Neue Fernstraße durch den Serengeti-Park?
23. September 2010| Tweet |
Der Serengeti-Nationalpark in Tansania ist zumindest in Deutschland wohl der bekannteste afrikanische Nationalpark, dank Bernhard Grzimeks Film- und Bucharbeit zu diesem Thema. Ganz im Norden von Tansania gelegen (Karte), grenzt er an Kenia. Wie man auf der Karte sieht, ist er nicht der größte Naturpark in Tansania, dennoch ein sehr bedeutender, auch, weil er touristisch gut erschlossen ist und somit natürlich viele Einnahmen generiert und Arbeitsplätze sichert. Nun droht dem Park Ungemach von der eigenen Regierung.
Was soll im Serengeti-Park geschehen?
Es geht zwar lediglich um eine Straßentrasse von 50 Kilometern Länge, die dazu dienen soll, die wirtschaftliche Lage des Landes zu verbessern. Sie würde die Küstenregion von Tansania mit dem Victoriasee im Norden des Landes verbinden. Doch könnte der Bau dieser Trasse einschneidende Folgen für das Tierleben im Serengeti-Park haben. Naturschützer und Wissenschaftler sind wild entschlossen die Trennung einzelner Gebiete von anderen durch diese Straße zu verhindern.
Gnus zum Beispiel leben dort in einer Zahl von etwa 1,3 Millionen. Sollte ihnen der Zugang zum Wasser des Flusses Mara abgeschnitten werden, könnte sich ihre Zahl auf nur noch 300.000 verringern, befürchten anerkannte Experten. Weil somit auch weniger Pflanzen gefressen würden, könnte sich die Zahl der Buschbrände deutlich erhöhen und so die ganze Region total verändern.
Wichtige Einnahmequelle für Tansania: der Tourismus
Auch ökonomisch könnte dies mehr schaden als nutzen: Die Einnahmen durch den Tourismus machen in Tansania rund 20 Prozent der gesamten Deviseneinnahmen des Landes aus. Stürbe der Serengeti oder verlöre auch nur deutlich an Attraktivität, könnte diese wichtige Geldquelle versiegen.
Andererseits gibt es handfeste Interessen: die wirtschaftliche Lage soll sich durch diese neuen Transportmöglichkeiten nicht nur verbessern. Diese Verbesserung soll auch die Position der aktuellen Regierung stärken. Wahlen stehen bevor, und mit der Ankündigung, die Bagger zum Bau dieser Trasse ab 2012 endlich rollen zu lassen — die Pläne für diese Straße sind schließlich schon über 20 Jahre alt — verspricht sich die Regierung Rückhalt in der Bevölkerung. Die sucht händeringend nach Möglichkeiten zum Aufschwung. Und auch wenn der Tourismus eine große Einnahmequelle bedeutet: besonders viele Arbeitsplätze verschafft er nicht.
Kritiker und Befürworter der neuen Fernstraße durch den Serengeti-Park sind uneins
So gibt es auch Stimmen, nicht nur aus Tansania, die den Wissenschaftlern und Naturschützern ungerechtfertigte Panikmache vorwerfen. So drastisch würden die Auswirkungen auf die Tierwelt und letzlich das gesamte Ökosystem des Parks nicht. Dem halten diese wiederum entgegen, dass die Erfahrungen aus anderen Tier- und Naturparks gezeigt hätten, dass Einzäunungen oder andere physische Trennungen, wie es eine Straße bedeuten würde, stets zu einschneidenden Veränderungen führen.
Wer schließlich Recht hat, ist so nicht zu beurteilen, und wird sich erst zeigen, wenn die Straße tatsächlich gebaut sein wird. Dafür, einen Irrtum zu erkennen, wird es dann aber zu spät sein und der Serengeti-Park möglicherweise schon entscheidend unattraktiver geworden sein. Eine Maßnahme, die viele Risiken birgt, unkalkulierbare nahezu.
Kenia Reisen von Touring-Afrika: 14 Tage Kenia Safari
Das könnte auch interessieren:
» Bongo Flava: Rap aus Tansania
» Obama lädt afrikanische Staatschefs zu G8 ein
» Afrika: Kontinent (fast) ohne McDonald's
» Infografik: Die beliebsten Touristenziele in Afrika
» Uganda: 15 Tote bei Schiffsunglück
Schlagworte: Devisen, Einnahmen, Fernstraße, Gnu, Mara, Nationalpark, Neubau, Ökosystem, Serengeti, Tourismus





Es ist immer wieder erschreckend, was der Mensch der Natur antut. Dabei steht das Geld natürlich im Mittelpunkt. Man fühlt sich so ohnmächtig. Man kann nur hoffen, dass dieser Plan nie umgesetzt wird.
Kommentar by Bettina Hoppe — 3. Februar 2011 @ 06:36
Der Straßenbau ist das größte Verbrechen was den Serengeti Park angetan würde! Der Naturschützer Heinz sielmann würde die Händer über seinen Kopf zusammen schlagen, wenn er den Straßenbau noch mit erleben könnte!
Kommentar by Bernd Nebe — 23. Juni 2011 @ 17:49