Ethnische Zerwürfnisse behindern Umstürze
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Ethnische Zerwürfnisse behindern Umstürze

30. März 2011

Zusammenstellung der Polizei als Teil des Problems

Zusammenstellung der Polizei als Teil des Problems

In ganz Nordafrika bzw. der arabischen Welt herrscht bekanntlich Aufruhr, die alten Regierungen werden gestürzt, die ihre Bürger unterdrückten, weder Meinungsfreiheit noch Demokratie zuließen. Auch im Afrika südlich der Sahara ist die Situation in vielen Ländern vergleichbar mit der Lage in Nordafrika vor den Volksaufständen und Protesten.

Wäre es also im Schwunge der politischen Umwälzungen in Nordafrika nicht genau der richtige Zeitpunkt, auch in jenen Staaten des übrigen Afrikas auf die Straße zu gehen, Demokratie und Erneuerung zu fordern? Wäre es wohl, doch es gibt Gründe, warum das nicht stattfindet und warum alleine schon der Wunsch nach einem gemeinsamen Aufstehen der Unterdrückten in der subsaharischen Region zum Scheitern verurteilt ist.

Der Freitag gibt Wangari Maathai Raum, diese Gründe zu erläutern. Wangari Maathai ist die erste afrikanische Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt.

Natürlich hat jede Revolution in jedem Land ihre eigenen, oft sehr speziellen und nur lokal vorhandenen Ursachen. Die bloße Existenz einer Revolution in Nachbarstaaten reicht in der arabischen Welt zur Zeit aber, um den Menschen den Mut zu geben, trotz gewaltsamer Niederdrückung auf die Straße zu gehen.

Dass das im Rest Afrikas nicht passiert, besitzt genauso wenig den einen Grund, wie Wangari Maathai erläutert. Vielmehr sind es mehrere Aspekte, die zusammenkommen, welche ein Aufstehen der Bürger der übrigen afrikanischen Staaten verhindern.

1. Fehlende nationale Identifikation

Anders als bei den Staaten der arabischen Welt empfinden die Bürger des übrigen Afrikas häufig eine viel größere Identifikation mit ihrem Stamm, mit ihrere Ethnien, von denen es teils Dutzende in einer Nation gibt. Wer sich mit seinem Mitbürger aber nicht identifiziert, verspürt eine viel größere Hemmschwelle, mit diesem zusammen für gemeinsame Rechte zu kämpfen als es in der arabischen Welt der Fall ist.

2. Die Rolle des Militärs

In Ägypten hat der Verzicht auf Gewalt durch das Militär den Umsturz erst möglich gemacht. In vielen anderen afrikanischen Staaten wird das Personal von Armee und Polizei aber oft ausschließlich aus jener Ethnie rekrutiert, der auch der aktuelle Staatschef angehört. Die Loyalität zu dieser Ethnie ist dementsprechend viel größer als gegenüber anderen Staatsbürger. Ein gewaltsames Eingreifen fällt so deutlich leichter.

3. Fehlender Informationsfluss

Auch wenn die Zahlen ständig wachsen, sie sind immer noch klein. Die wenigsten Menschen südlich der Sahara verfügen über Zugang zum Internet. Außerdem haben nur wenige, anders als in Nordafrika, Freunde oder Verwandte in Europa. Ihnen fehlt dieser Horizont und auch der notwendige Verbreitungsweg von evtl. umstürzlerischen Umtrieben. Wo niemand von etwas weiß, kann sich auch niemand zusammenschließen und organisieren.

4. Angst und deshalb Akzeptanz der Lage

Der Leidensdruck ist für viele Einwohner der übrigen afrikanischen Länder noch nicht hoch genug. Was auch daran liegt, dass sie dazu neigen, besonders viel zu erleiden, trotz großer Unzufriedenheit mit der jeweiligen aktuellen Führung. Denn die Angst davor, alles zu verlieren, Karrierechancen, Eigentum, körperliche Unversehrtheit oder gar Leben, ist vielfach noch zu groß. Wird nicht wie in Nordafrika eine kritische Masse erreicht, die all dem zum Trotz auf die Straße geht, verpufft der Zorn der Bürger in den geballten Fäusten in der Tasche, zeitigt aber keine Wirkung.

Gänzlich hoffnungslos sei die Lage dennoch nicht, denn natürlich erführe zumindest ein Teil der Bevölkerung von den Ereignisse im Norden des Kontinents. Zudem verbessere sich die Informationslage stetig. Aktuell sei ein Umschwung in einem der Länder dennoch eher unwahrscheinlich. Aber die Zeiten ändern sich.

Hier noch mal der Link zum gesamten Beitrag von Wangari Maathai im “Freitag”, mit der ausführlicheren Argumentation der Nobelpreisträgerin aus Kenia.

Creative Commons License photo credit: Serigne Diagne


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