Gambias Probleme mit dem Tourismus
8. März 2011| Tweet |

Der Tourismus in Gambia besitzt eigentlich gute Voraussetzungen und steht doch immer wieder vor Problemen.
Eine der wichtigsten Einnahmequellen nahezu aller afrikanischen Staaten ist der Tourismus, das gilt für Gambia umso mehr, als dort nahezu keine Bodenschätze vorhanden sind, die zumindest die Basis für eine Weiterentwicklung des Landes bilden könnten. Wichtigster Wirtschaftssektor in Gambia ist neben dem Tourismus der Anbau von Erdnüssen, der mit seinen Nebenprodukten für 78% der Exporterlöse Gambias verantwortlich ist. Doch der Tourismus in Gambia darbt, und das hat Gründe:
Yahya Jammeh, der seit seinem Militärputsch 1994 an der Spitze des Staates steht, hat es bereits zwei Mal fertig gebracht, diesen so wichtigen Wirtschaftszweig seines Landes zum Erlahmen zu bringen. Beim ersten Mal musste er dazu lediglich die Scharia als in Gambia gültiges Gesetzbuch einführen. Prompt sprach u. a. Großbritannien eine Reisewarnung für das Land aus, in dessen Folge die Touristen gänzlich ausblieben.
Nach dem Militärputsch lag der Tourismus brach
1997, als er seinen Fehler scheinbar eingesehen hatte, verbot Yahya Jammeh dann plötzlich die von europäischen Touristenanbietern in Gambia geplanten “all-inclusive-Urlaube”, woraufhin sich diese Branche erneut von seinem Land abwendete. Der Reiseziele gibt es viele in der Welt, zahlungskräftige Touristen hingegen nur aus den Industrienationen. Wenn deren Ansprüche an die Bedingungen eines Urlaubs nicht erfüllt werden, finden sie ganz schnell attraktivere Ziele.
Die Menschen in Gambia, die wirtschaftlich vom Tourismus abhängig sind, finden hingegen nichts anderes im verarmten Land, was ihnen ihren Unterhalt sichern könnte. Das ist dann doch nicht gänzlich an den Verantwortlichen vorbeigegangen. Mittlerweile versucht man in Gambia, eine Nische des Tourismus zu besetzen, die nicht nur in Afrika immer populärer wird und eventuell bald keine Nische mehr sein wird: der Ökotourismus.
Öko- und Aktionstourismus inklusive Nachhaltigkeit als neue Option
Doch auch dieser will nicht so richtig funktionieren. Die infrastrukturellen Möglichkeiten bleiben bescheiden. Obwohl der namensgebende Fluss Gambia fast das gesamte Land definiert und jeglicher relevante Verkehr den Fluss überschreiten muss, gibt es für touristische Zwecke viel zu wenig Boote. Die aufgrund der geringen Größe des Landes ohnehin schon nur wenigen kulturellen Highlights sind wegen der schlechten finanziellen Lage Gambias größtenteils verfallen.
Hoffnung gibt es allerdings ebenfalls. Den nicht die klassischen Reiseziele bilden in den letzten Jahren die Hauptattraktion in Gambia, sondern Aktivurlaube, bei denen der Gast das Leben in Gambia in seiner ursprünglichen Form kennenlernt. Dazu zählen das so genannte Homecooking, bei dem man in Gruppen zusammen kocht, nachdem man auf einem der lokalen Märkte eingekauft hat. Und im “Makasutu Cultural Forest” besteht schon seit 1992 eine Anlage eines gewieften Briten, wo gepflegte Holzvillen zum längeren Urlaub einladen.
Es gibt sie also, die Orte in Gambia, an denen es sich zu bleiben lohnt. Weil diese aber kaum Kapazitäten haben, bringen sie immer noch nicht ausreichend Devisen ins Land. Gambia wird jetzt seine Bettenkapazität mehr als verdoppeln — in der Hoffnung darauf, dass die Kunde von den bereisenswerten Orten in diesem Land eine größere Zahl an Touristen ins Land lockt als in den letzten zwei Jahrzehnten.
photo credit: Victoria Reay
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Schlagworte: Erdnuß, Export, Gambia, Ökotourismus, Scharia, The Gambia, Wirtschaft, Yahya Jammeh



