Ausschreitungen auch in Algerien
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Ausschreitungen auch in Algerien

8. Januar 2011

Die Ruhe auf den Straßen Algiers könnte bald vorbei sein

Die Ruhe auf den Straßen Algiers könnte bald vorbei sein

Nachdem wir gerade erst von den Aufständen in Tunesien berichteten, breitet sich das Feuer der sozialen Unruhen auch nach Algerien aus. In Algerien geht es ebenfalls ums fehlende Geld der Bürger, bzw. die damit verbundene Lebensqualität. Und wenn man von Lebensqualität spricht, dann ist damit in Tunesien und Algerien das Basalste gemeint, was man für Lebensqualität benötigt: Lebensmittel.

Die finanzielle Situation jener Teile der Bevölkerung, die arbeitslos sind, ist so mies, dass sich viele die immer teurer werdenden Lebensmittel nicht mehr leisten können. Seit Mittwoch bereits gehen in Algerien viele Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu machen und stoßen dabei mit der Polizei zusammen. Nicht weniger als 400 Verletzte zählt man nach den Ausschreitungen im Land, die damit noch lange nicht beendet sein müssen. Zwei Tote sind zu beklagen, ein Demonstrant wurde von der Polizei erschossen, ein anderer starb an seinen schweren Verletzungen.

Die Teuerungsquote bei den Lebensmitteln beträgt seit Beginn des Jahres — also in gerade einmal 8 Tagen! — enorme 25 Prozent. Bei Zucker und Mehl stiegen die Preise sogar um 100 Prozent: Kein Wunder, dass sich viele Menschen in Algerien nicht mehr richtig ernähren können.

Hohe Arbeitslosigkeit, immer teurere Lebensmittel

Die Arbeitslosigkeit bei Algeriern unter 30 Jahren liegt bei 20 Prozent, was deshalb so dramatisch ist, weil drei Viertel der Bevölkerung in Algerien unter 30 Jahre alt sind.

Nun befürchten nicht wenige kundige Beobachter, dass der Zorn der darbenden Bevölkerung sich auch auf Marokko ausweiten könnte. Früher seien viele junge Leute aus den Ländern weggezogen, nun blieben sie vermehrt wieder, ohne aber, dass man ihnen eine Perspektive auf einen Job bieten könne. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Menschen gut ausgebildet seien, sprich: wenn sie Akademiker sind.

Keine unbedeutende Rolle könnte bei der Verbreitung des Aufruhrs die Tatsache spielen, dass auch in Nordafrika mittlerweile viele vor allem jüngere Menschen über Zugang zum Internet und somit zu Twitter und Facebook hätten. Diese Möglichkeiten würden die Ausbreitung des Aufruhrs möglicherweise in seiner Geschwindigkeit extrem befeuern.

Twitter und Facebook, Internet auch in Algerien und Tunesien

Auch wenn die Verantwortlichen in den beiden Staaten sich nun zusammensetzen wollen, um die Preis-Steigerungen einzudämmen und jungen Menschen wieder zu Arbeit und Perspektive zu verhelfen: Wahrscheinlich ist das Gelingen dieses Unterfangens nicht. Zudem seien die Menschen gerade in Tunesien auch deshalb auf der Straße, weil es in ihrem Land keine Meinungs- und Pressefreiheit gebe. Jahrzehntelang wurde das geschluckt, nun bricht sich das Gefühl Bahn, eventuell an diesen Zuständen etwas ändern zu können: Redefreiheit zu erlangen und damit ein Stück mehr Möglichkeit, sich selbst zu entfalten und auszuleben.

Wieso die Verhältnisse in Algerien trotz riesiger Ölvorkommen und in Tunesien trotz der Millionen aus dem Tourismus wirtschaftlich für die Bevölkerung so schlecht sind — das ist eine Frage, der sich die Regierenden nicht mehr einfach durch den Einsatz von Polizei und durch Unterdrückung entziehen können. Die weitere Entwicklung in diesen beiden Staaten, vielleicht in ganz Nordafrika, steht vor einem Siedepunkt, der einschneidende Veränderungen bringen könnte. Ob es Nordafrika zum Guten gereichen wird, ist dabei der Knackpunkt, der die Stabilität der dortigen Länder sichern oder in Frage stellen wird.

Creative Commons License photo credit: magharebia


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