Wird Süd-Sudan der erste neue Staat in Afrika seit 20 Jahren?
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Wird Süd-Sudan der erste neue Staat in Afrika seit 20 Jahren?

27. September 2010

Im Sudan herrschen nicht die besten wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Im Sudan herrschen nicht die besten wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Anfang 2011 wird es zu einer Abstimmung im Sudan kommen, genauer gesagt im Süd-Sudan. Es geht um die Frage, ob dieser Teil des Landes beim Haupt-Sudan bleiben oder unabhängig werden soll. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewohner des Süd-Sudans für ein eigenes Land stimmen werden, ist hoch. Aber ist eine solche eigene Staatsgründung auch sinnvoll?

Es gibt sicher Gründe, die für eine Abspaltung dieser Region vom Regime in der Hauptstadt Kartum sprechen: die Regierung ist islamisch und arabisch geprägt, versucht seit Jahrzehnten den im Süden lebenden, christlich und schwarzafrikanisch geprägten Menschen ihre eigene Kultur aufzudrücken. Bei diesen Versuchen floss auch immer wieder Blut, erfolgreich waren sie dennoch nicht, weshalb die Gruppierungen, die für die Unabhängigkeit des Süd-Sudans kämpfen, von einem “letzten Schritt auf dem langen Weg in die Freiheit” sprechen.

Bis ins Jahr 2005 war der Sudan Schauplatz eines Bürgerkriegs, der als der größte in Afrika gilt: über zweieinhalb Millionen Menschen verloren ihr Leben. Die Region im Südsudan war verwüstet.

Nahezu geschlossen für die eigene Unabhängigkeit

Circa 8 Millionen Menschen leben im Süd-Sudan. Obwohl sie sich offiziell meist zur Einheit des Landes bekennen, wird es schwierig sein, jemanden zu finden, der nicht für die Unabhängigkeit stimmen wird, wenn der Termin der Abstimmung gekommen sein wird.

Doch ob es dazu überhaupt kommen wird, ist zunehmend unsicher. Die Regierung in Khartum äußert sich nicht in Form von Garantien zu diesem Thema. Doch selbst wenn das Referendum wie geplant durchgeführt werden sollte, wird das Ergebnis chaotisch sein: Abgesehen von der Stadt Juba, dem Zentrum des Süd-Sudans, sind die Verhältnisse in der Region teilweise katastrophal.

Dazu kommt, dass man im Norden kaum glauben kann, dass die Bürger im Süden, nachdem nun 2005 endlich ein Friedensvertrag unterzeichnet worden war, den so jungen und fragilen Staat bereits wieder aufbrechen wollen. Im Süden wiederum wundert man sich darüber, dass sich der Norden in der gesamten Zeit kaum für den Süden interessiert hat und auch keine Gelder für Entwicklung bereit gestellt hat. Erst jetzt, als die Abspaltung des Südens droht, werden zum ersten Mal in diesen fünf Jahren Gelder bewilligt. Ein allzu durchschaubarer, billiger Versuch von Wahlkampf für die Einheit des Landes.

Der Norden unterminiert die Bestrebungen des Südens

Zu spät, wahrscheinlich, die Mehrheiten im Südsudan stehen fest. Es bleibt eher die Frage, ob der Norden das Referendum zulassen und sein voraussichtliches Ergebnis akzeptieren wird oder ob die Verwicklungen um diese Abstimmung zu einem neuen Bürgerkrieg führen, wie besonders pessimistische Zeitgenossen im Süd-Sudan befürchten.

Dass der Norden als jenen Menschen, der die Abwicklung des Referendums überwachen soll, ausgerechnet den langjährigen Chef des sudanesischen Geheimdienstes schickt, der auch bei MI5 und CIA berüchtigt ist, verbessert das Bild des Nordens im Süden nicht gerade. Weitere Maßnahmen des Nordens, um den Süden zu destabilisieren und ihm so die Möglichkeit einer Unabhängigkeit zu nehmen, könnten folgen.

Süd-Sudan ist äußerst gering entwickelt

Doch selbst wenn der Norden seine eigentlichen Versprechen, den Süden auf eigenen Wunsch in die Unabhängigkeit zu entlassen, wahrmachen würde, was kaum jemand glaubt, stünde der Süd-Sudan denkbar schlecht dar. Die Analphabetenrate in der Region liegt bei 85 (!) Prozent, die Mütter- und Kindersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt. Fast die Hälfte der Bewohner ist auf Essens-Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig geben die wichtigsten politischen Gruppierungen in der Region bis zu 60% ihrer Budgets für Waffen und Militär aus – statt sich um die wirtschaftliche Gestaltung des Landes zu kümmern.

Wie das Referendum auch ausgehen mag: die Aussichten für Süd-Sudan könnten zur Zeit schlechter kaum sein.

Creative Commons License photo credit: Vít Hassan


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