Erhellendes über den Kolonialstil
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Erhellendes über den Kolonialstil

20. Dezember 2010

Santa Prisca im Kolonialstil

Santa Prisca im Kolonialstil

Was ist eigentlich der “Kolonialstil”? Wie sieht er aus? Aus welcher Zeit stammt er?

Eigentlich dürfte das Wort an sich heute keine Sympathien mehr wecken, denn die Zeit der Kolonialisierung ist inzwischen mehrheitlich geächtet und stigmatisiert. Auch wenn es einige Errungenschaften für die jeweilige Zivilbevölkerung gab und nicht alle Kolonialherren mordende Ungetüme waren: Bei der Kolonialisierung ging es nicht darum, den Einheimischen Glück und Segen zu bringen, sondern sich Zugriff auf Rohstoffe, menschliche Ressourcen und Gebiete zu sichern. Natürlich stets mit dem Ziel, den bestmöglichen Gewinn für das kolonialisierende Land zu erzielen. Erst 1960 wurden die meisten Länder in Afrika in die Unabhängigkeit entlassen, einige weitere sogar erst in den 1970er Jahren. Den ehemaligen Kolonialherren hängt das schlechte Gewissen nun nach, wenn sie bemüht sind, Ausgleich für begangenes Unrecht zu schaffen.

Doch um diese Politik soll es in diesem Beitrag nicht gehen, sondern um das, was gemeinhin heutzutage in der Architektur als “Kolonialstil” bezeichnet wird.

Diese Frage ist nicht selten, wenn man hier auf dem Blog schreibt, denn in vielen Berichten zu diversen Regionen und Städten Afrikas wird lobend erwähnt, dass es “sehenswerte Architektur im Kolonialstil” zu sehen gebe. Ist der Kolonialstil sehenswert? Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber einige allgemeine Charakteristika gibt es natürlich darzulegen.

Einflüsse aus der ganzen einstmals kolonialisierten Welt

Zunächst mal ist der Name natürlich tatsächlich davon geprägt, dass ihn die Kolonialherren in den kolonialisierten Gebieten pflegten. Dies bezieht sich aber nicht in erster Linie auf Afrika, sondern auf Amerika. Später kamen immer mehr Einflüsse aus Asien, aus Indien und auch aus Afrika hinzu, wie man auch heute noch häufig an den afrikanischen Ornamenten bei der Inneneinrichtung sehen kann. Denn der Kolonialstil bezieht sich sowohl auf Architektur als auch auf Inneneinrichtung (und im weitesten Sinne sogar auf Accessoires am Körper).

Architektur

In der Archtitektur unterscheidet man den englischen, in den USA besonders verbreiteten Stil, den deutschen, den französischen, den holländischen, den spanischen und den georgianischen Stil. Beim englischen Stil wird viel Holz verwendet, beim holländischen hingegen mehr Stein. Der französische Stil mit seinen typischen Walmdächern gegen die Hitze ist vor allem in Louisiana zu finden, die Häuser standen wegen häufiger Überschwemmungen leicht erhöht. Der spanische Stil findet sich meist in Kalifornien, ist aber auch von der dortigen Pueblokultur beeinflusst. Zunächst oft nur Einzimmerhütten aus Holz mit einem Schilfrohrdach, wurden auch diese Bauten im Laufe der Zeit größer. Der deutsche Stil ist geprägt von “Fachwerkhäusern”, die am Fundament aus Stein und erst darüber aus Holz bestehen. Später wurden dann nur noch Steine verwendet.

All diese Stile findet man in ähnlichen Anteilen je nach der Kolonialmacht auch in Afrika. Und meist ist vor allem signifikant, dass zwar die heimischen Architekturstile übernommen, das Baumaterial aber durch landes- oder regionstypisches ersetzt wurde. Ganze Kathedralen aus Holz gibt es im Kolonialstil.

Inneneinrichtung

Aber wie erwähnt gehört auch die Inneneinrichtung samt Dekoration dazu. Im Kolonialstil wird viel Holz verwendet, das dunkel gebeizt wird. Vintage-Koffer, exotische Blumen und afrikanische Muster gehören dazu. Mit diesen Mustern bestickte Kissen, Kleidungsstücke und Dekorationsrequisiten ebenfalls.

Da die meisten Elemente recht wild gemixt werden, ob aus Indonesien oder aus Kenia stammend, versucht man dem Ganzen ein verbindendes Element zu geben, um trotz der Vielfalt der Reize eine gewisse Ruhe auszustrahlen. Das kann eine durchgehende Farbe sein oder ein sich auf verschiedenen Gegenständen wiederholendes Muster, oder aber auch ein Material.

Wer sich im Kolonialstil einrichtet, gilt wohl zur Zeit als durchaus geschmackvoller Mensch, auch wenn der Hintergrund der Entstehung des Kolonialstils alles andere als geschmackvoll war.

Wichtiger ist für unsere Angelegenheiten hier aber ohnehin der Archtitekturstil in Afrika selbst, wo man wie erwähnt vom spanisch beeinflussten Kolonialstil über den englischen bis zum deutschen alle oben genannten Abwandlungen findet.

Beispiele für die verschiedenen Unter-Kolonialstile zeigt diese Galerie.
Ein Beispiel für eine Inneneinrichtung im (allerdings äußerst modernen) Kolonialstil findet sich hier.
Ein Beispiel für eine Kirche im Kolonialstil findet sich hier.

Creative Commons License photo credit: MACSURAK


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1 Kommentar »

  1. [...] den 1950er und 1960er Jahren in Afrika zeigt. Da ist nicht viel mit dem hier bereits dargestellten Kolonialstil, der so pittoresk und ansehnlich [...]

    Pingback by Ehemals moderne Bauten verfallen in Afrika | Touring-Afrika: Afrika Blog — 24. Februar 2011 @ 09:01

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