Guinea — ein weiterer gescheiterter Staat
14. Februar 2011| Tweet |
Während es in Nordafrika hoch hergeht und die Vorfälle in Tunesien und nun Ägypten zur Zeit die Medien vollends beherrschen, hat sich an der teils äußerst bedrohlichen Lage in den vielen anderen afrikanischen Staaten nichts geändert. Auch wenn wir hier an anderer Stelle vom kommenden Aufschwung Afrikas berichteten, so muss dabei klar bleiben, dass dieser nur bei günstigen Voraussetzungen geschehen wird und beileibe nicht alle Regionen des schwarzen Kontinents mit einbeziehen wird.
An anderer Stelle hatten wir schon auf das Phänomen der failed states hingewiesen, dazu zählt leider auch Guinea. Und das trotz der Tatsache, dass Guinea mit reichhaltigen Bodenschätzen gesegnet ist. Doch wie in den meisten anderen afrikanischen Staaten auch profitiert davon nur eine kleine Schicht des Landes, größtenteils sogar ausländische Investoren, während die Bevölkerung des Landes — hier: Guinea — nahezu gänzlich leer ausgeht.
Dabei war Guinea das erste Land, das von Frankreich in die völlige Unabhängigkeit entlassen wurde und auf den losen Staatenbund mit Frankreich verzichtete. Die Wirtschaftspolitik das Landes war bis in die Mitte der 1980er Jahre hinein jedoch an das sozialistische Vorbild Sowjetunion angelehnt. Planwirtschaft wurde zur Misswirtschaft und trieb das Land in die finanzielle Katastrophe, von der sich Guinea bis heute nicht vollständig erholt hat. Der damalige Diktator Sekou Touré herrschte ganz nach sowjetischem Vorbild und ließ nur eine einzige, natürlich seine eigene Partei zu.
Guinea in die Unabhängigkeit — und in die Hände eines Diktators
Im Anschluss an dessen Diktatur folgte eine Phase, in der das Militär in Guinea die Macht innehatte. Im Zuge dessen fanden etliche Lockerungen der politischen Verhältnisse statt, auch die Wirtschaft begann sich zu erholen. Äußerst langsam zwar, aber immerhin.
Der damalige Präsident Conté ließ zwar Wahlen durchführen, meist waren diese aber umschlungen von zahlreichen Manipulationsvorwürfen. Stabilität erlebte das Land dennoch. Seit 2008 ist auch Conté verstorben, und die chaotischen Zustände im Land, die sich schon angesichts seines herannahenden Todes immer weiter ausgebreitet haben, reißen Guinea von einer Krise in die nächste. Zunächst übernahm erneut das Militär die Macht, doch bürgerkriegsähnliche Verhältnisse mit vielen Anschlägen und Attentaten verhindern eine Fortentwicklung des Landes.
Reich an Rohstoffen und dennoch arm
Im November 2010 schließlich erlangte erstmals ein Präsident nach (relativ) freien Wahlen auf demokratisch legitimiertem Wege sein Amt. Bezeichnenderweise ist sein Vorname Alpha, sein Nachname Condé. Erst keimte Hoffnung auf, dass Condé das Land wieder zu einem stabilen Zustand führen könne, doch in letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass Condé eine sozialistische Politik und Wirtschaft im Sinne hat, wie es sie unter dem ersten Diktator des Landes gab.
Die riesigen Rohstoffvorkommen helfen dem Land dabei nur wenig, denn die Erträge gehen an ausländische Investoren. In erster Linie aus den USA, zuletzt vermehrt aber auch aus China und anderen interessierten Staaten. Dazu kommt, dass auch die Nachbarländer Guineas äußerst instabil sind, oft sind Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen an der Tagesordnung, welche sich zudem wenig um bestehende Grenzen scheren und immer mal wieder auf guineischem Staatsgebiet auftauchen. Möglicherweise ginge es dem gesamten Land ohne die immensen Rohstoffreserven und das damit verbundene Interesse ausländischer Investoren besser als mit ihnen. Vorerst bleibt Guinea ein äußerst fragiles Land, mit nur geringer Hoffnung auf baldige Besserung.
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Schlagworte: Alpha Condé, Bürgerkrieg, failed state, Guinea, Investoren, Militär, Militärregierung, Nachbarländer, Rohstoffe



