Die Sankore-Moschee in Timbuktu

Die Sankore-Moschee in Timbuktu

Die dem Namen nach äußerst bekannte Stadt Timbuktu liegt im seinerseits weltweit eher wenig bekannten Mali. Mit nur 55.000 Einwohnern ist die Stadt auch nicht besonders groß, verfügt aber über eine bewegte Geschichte sowie vor allem zahlreiche Erwähnungen in Film und Literatur. Sie ist eine Oasenstadt, woraus sich auch ihr Name ergibt, denn „Timbuktu“ bedeutet – wohl – Brunnen der Buktu. Es gibt eine Sage, nach der Buktu eine Sklavin war, die den Auftrag hatte, diesen Brunnen zu bewachen. Andere Erklärungen lassen darauf schließen, dass der zweite Teil der Bezeichnung „weit entfernt“ bedeutet, was dann schließlich „der weit entfernte Brunnen“ bedeuten würde.

Die Stadt liegt ja tatsächlich am südlichen Rand der Sahara, und wie auch schon manche Städte in Mauretanien hat auch Timbuktu damit zu kämpfen, dass sich der Sand der Wüste immer weiter ausbreitet. In der Nähe der Stadt ist übrigens der für das Nachbarland namensgebende Fluss Niger. In Timbuktu selbst liegen einige ausgetrocknete Arme des Nigers, die sich nur im Falle von intensiven Regenfällen mit Wasser füllen.

Timbuktus Funktion ist vor allem die eines Handelszentrums, und zwar jenes Handels von Gütern südlich der Sahara mit Gütern nördlich der Sahara. Dies erklärt auch seine große Bekanntheit über Westafrika hinaus, denn wo viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, gibt es viel größere Wahrscheinlichkeiten, dass diese jeweils in ihrer Heimat von dieser Stadt berichten und sich die Information so weit verbreitet.

Timbuktu, die Oasenstadt

Trotz dieser Bedeutung als Handelszentrum sind die Verkehrswege rund um Timbuktu eher als schlecht zu bezeichnen. Zwar hat Timbuktu einen Flughafen, doch wird dieser selten für Handelszwecke benutzt.

Vielen bekannt sind sicher die traditionellen Häuser in Timbuktu, die in Ermangelung von Stein-Material aus Lehm gebaut sind. „Bienenstockartig“ ist die Vokabel, die dieses Konglomerat an Häusern treffend bezeichnet, allerdings gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert auch mehrstöckige Gebäude nach marokkanischem Vorbild. Früher hatten letztere nach Überschwemmungen oder starken Regenfällen oft mit ihrer Stabilität zu kämpfen oder stürzten gar ein; das ist heute natürlich nicht mehr der Fall.

Die Geschichte Timbuktus ist äußerst bewegt, so gilt die Stadt als etwa im 9. oder 10. Jahrhhundert nach Christus gegründet. Seitdem wechselten Einflüsse und Besitzer. Die Stadt war einmal Teil des „Großen Reiches von Mali“, dann Teil des Reiches der Songhai, später unter dem Einfluss des Sultans von Massina.

Lange Zeit französisch kolonialisiert

Seit ca. 1826, als ein Schotte die Stadt erreichte, bringen auch Europäer ihren Einfluss auf die Stadt ein. Mehrere Versuche, Partnerschaften mit der Stadt zu errichten, scheiterten, ehe 1894 Frankreich die Stadt kolonialisierte. Durch Veränderungen der Grenzen in den umliegenden Ländern und veränderte Handelsbeziehungen verlor das einst prosperierende Timbuktu schließlich immer mehr an Gewicht und verfiel zusehends. So bezeichnete ein Journalist aus Frankfurt die Stadt in dieser Zeit einmal als „das Ende der Welt“. Auch wurde eine Versetzung nach Timbuktu für ein Mitglied der französischen Truppen als Strafversetzung interpretiert.

Seit 1960, seit der Unabhängigkeit Malis, ist natürlich auch Timbuktu wieder unabhängig, dadurch aber nicht automatisch frei gewesen. Noch 1990 versuchten die ehemals hier einflussreichen Tuareg, eine eigene Republik auszurufen. Doch 1996 fand schließlich eine Einigung stand, bei der die Beteiligten ihre Waffen verbrannten. An diese Einigung erinnert heute noch das Denkmal der „Flamme des Friedens“, das sich in der Stadt befindet.

Touristisch kaum noch interessant, wirtschaftlich darbend

Viele Teile der Stadt, so die drei Moscheen, 16 Friedhöfe und viele Mausoleen zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO, weltweit bekannt sind auch die „Bücher von Timbuktu“, wobei unklar ist, wie viele dieser Bücher sich dereinst tatsächlich in Timbuktu befanden. Die kolportierten Zahlen von über 100.000 Büchern scheinen übertrieben zu sein, da es keinerlei Anzeichen für ausreichenden Lagerraum in der Stadt gibt.

Heutzutage ist das „Festival au désert“ ein bedeutendes Musikfestival der Region, das jährlich in Timbuktu abgehalten wird. Die Innenstadt ist zwar reich an Historie, aber weitgehend heruntergekommen. Vor allem die große Arbeitslosigkeit und Armut machen der anwesenden Bevölkerung zu schaffen, die andere Sorgen hat, als die Stadt in einem guten Zustand und frei von Dreck und Staub zu halten. Vor allem amerikanische Touristen machen sich immer noch auf in die Stadt, gelockt vom Mythos der Wüstenmetropole. Vor Ort angekommen, sind sie oft enttäuscht und reisen nach kurzer Zeit wieder ab, was die Gesamtlage der Stadt natürlich nicht verbessert.

Timbuktu ist also mehr sein Ruf als eine tatsächlich lebenswerte Stadt, weshalb der weitere Zerfall nur durch einen neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung abgewendet werden könnte.

Der aber ist nicht in Sicht.

Creative Commons License photo credit: bleuguy