Von Hollywood über Bollywood zu Nollywood
31. August 2010| Tweet |
“Bollywood”, benannt natürlich ebenfalls in Anlehnung an Hollywood, sowie den Produktionsort Bombay (heute Mumbai) in Indien, war zuerst da, seit den 1930er Jahren schon, nun aber gibt es auch in Nigeria ein “Nollywood”. Hier produziert man seit etwa 1970 Filme, allerdings erst sei den 1990er Jahren in nennenswerter Stückzahl. In letzter Zeit hat Nollywood sein Co-Vorbild und den Vorgänger Bollywood sogar überholt.
Produktionsart ist aufgrund der eher unzureichenden Ausrüstung meist, einen Film in nur wenigen Tagen abzudrehen und selten mehr als 10.000 Dollar an Gage und Materialkosten aufzuwenden. Da in Nigeria keine nennenswerte oder ausreichend lukrative Zahl an Kinos vorhanden ist, werden die Filme einfach direkt an die Kunden verkauft, früher auf VHS, heute auf DVD und erscheinen niemals in einem Kino nach herkömmlicher Lesart.
Billige Produktion, aber hoher Ausstoß in Nollywood
Trotz ihrer billigen Produktionsweise finden die Filme große Beliebtheit auch über die Landesgrenzen von Nigeria hinaus. Dabei werden Stückzahlen von bis zu 50.000 Filmen verkauft. Natürlich ist diese Zahl nicht mit den Besucherzahlen von Hollywood-Filmen vergleichbar, aber es sind nun mal gänzlich andere Bedingungen, unter denen gearbeitet wird.
Diese Machart der Filme breitet sich inzwischen in ganz Westafrika, insbesondere in Ghana aus. Ihre Themen liegen meistens im Bereich Dramatik, Tragik, Romantik oder auch dann und wann etwas Action. Die Hauptthemen in Nollywood stellen Religion, Liebe, Aberglaube, Verrat, Betrug, Korruption und die nigerianische Politik dar, womit zumindest im letzteren Fall ihre Kundschaft naturgemäß begrenzt ist.
Da die Bestimmungen zum Schutze der Jugend in Nigeria wohl etwas strikter sind als in Europa bzw. Deutschland, erhalten die meisten Filme aus Nollywood nur eine Freigabe ab 18 Jahren. Dabei enthalten sie in den allerseltensten Fällen Gewaltszenen oder gar Pornographie, weshalb sie in Deutschland auch meist eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Zur Zeit gibt es für — kein Wunder bei dem hohen Ausstoß — die wenigsten Filme aus Nollywood Untertitel oder gar eine Synchronisation, so dass man des Englischen schon einigermaßen mächtig sein sollte, will man einen der Filme aus Nollywood genießen.
In Europa eher als Trashfilme angesehen
Zudem halten Produktionen aus Nollywood in den seltensten Fällen den Standards aus Hollywood stand, nach europäischem Empfinden würde man die meisten Film (siehe Produktionsbedingungen weiter oben) eher als Trashfilme einstufen. Was wiederum nicht zwangsläufig etwas über ihren Wert bzw. Wertlosigkeit in Nigeria aussagt.
Bekannte Schauspielerinnen in Nollywood sind beispielsweise Genevieve Nnaji und Stephanie Okereke, bekannte männliche Kollegen sind Richard Mofe Damijo, oft auch einfach RMD genannt, und Ken Saro-Wiwa.
Das Einbetten eines Doku-Videos über die Entstehung und Arbeitsweise (Trash!) von Nollywood ist leider deaktiviert, weshalb man den allerdings sehenswerten Direktlink zu youtube verwenden muss.
photo credit: Paul Keller
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Pingback by Nollywood? — Südafrika! | Touring-Afrika: Afrika Blog — 27. April 2011 @ 09:01