müllmenschen” in Kairo aufmerksam zu machen, wozu wir hiermit unser Scherflein beitragen wollen.

Gleichzeitig wollen wir unser Blog nicht dazu missbrauchen, ständig zu Spenden oder Ähnlichem aufzurufen. Wer den Verein, der den Müllsuchern in Kairo hilft, sucht, wird wissen, wie er ihn finden kann, ansonsten hilft sicher diese Seite dabei.

Übrigens hat dieser Verein bereits eine Schule für 1.600 Kinder in der Nähe der riesigen Müllkippen aus dem Boden gestampft, es gibt auch einen Kindergarten sowie weitere Projekte. Neben dem Verein, der sich explizit den Müllsuchern in Kairo widmet, gibt es aber ohnehin noch weitere Hilfsorganisationen, die sich mit ähnlichen Fällen in Tansania, Kenia, Nigeria und vielen anderen Ländern Afrikas und der ganzen Welt auseinandersetzen.

Creative Commons License photo credit: Kema Keur


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