Katastrophales Kairo – (nicht) nur beim Verkehr
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Katastrophales Kairo – (nicht) nur beim Verkehr

28. Januar 2011

Die einzige U-Bahn des Kontinents - allerdings auch nur zwei Linien

Die einzige U-Bahn des Kontinents - allerdings auch nur zwei Linien

Gerne bezeichnet man derartige Ungetüme wie Kairo als “Moloch”, dabei weiß niemand so genau, was ein Moloch eigentlich ist. Es reicht allein der Klang des Wortes, und dass man dieses nur für Fälle wie Kairo benutzt, um zu verstehen was gemeint ist.

Für Kairo treffen aber auch noch andere Bezeichnungen zu: Krake, die mit zahllosen Armen nach allem greift, was sich ihr nähert und es nicht mehr hergibt. Oder Dunstglocke. Denn die Luftqualität ist wie in den meisten südlicheren Millionenstädten ein großes Problem. In Kairo ist sie ein sehr großes Problem, was auch mit dem Klima zu tun hat.

Kairo ist eine von etwa 20 dieser Riesenstädte. Mexico City, Shanghai, Sao Paulo. Kairo. Jeder vierte Ägypter lebt in Kairo, das ist weitaus mehr als jeder achte Franzose, der in Paris lebt. Der Rest des Landes ist Nil-Flußbett und dörrende Wüste. Eigentlich bedeutet “Kairo” “die Siegreiche”. Doch gewonnen hat hier eher die Stadt über den Menschen, und nicht die Bewohner der Stadt über irgendetwas anderes. Wer hier lebt, manche sprechen von mittlerweile 20 Millionen, ist fest im Griff der Stadt. Neben fehlender Luft zum Atmen gibt es Dreck an allen Orten und dazu der ständige Lärm.

Kairo wächst unaufhaltsam seinem Kollaps entgegen

Das hindert die Einwohner Kairos nicht daran, besonders stolze Einwohner des Landes und eigentlich auch ganz Afrikas zu sein. Nicht zuletzt der Nachhall der Pyramiden sorgt für eine nicht immer nachzuvollziehende Überzeugtheit von den eigenen Fähigkeiten.

Stolz darf man vielleicht sein auf die einzige U-Bahn des gesamten Kontinents. Wenn aber auch diese mit ihren kümmerlichen zwei Linien kaum ernsthafte Entlastung für das eigentlich nicht mehr zu beherrschende Ungetüm mit seinen zig Millionen täglich zurückgelegten Wegen bringt, was soll man da noch blumige Worte finden für die Kühnheit dieses Projekts?

Fatalismus oder Gelassenheit? Kairos Einwohner lassen sich nicht beeindrucken

Die Einwohner von Kairo aber schaffen das. Mit einer merkwürdigen Mischung aus Fatalismus bei gleichzeitigem festen Glauben, in weitem Umkreis die fähigsten Leute zu besitzen und die besten Pläne umzusetzen, schlittert die Stadt immer näher an ihren totalen Verkehrskollaps. Nur der erwähnte gewisse Fatalismus bewahrt die Menschen hier wohl davor, nicht täglich mit dem Wahnsinn zu kämpfen. Aber vielleicht tun sie genau das ja auch.

“Moloch” bedeutet übrigens eine “gnadenlose, alles verschlingende Gegebenheit”, mit der Betonung auf verschlingend, in diesem Kontext.

Creative Commons License photo credit: zoonabar


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