Neues Land in Afrika: Südsudan
2. Februar 2011| Tweet |
Dieser “Referendum” genannte Volksentscheid hat nun stattgefunden, er endete am 15. Januar 2011. Dabei sprechen die meisten Beobachter davon, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Sieben Tage hatten die etwa vier Millionen stimmberechtigten Südsudanesen Zeit, an der Abstimmung teilzunehmen. Um den Vorgang rechtlich verbindlich werden zu lassen, mussten mindestens 60% der Stimmberechtigten ihr Votum abgeben, doch diese Hürde wurde bereits sehr früh im Verlauf der sieben Tage übersprungen.
Am positiven Ausgang des Referendums für die Unabhängigkeit zweifelt niemand, dieses Ergebnis scheint schon jetzt festzustehen, vorab war mit 95-98% Zustimmung gerechnet worden. Die Anerkennung des neuen Landes auf dem schwarzen Kontinent durch einige der einflussreichsten Staaten der Erde stellt auch kein Problem dar. So arbeitet Deutschland ohnehin schon seit 2005 mit der Autonomieregierung des Landes zusammen, auch die USA werden den kommenden Staat anerkennen. Die Verbindungen in den Süden das alten Sudans sind aus der westlichen Welt ohnehin stärker als in den Norden, da der Süden überwiegend christlich ist, während im Norden Moslems die Mehrheit stellen. Die Interessen der westlichen Staaten an einer guten Zusammenarbeit mit dem neu entstehenden Staat Südsudan — dessen endgültiger Name übrigens noch nicht geklärt ist und erst noch vom Volk diskutiert werden wird — haben übrigens noch einen anderen Hintergrund als die reine Menschenliebe, man kann ihn sich denken, er wird weiter unten erwähnt.
Rahmendaten des neuen Staates
Der dann neue Staat Südsudan, der ab dem 9. Juli 2011 unabhängig sein würde, hätte knapp 5,5 Millionen Einwohner bei einer Fläche von 600.000 Quadratkilometern — etwa so viel wie Frankreich. Seine Hauptstadt wäre Dschuba, seine Amtssprachen wären Englisch und Arabisch.
Bedrückend sind allerdings die wirtschaftlichen Verhältnisse im Südsudan. Die Infrastruktur ist selbst für afrikanische Verhältnisse sehr schlecht. Die einstmals existierende Eisenbahnverbindung ist nicht mehr in Betrieb, die wichtigste Verkehrsverbindung ist der Schiffsverkehr auf dem Weißen Nil. Das Straßennetz ist nicht der Rede wert und genügt keinerlei Ansprüchen an eine halbwegs funktionierende Infrastruktur.
Reichhaltige Rohstoffvorkommen im Südsudan
Rohstoffe sind in Form von Öl zwar in rauen Mengen vorhanden — etwa 80% des gesamten Vorrats des alten Staates Sudan liegen im Süden, weshalb der Bürgerkrieg ja überhaupt erst entstand — doch besitzt das Land keinen Zugang zum Meer und müsste deshalb andere Wege des Transports für seine Rohstoffe finden. Eigentlich lassen die vielen Rohstoffvorkommen auf ein gutes Schicksal des neuen Staates hoffen, denn mehrere Studien attestieren dem Südsudan, vermittels der Erlöse daraus die Armut im Land beseitigen und einen funktionierenden Staat aufbauen zu können.
Allzu oft sind solche Prognosen aber nicht zutreffend und man weiß, woran es auch in vielen anderen afrikanischen Staaten krankt, wenn trotz horrender Einnahmen ein Land nicht auf die Beine kommt: Korruption, Vetternwirtschaft und Veruntreuung in schwarz Kanäle. Diese Gefahr ist leider auch im Südsudan gegeben, trotz eigentlich bester Startbedingungen angesichts des vielen Öls.
Wie der neue Staat Südsudan schließlich heißen wird, dazu werden zur Zeit mehrere Möglichkeiten diskutiert: Neben dem im Moment gebräuchlichen “Südsudan” auch noch die Bezeichnungen New Sudan, Kusch oder Nilrepublik. “Kusch” ist eine Figur aus der Bibel und der historische Name des Landes Sudan. Strittig ist zwar der Name, nicht aber, dass es dieses neue Land in Afrika in Kürze geben wird.
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Schlagworte: Deutschland, Erdöl, Infrastruktur, Nilrepublik, Öl, Referendum, Sudan, Südsudan, Unabhängigkeit, USA




