Die Bibliotheken von Chinguetti sind in Gefahr
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Die Bibliotheken von Chinguetti sind in Gefahr

11. Oktober 2010

Symbolbild: Bibliothek in Mauretanien bedroht

Symbolbild: Bibliothek in Mauretanien bedroht

Chinguetti ist kulturell gesehen die wichtigste Stadt Mauretaniens. Es zählt sogar zu den sieben Heiligtümern des Islams. Die Stadt liegt ca. 70 Kilometer östlich von Atar und ist Heimat von mittlerweile noch etwa 15 alten Bibliotheken, die neben Standardwerken auch viele bedeutende Korantexte umfassen. Entstanden sind sie im Laufe der Jahrhunderte, weil Chinguetti lange Zeit ein wichtiges Handelszentrum war. Viele Händler suchten die Stadt auf und überließen den Bibliotheken so manches Mal Texte und Ausgaben, die sie von weit her in die Stadt brachten.

Früher waren es einmal 30 Bibliotheken, der aktuelle Stand der Anzahl ist aber nicht genau bekannt. Die Bibliotheken leiden stark darunter, dass in Mauretanien Terror, Armut und auch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den historischen Schätzen herrscht. Mauretanien erhält zwar massige Hilfszahlungen der internationalen Staatengemeinde.

Die Zahl der Bibliotheken schrumpft stetig

Doch da das Land äußerst arm ist, gibt es andere Prioritäten als die Bewahrung alter Schriften. Außerdem machen islamistische Terroristen den Betreibern der Bibliothek das Leben schwer. Wer früher davon lebte, Souvenirs an Touristen zu verkaufen, dem begegnen heute aufgrund der Sicherheitslage kaum noch welche. Früher hätten die Bibliotheken monatlich 200 Besucher begrüßen können, seit gewaltsame Auseinandersetzungen stattfanden, sind es jetzt gerade noch eine Handvoll.

Während der Austragung der Rallye Paris-Dakar 2008, deren Route traditionell auch durch Mauretanien führte, wurden vier französische Zuschauer ermordet. Seitdem meiden Europäer das Land, auch aufgrund der Sicherheitswarnungen der eigenen Regierungen.

So müssen die Bibliotheken immer wieder Teile ihrer Bestände verkaufen, um wenigstens den Rest davon bewahren zu können. Oft werden auch Bücher und alte Schriftrollen gestohlen, auf dem Hehlermarkt lässt sich damit immer noch gutes Geld verdienen.

Zu viel Sand, zu wenig Geld

Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Der Sand. “La sabble mange tout”, ist ein Sprichwort aus der Region: Der Sand frisst alles. Die Wüste wächst jedes Jahr einige Kilometer in die Stadt hinein, Geld für nötige Instandhaltungsmaßnahmen ist nicht vorhanden. Eine Strategie der Bibliotheksbetreiber ist es, einfach ein neues Stockwerk auf die Gebäude draufzusetzen, wenn sie völlig von Sand eingeschlossen sind. Doch das ist teuer und kann nicht im selben Tempo geleistet werden, wie die Wüste sich ausbreitet.

Die UNESCO bietet an, selbst Häuser zu bauen, die Bibliotheken zu übernehmen, um die bedeutsamen Schriftstücke zu retten. Doch die Betreiber der Bibliotheken trennen sich nur ungerne von ihren Einnahmequellen, auch wenn die nur noch spärlich sprudeln. Aber spärlich ist immer noch mehr als gar keine Einnahmequelle mehr zu haben.

Ob die Bibliotheken und ihre Inhalte also gerettet werden können, oder ob am Ende doch der Sand der Wüste siegt, kann zur Zeit nicht abgeschätzt werden. Die Bewohner von Chinguetti allerdings sind sich einig: Der Sand war schon immer hier, und er wird immer hier sein. Und am Ende wird er die Stadt fressen, sagen sie.

Creative Commons License photo credit: ralpe


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