Viele afrikanische Staaten sind “gescheiterte Staaten”
30. Dezember 2010| Tweet |
Zu den dem Staat obliegenden Aufgaben gelten als zentral drei Bereiche: Sicherheit, Wohlfahrt und Rechtsstaatlichkeit. In der Politikwissenschaft ist die Bezeichnung des “gescheiterten Staates” mittlerweile gebräuchlich, sofern ein Staat alle drei Teilbereiche nicht mehr in ausreichendem Maße bedienen kann. Abstufungen der Bezeichnungen, je nachdem wie viele Anteile noch oder nicht mehr erfüllt werden können, lauten “schwacher Staat” (weak state) und “verfallender Staat” (failing state).
Ein vollkommener Zerfall der Ordnung ist nicht zwangsweise mit dem Zustand eines “failed state” verbunden, denn durchaus können auch andere Ordnungshalter an die Stelle des Staates treten. Ob dabei immer alle drei Teilbereiche aufrecht erhalten werden können, ist dabei nicht Voraussetzung.
Etwa ein Viertel aller Staaten der Erde ist “gescheitert”
Einige Organisationen veröffentlichen seit einiger Zeit einen Index bezüglich der Nationen der Erde, inwieweit eine von ihnen als “failed state” gelten muss. Insgesamt gibt es 37 Staaten, die Eingang in diese Liste gefunden haben, wenngleich mit unterschiedlichem Schweregrad.
Den höchsten Wert auf diesem Index erreicht — aufmerksame Leser des Afrika-Blogs von touring-afrika.de wird das nicht überraschen — Somalia. Es folgen Tschad, Simbabwe, Kongo, die Zentralafrikanische Republik, Guinea und mit Pakistan erst auf Platz sieben der erste nicht-afrikanische Staat. Die Anwesenheit einiger weiterer Staaten in dieser Liste dürfte ebenfalls überraschen, wenn z. B. Bolivien, Bosnien, Georgien oder Usbekistan zumindest im Bereich der gefährdeten Staaten genannt werden.
Aus Afrika sind weitere Kandidaten für einen “failed state” die Elfenbeinküste, wie auch aktuell gerade wieder bewiesen wird, Kenia, Nigeria, Liberia, Sierre Leone und die Demokratische Republik Kongo, zudem neben Spitzenreiter (eher: Schlusslicht) Somalia auch Sudan und Angola.
Vielschichtige Ursachen, auch außerhalb von Afrika
Von den über 50 Staaten Afrikas sind also nicht weniger als 13 soweit bedroht, dass sie Eingang in die Liste der tatsächlichen und potenziellen “failed states” gefunden haben. Das alleine ist schlimm genug, noch dramatischer wird es aber, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Zustände die Tendenz haben, sich — tatsächlich rein geographisch — auszuweiten, wenn sie nicht angemessen bekämpft bzw. eingedämmt werden. Ein Flächenbrand kann so schnell entstehen, und wenn bereits mit Angola, der Demokratischen Republik Kongo und Nigeria einige der größten Staaten des afrikanischen Kontinents Teil dieser Liste sind, dann ist Gefahr auch für die umliegenden Länder in Verzug.
Was die Ursachen für das Scheitern von Staaten angeht, so sind diese unterschiedlich. Experten nennen hier neben der Zerstörung von bestehenden Herrschaftssystemen durch die Kolonialherren, ohne dabei nach der Entlassung in die Unabhängigkeit Vergleichbares aufgebaut zu haben, auch die Auswirkungen des Endes des Kalten Krieges, der viele Staaten ihres Wertes für die Großmächte beraubt hat, sowie die generelle Globalisierung. Diese beschleunigt sich zudem immer mehr, so dass nicht gefestigte Staaten unter dem Eindruck wirtschaftlicher Notwendigkeiten quasi hinweggespült werden.
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Schlagworte: Angola, Bolivien, Bosnien, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, failed state, Georgien, gescheiterter Staat, Sierre Leone, Somalia, Sudan, Tschad, Usbekistan





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Pingback by Guinea — ein weiterer gescheiterter Staat | Touring-Afrika: Afrika Blog — 14. Februar 2011 @ 09:02
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