Kritik zu “Schwarz auf Weiß” von Günter Wallraff
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Kritik zu “Schwarz auf Weiß” von Günter Wallraff

14. Oktober 2010

Sieht oft nett aus, ist es aber genauso oft nicht: Deutschland.

Sieht oft nett aus, ist es aber genauso oft nicht: Deutschland.

Günter Wallraff muss man in der Bundesrepublik nicht mehr vorstellen. Er war “Hans Esser” bei der BILD-”Zeitung” und vor allem war er “Ali”, genauer sogar “Ali Levent Sinirlioglu” in “Ganz unten”, als er als vermeintlich türkischer Stahlkocher bei Thyssen in Duisburg anheuerte. In beiden Fällen deckte er die unglaublichen Machenschaften der jeweiligen Arbeitgeber auf. Ging es im Falle seiner Rolle bei BILD eher um moralisch-ethische Fragen des Journalismus, so waren es in seiner Rolle als “Ali” elementarste Sicherheitsvorschriften, die vom Arbeitgeber verletzt wurden.

Seine neue Rolle hieß “Kwami Ogonne”. Kwami Ogonne aus Somalia. Pechschwarz natürlich. Allerdings nur durch Maskenbildner. So reist Günter “Kwami” Wallraff durch Deutschland und versucht, sich auf die Spur nach dem alltäglichen Rassismus in Deutschland zu begeben, der sich vor allem an der Hautfarbe reibt und zeigt.

Günter Wallraff sucht dabei Situationen auf, die deutscher kaum sein könnten. So will er einmal einen Jagdschein beantragen, ein anderes Mal Mitglied in einem Hundeverein werden (mit einem deutschen Schäferhund), ein anderes Mal geht er in Cottbus ins Bundesliga-Stadion und mischt sich unter die harten Fans, natürlich stets von versteckten Kameras und Mikrofonen begleitet. Wenig überraschend wird er gemieden, geschnitten, belogen und teilweise drangsaliert. Im Bürgerbüro, beim Beantragen eines Jagdscheins, wirft man ihn hinaus, im Hundeverein fabuliert man etwas von Aufnahmegebühren summa summarum von 550 Euro, während es tatsächlich nur 65 Euro sind und im Stadion und Drumherum wird er natürlich wegen seiner Hautfarbe angegangen.

Erstaunlicherweise wurden alle sich so Verhaltenden vor der Veröffentlichung um ihr Einverständnis gebeten — und fast niemand hatte etwas dagegen. Die meisten würden also jederzeit wieder so handeln, und es geht eben nicht um Fälle von einmaligen Ausrutschern.

Doch wie in allen Fällen ist auch bei diesem ja durchaus provokanten Machwerk Kritik nicht weit: Die entzündet sich an zwei Faktoren.

Der erste ist, dass er sich in seiner Rolle derart plump und ungeschickt verhält, als er sich zum Beispiel einer offensichtlich allein bleiben wollenden Kneipenrunde aufdrängt, dass auch jeder andere Eindringling abgewiesen würde. Womit Wallraff selbst den Vorwurf des Rassismus entschärft.

Der zweite ist jener, dass er selbst einen Afrikaner spielt, ob aus Geltungssucht, um im Film zu erscheinen, oder weil er das Projekt vielleicht doch nicht ganz so ernst meint, ist unbekannt. Dass er selbst einen Afrikaner spielt, statt einfach einen echten Schwarzen in diese Szenen zu schicken und zu sehen, was dann passiert. Man rede “wieder einmal nur über uns, statt mit uns”, beklagen sich Schwarze in Deutschland über diesen Film. Man hätte sie ja auch einfach nach ihrem alltäglich erlebten Rassismus in nicht-inszenierten Szenen befragen können.

So bleibt anders als bei den Werken, die Wallraff groß gemacht haben, doch ein bitterer Nachgeschmack beim ja eigentlich lobenswerten Versuch, den Rassismus in Deutschland sichtbar zu machen.

Nicht der tiefgehendste Beitrag unbedingt zu diesem Thema, doch einen kurzen Überblick über Wallraffs Machwerk bietet dieser kurze Film vom WDR:



PS: Dass Wallraffs Werke selbst öfter mal ins Visier der Kritik gerieten, weil sie z. B. teilweise von Ghostwritern geschreiben wurden bzw. worden sein könnten, bewirkt bei der Betrachtung der Machart von Wallraffs Werken nicht unbedingt uneingeschränkte Annahme, dass er stets bei der Wahrheit bleibt.

PPS und Update: Hier berichtet einer der Ghostwriter davon, wie ihn Wallraff mehr oder weniger mit Kleingeld abgespeist hat.

Creative Commons License photo credit: guillenperez


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