Skateboard-Park in Uganda
9. März 2011| Tweet |
Skateboard fahren, kurz: skaten. Eine recht coole Freizeitbeschäftigung, die man eigentlich nur bei etwas verwöhnten Vorstadt- und Großstadtkids in Industrienationen erwarten würde. Doch auch in Afrika wird geskatet. Das klingt zunächst mal überraschend, verliert aber viel seines Überraschungseffekts, wenn man bedenkt, dass amerikanische Filme, Mode, Kultur und Lifestyle natürlich auch in Afrika via Massenmedien verbreitet werden und ein dankbares Publikum in den jüngeren Schichten Afrikas finden.
Das Skateboard wurde bereits in den 1950er Jahren in — natürlich — Kalifornien erfunden. Es stellte den Versuch dar, das Surfen im Wasser sowie insbesondere das dazugehörige Lebensgefühl auch auf asphaltierten Straßen möglich zu machen. Aufgrund nicht ausgereifter Technik verschwand dieser kurzzeitige Trend aber alsbald wieder und schon Ende der 1960er Jahre war es schwierig, überhaupt noch ein Skateboard käuflich zu erwerben.
Mit neuer Technik, speziell in Bezug auf die Rollen, welche ein wesentlich verbessertes Fahren der Skateboards ermöglichte, kehrte diese Art der Fortbewegung zurück in den Fokus amerikanischer junger Menschen (oder solcher, die sich so fühlten) und erlebte einen erneuten Aufschwung. Entscheidend war dabei die Verwendung von Polyurethan für die Herstellung der Rollen. Die Begeisterung für das Skateboard erlebte gerade durch die dadurch machbaren Tricks auf dem Skateboard einen neuen Höhepunkt. Zwar schwankt das Interesse junger Menschen für das Skaten immer wieder spürbar, es ebbt aber seit der Einführung der neuen Rollen nie vollständig ab.
Skateboard — der Surf-Ersatz auf Asphalt
So ist es angesichts der Existenz von Internet, Blogs und mehr neben dem ohnehin schon lange existierenden TV nur auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch in Afrika geskatet wird. In Uganda gibt es allerdings nur wenig Möglichkeiten dazu, diesem Sport nachzugehen, sieht man von reinen Asphaltpisten ab. Einer dieser wenigen Orte ist ein Skatepark in Kitintale, einem Vorort von Kampala, Ugandas Hauptstadt.
Dort haben einige ansässige Kids auf dem Land einer der Mütter eine Halfpipe gebaut, vollkommen in Eigenregie, mit selbst akquirierten Spendergeldern. Sie mauerten und betonierten alles alleine, das Material konnten sie von den Spenden bezahlen. Die Regierung oder Stadtverwaltung hingegen beteiligte sich gar nicht an dem Projekt, obwohl es in Uganda generell an Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mangelt.
Nach der Errichtung des Skateparks veränderte sich auch das Zusammenleben all jener “Kids”, die begannen, sich für das Skaten zu interessieren. Alle Beteiligten regeln Konflikte zusammen und vor Ort, so dass Missetäter durchaus einmal von der Nutzung des Skateparks ausgeschlossen werden können. Es hat sich scheinbar ein Kommunengeist entwickelt, was ohne den Park nicht der Fall gewesen wäre.
Skatepark offeriert Beschäftigung und Gemeinsamkeit
Inzwischen werden Wettbewerbe organisiert, die Öffentlichtkeit in Uganda beginnt — sehr langsam zwar nur, aber immerhin — Notiz von den Bemühungen rund um den Skatepark in Kitintale zu nehmen. Die Betreiber träumen davon, Skaten zum Nationalsport in Uganda zu machen. Das ist sicher unrealistisch, aber träumen sollte erlaubt sein. Und wenn man sich an die Einleitung erinnert, dass Skaten einst von Menschen erfunden wurde, die das erhebende Gefühl des Wellensurfens auf den Asphalt transferieren wollten, dann muss auch den Nachfahren dieser Erfinder auf dem Skateboard das Träumen erlaubt sein.
Wer das komplette Interview mit einem der Beteiligten lesen und ein längeres Video dazu sehen möchte, kann dies beim beim Berliner Blog Spreeblick tun, welches ohnehin immer mal wieder ein Auge auf Ereignisse in Afrika abseits der reinen Entwicklungshilfe wirft.
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Schlagworte: Interview, Kalifornien, Kitintale, Skateboard, Skateboard-Park




Da sieht man mal wieder, skaten ist weit mehr als nur ein Sport….
Kommentar by Borussiabenny — 12. März 2011 @ 16:08
[...] Im Rahmen des Skate- und BMX-Parks von Domoda wird übrigens auch Unterricht erteilt, wie man am besten, coolsten, schnellsten und eindrucksvollsten skatet oder BMX-Rad fährt. Definitiv wertet dieser Park das Leben für “junge Leute” in Tansania auf, wie es auch die Kinder in anderen afrikanischen Ländern schon erleben durften, denn einen vergleichbaren Skatepark gibt es seit geraumer Zeit schon in Uganda, wie Touring-Afrika.de berichtete. [...]
Pingback by Skatepark in Tansania eröffnet — 29. August 2011 @ 15:01