Verhaltensforschung: Geschlechtsunterschiede bei Schimpansen
Touring-Afrika.de - ReiseführerTouring-Afrika.de - Reisen
   
 

 

 


Verhaltensforschung: Geschlechtsunterschiede bei Schimpansen

21. Februar 2011

Geschlechtsunterschiede beim Spielen

Geschlechtsunterschiede beim Spielen

Der Bücher und Comedians, die sich mit den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beschäftigen, ist man mittlerweile mehr als überdrüssig. Es kommt ja auch zu einem über die letzten Jahrzehnte geformten Geschlechterbild selten etwas Erhellendes oder Überraschendes hinzu. Mal wird behauptet, hirnphysiologisch seien sich Männer und Frauen viel ähnlicher, als es uns die Klischees weismachen wollen, dann wiederum finden findige Forscher doch einen genetisch bedingten Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern.

Ob die Unterschiede also nun genetisch oder doch sozial bedingt sind, oder zumindest annähernd festzulegen, zu welchem Prozentsatz welche Ursache mit reinspielt, ob es diese Unterschiede überhaupt gibt, oder ob sie doch nur ein Konstrukt unsere selektiven Wahrnehmung sind: Das vermag zur Zeit niemand umfassend zu beantworten. Weshalb die Beschäftigung mit diesem Thema auch allein immer ermüdender ist.

Heute aber gibt es eine neue Erkenntnis, und zwar vom nächsten Verwandten des Menschen, wenn man die Evolution betrachtet zumindest: Bei den Schimpansen gibt es tatsächlich Unterschiede darin, welches Geschlecht welche Art von Spielen in der Kindheit und Jugend betreibt. Da wird man doch gleich wieder hellhörig.

Eindeutige Unterschiede bei den Präferenzen im Umgang mit Spielzeug

US-Forscher fanden nämlich auch bei freilebenden Schimpansen heraus, was für im Zoo hausende Tiere bereits belegt war: Dass sich männliche und weibliche Jungtiere für jeweils anderes Spielzeug interessieren. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Prädisposition beim Menschen für bestimmte Themenbereiche keine Folge unserer Erziehung ist.

Durchgeführt wurde diese Beobachtung in Uganda, genauer im Kibale Nationalpark des Landes. Bei den verschiedenen Arten, mit Stöcken als Spielzeug umzugehen, zeigten sich eindeutig verschiedene Vorlieben. So trugen die weiblichen Schimpansen die Stöcke lieber mit sich herum, während die männlichen Schimpansen eine deutliche Präferenz für exploratives Verhalten zeigten, sprich: Sie erforschten damit ihre Umwelt, als seien sie auf der Suche nach Honig oder Wasser.

Interessanterweise beendeten die weiblichen Tiere ihre Spielerei mit den Stöcken in jenem Moment, in dem sie selbst tatsächlich Mutter wurden. Während die weiblichen Jungtiere diese Stöcke aber vorher auch immer mal wieder in ihr Nest mitnahmen und auch dort mit ihnen spielten, erfolgte dieses Verhalten bei den männlichen Jungtieren, die die Stöcke auch häufig als (Spielzeug-)Waffe benutzen, überhaupt nicht.

Noch keine vergleichbaren Beobachtungen wie diese

Allerdings ist diese spezielle Gruppe von freilebenden Schimpansen die erste weltweit, bei der ein solches, sich nach Geschlechtern unterscheidendes Verhalten beobachtet wurde. Ansonsten fand Derartiges bislang keinen Eingang in die Aufzeichnungen der diversen Affenforscher rund um den Globus.

Dennoch ein erstes, neues und interessantes Indiz dafür, dass auch die Unterschiede beim Menschen zwischen den Geschlechtern nicht von der Sozialisierung der heranwachsenden Menschen abhängt.

Creative Commons License photo credit: cooljinny


Das könnte auch interessieren:

» Uganda: Kony wird weiter gejagt
» Afrika: Kontinent (fast) ohne McDonald's
» Die "Tree Climbing Lions" im Video
» Infografik: Die beliebsten Touristenziele in Afrika
» Uganda: Suche nach Massenmörder per Webvideo

Schlagworte: , , , , , , , ,

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar










  
Touring-Afrika auf Facebook