Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro
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Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro

28. Oktober 2010

Blick vom Original in Rom

Blick vom Original in Rom

Die größte katholische Kirche der Welt steht anders als man annehmen würde nicht in Rom, sondern in der Elfenbeinküste. Prunk- und Geltungssucht, der Wunsch, sich mit Bauwerken unsterblich zu machen, sie herrschen (natürlich) nicht nur in Europa oder Nordamerika, sondern überall auf der Welt. Anders wäre es kaum zu erklären, dass ausgerechnet die Elfenbeinküste über eines der größten religiösen Bauwerke der Welt verfügt. Standort der Kirche ist Yamoussoukro, die Hauptstadt der Elfenbeinküste. Yamoussoukro wurde übrigens auch nicht zufällig Hauptstadt der Elfenbeinküste: Diese Stadt ist die Geburtsstadt des ersten Präsidenten der Elfenbeinküste, von Félix Houphouët-Boigny, der wiederum jenen Wunsch hatte, dieses Gebäude erbauen zu lassen.

Ex-Präsident mit Geltungsdrang verantwortlich

Die gesamte bebaute Fläche beträgt etwa 30.000 Quadratmeter, damit verfügt die Basilika Notre-Dame de la Paix zwar über eine größere Grundfläche als der Petersdom in Rom, der Petersdom bietet dennoch mehr Menschen Platz in seinem Inneren (etwa 20.000 Menschen gegenüber 18.000 Menschen in Yamoussoukro). Verwaltet wird die Kirche von den “Pallotinern”, die das Bistum Yamoussoukro betreiben. Allerdings ist das Gebäude nicht die Kathedrale dieses Bistums.

Die Grundsteinlegung des Gebäudes fand 1985 statt, nach nur drei Jahren und drei Monaten Bauzeit war die Kirche errichtet. Bemerkenswert kurz, selbst für moderne Verhältnisse bei einem solch monströsen Bauwerk. Angeblich hat Félix Houphouet-Boigny den Bau komplett selbst bezahlt, unterhalten wird die Kirche weiterhin durch die Zinsen der auf einem schweizer Bankkonto liegenden Gelder eben jenes Ex-Präsidenten.

Papst Johannes Paul II. weihte diese Kirche zwar ein, machte aber zur Bedingung seiner Teilnahme an dieser Zermonie, dass in der Nähe der Kirche auch ein Krankenhaus entstehen müsse. Dies wurde dann erst 10 Jahre später gebaut. Dazu sollte auch eine Universität gebaut werden, die zumindest im Jahr 2007 noch nur in Planung war.

Nicht das höchste christliche Gebäude der Welt

Hauptbestandteil ist als Baumaterial italienischer Marmor, die über 7.000 Quadratmeter Glasmosaik wurden in Frankreich gefertigt, von denen eines sogar den Erbauer der Kirche, Houphouet-Boigny zeigt, wie er als quasi 13. Apostel am Abendmahl teilnimmt.

Das höchste katholische Gebäude der Welt ist die Basilika Notre-Dame de la Paix trotz ihrer rekorverdächtigen Ausmaße nicht, denn diesen Höchstwert (161,53m) besitzt immer noch das Ulmer Münster, welches somit auch höher ist als der Kölner Dom (157,38m), auch wenn das auf Fotos oft schwer zu glauben ist.

Kritik wurde an diesem Gebäude bzw. an den Plänen zu seinem Bau natürlich auch geübt: Zunächst ist das Land Elfenbeinküste ein Entwicklungsland, das in vielen Bereichen Investitionen dringender nötig hätte. Dann ist, anders als man bei einem solchen Bau vermuten könnte, das Christentum in der Elfenbeinküste nur eine Minderheitsreligion. Das Projekt soll über 200 Millionen Euro gekostet haben. Der Ex-Präsident versichert zwar weiterhin, dass das Gebäude von seinem Privatvermögen gebaut wurde, daran herrschen aber immense Zweifel. Unabhängig davon, ob dies nun zutrifft oder nicht, wären Investitionen in andere Bereiche (wie eben jenes Krankenhaus und eine Universität) deutlich sinnvoller gewesen.

Nun hat Yamoussoukro zwar seinen Stammplatz in den Rekordlisten der Welt sicher, aber immer noch nicht die viel dringender benötigten Einrichtungen wie Krankenhaus und Universität. Um keinem “positiven Rassismus” zu erliegen hätte es einer solch intensiven Demonstration von der Fehlallokation vorhandener Gelder nicht bedurft. Touristisch interessant ist das Gebäude natürlich weiterhin in höchstem Maße, fragwürdig bleibt seine Errichtung dennoch.

Creative Commons License photo credit: marfis75


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