Wie kommen eigentlich die Grenzen in Afrika zustande?
29. Oktober 2010| Tweet |
Damals hatte man wenig Interesse daran, eine ethnisch oder historisch sinnvolle Grenzziehung zu finden, sondern vielmehr die wirtschaftliche Ausbeutung der Regionen für die an der Konferenz beteiligten Nationen möglichst effizient zu gestalten. Herausgekommen bei diesem Versuch ist das, was wir heute noch als die Grenzen von Afrika kennen, wie man sie zum Beispiel auf der Startseite von touring-afrika.de sehen kann. Festgeschrieben wurden die neuen, künstlichen Grenzen in der so genannten Kongo-Akte.
Lange Zeit kein Interesse an Innerafrika, dann ging alles ganz schnell
Dem vorausgegangen war eine Entwicklung, die die europäischen Länder immer mehr ins Landesinnere des afrikanischen Kontinents dringen ließ. Einige Jahrhunderte lang hatten die Europäer zwar für den Seeweg nach Indien ausrüstende Stationen an den Küsten des afrikanischen Festlandes unterhalten, weiteres Interesse, ins Landesinnere einzudringen, zeigten sie aber lange Zeit nicht.
Erst als gegen 1880 der Staat Kongo gegründet wurde und klar war, dass weitere ähnliche Gründungen folgen würden, setzte der “Wettlauf nach Afrika” ein, in dem alle relevanten europäischen Nationen versuchten, sich (noch nicht) ihre Pfründe zu sichern.
Belgien, das sich die heutige Demokratische Republik Kongo sicherte, konnte Deutschland und Frankreich davon überzeugen, dass eine gemeinsame Vorgehensweise den Interessen aller zuträglich wäre. So kamen neben den drei genannten Vertreter aus den USA, des Osmanischen Reiches sowie Österreich-Ungarns, Dänemarks, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande, Portugals, Russlands, Spaniens und Schweden-Norwegen zu dieser großen Konferenz zusammen.
Resultat war die Einrichtung einer großen Freihandelszone, die gleich 9 neu gegründete Staaten in Afrika umfasste, das Verbot der Sklaverei, Schifffahrtsregelungen auf den großen Flüssen Afrikas sowie Regelungen für den Fall von Interessenskonflikten.
Nach diesem Startschuss für eine Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialherren dauerte es nur noch wenige Jahre bis etwa 1895, bis das gesamte Afrika aufgeteilt war. Wie bereits erwähnt spielten ethnische Faktoren der Bevölkerung keine Rolle. Letzter Vorgang in dieser Reihe der Inbesitznahme war schließlich der Fall Ägyptens, das ab 1914 britische Kolonie wurde. Bis heute haben sich die Grenzen in Afrika trotz dieser mehr oder weniger künstlichen Aufteilung kaum noch verändert.
Der Widerspruch zwischen Nationsgrenzen und ethnischen Grenzen
Wie die Grenzen tatsächlich verlaufen müssten, zeigt eine nur sehr grobe Unterteilung in die ehtnischen Zugehörigkeiten der Bewohner Afrikas wie in dieser Karte. Selbstredend gibt es dort noch viel feinere Unterscheidungen, so dass man durchaus selbst aus kleinen Nationen mehrere Einzelstaaten hätte machen können (Beispiel: Burkina Faso). Nicht immer ist es sinnvoll, bis in die letzte Wabe der Ethnie herunterzugehen, um getrennte Staaten zu bilden. Okzetanier sehen sich schließlich teilweise auch nicht als Franzosen an, dennoch funktioniert das Gebilde “Frankreich” einigermaßen friedlich.
Warum die Grenzen Afrikas so weiterbestehen, und zu welchen innerstaatlichen Verwerfungen mit einer schier endlosen Liste an Bürgerkriegen sie in Afrika geführt haben, erklären wir dann in einem der nächsten Beiträge.
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Schlagworte: Afrika-Konferenz, Ausbeutung, Belgien, Berlin, Demokratische Republik Kongo, Deutschland, Frankreich, Freihandelszone, Grenzen, Kongo-Akte, Niederlande, Portugal, Russland, Schweden-Norwegen, Spanien, Wettlauf nach Afrika





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