Nairobi-Kibera: Kartografie eines Slums
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Nairobi-Kibera: Kartografie eines Slums

17. Januar 2011

Bald haben die Wege in Kibera auch Namen

Bald haben die Wege in Kibera auch Namen

Kibera ist der Name eines Slums am Rande von Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Und dort, in Kibera, hat sich im Zuge eines Projektes Wundersames ereignet: der Slum ist kartografiert und bei Open Street Map abzurufen. Warum das etwas Besonderes ist? Um diese Frage zu beantworten, sollte man mal versuchen, die “Straßen” der Slums anderer Großstädte der Welt bei Google Maps zu finden. Da sie oft keine offiziellen Straßen besitzen, kommen sie auch in diesen Karten nicht vor.

In Kibera tut Hilfe für die Bewohner dringend Not: zwischen 300.000 und 1 Million Menschen sollen in diesem Slum leben. (Nairobi hat offiziell 2,8 Millionen Einwohner.) Um diesen zu helfen, müsste man schon wissen, wer und was wo zu finden ist. Das war bislang nicht möglich, doch mit der Hilfe der Bewohner hat man diese Lücken bezüglich der Kartografie bei Open Street Map nun getilgt.

Einer der größten Slums der Welt war ein weißer Fleck auf den Karten

Und das, obwohl die Pfade in diesem dicht nur mit Wellblechhütten besiedeltem Gebiet keine Namen besitzen. Ein Abwassersystem gibt es ohnehin nicht.

Entstanden ist die Idee zur Kartierung aus der Not heraus, denn aufgrund der großen Probleme in Kibera sind viele Hilfsorganisationen seit langer Zeit in dem Gebiet tätig. Offen blieb die Frage, wieso sich trotz all der Aktivitäten dennoch fast nichts zum Positiven wendet in diesem Slum. Also war es sinnvoll, die bereits existierenden Hilfsaktivitäten zu kartieren und so einen Überblick zu erhalten, wo wer tätig ist – und wo Löcher im Versorgungs- und Unterstützungsnetzwerk existieren. Der Anfang für die Kartierung des Slums war gemacht.

Ausgezeichnet und zur Weiterverbreitung vorgesehen

Mittlerweile ist das Vorzeigeprojekt in aller Munde (wie zum Beispiel hier) und wurde gar bei der Prix Ars Electronica 2010 ausgezeichnet.

Entscheidend war dabei nicht zuletzt die Mitarbeit der Bewohner des Slums, denen die technischen Möglichkeiten samt Einweisung dazu gegeben wurden. Nun können sie auch über ihre eigene Karte verfügen. Zwar existiert diese nur virtuell, doch schon jetzt erleichtert sie den Hilfsorganisationen die Arbeit, die Stadtverwaltung von Nairobi will zudem dabei helfen, Straßennamen zu vergeben, um so die Orientierung weiter zu erleichtern.

Das Projekt war insgesamt so erfolgreich, dass es nun auch auf andere Slums ausgeweitet werden soll. Auch in Nachbar-Regionen sollen die Bewohner der Slums die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Wohngebiete zu kartieren und so die Hilfen und Verbesserungen der Infrastuktur tatkräftig unterstützen können. Zudem ist geplant, die bislang nur im Netz existierenden Karten auch auszudrucken und an wichtigen Orten in den Slums auszuhängen.

Creative Commons License photo credit: karol.mitura


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