Die so einfache Grammatik des Afrikaans
12. August 2010| Tweet |
Dies hat folgende Gründe:
- 1. Es gibt keine Flexion.
Das bedeutet, im Präsens ist die Verbendung immer gleich:
- ek loop
- jy loop
- hy loop
- sy loop
- dit loop
- ons loop
- julle loop
- hulle loopund für die Höflichkeitsform ebenfalls:
- u loop.
Das mag zunächst mal nicht allzu überraschend sein, im Englischen gibt es schließlich auch nur für die dritte Person Singular eine Flexion (“he/she it goes“), doch im Afrikaans wurde die Flexion sogar für die Wörter “haben” und “sein” abgeschafft, wobei zumindest beim Ersteren sich das Englische diese bewahrt hat. Beispiel für die Flexion des Verbes “sein”:
- ek is
- jy is
- hy is
- sy is
- dit is
- ons is
- julle is
- hulle is
- u is. - 2. Es gibt nur eine Vergangenheitsform. Diese wird immer mit der Form von “haben” und einem ge- vor dem Stamm gebildet. Ergo: Ek het geloop. Bedeutet auf deutsch: Ich bin gelaufen (aber auch: ich lief oder ich war gelaufen). Oder Ek hat gegaan. Ich bin gegangen (aber auch: ich ging oder ich war gegangen.)
- 3. Der Imperativ ist identisch mit der Grundform des Verbs. Wees bly! bedeutet Sei froh!, aber wees bedeutet auch sein als Infinitiv des Wortes.
- 4. Die Wörter haben nur ein Geschlecht. Okay, das kennt man wiederum aus dem Englischen und es erleichtert das Erlernen einer Sprache doch ungemein, unter Anderem auch, weil man weniger Hemmungen hat, Fehler zu machen beim Sprechen. Die Frage, ob man das richtige Geschlecht eines Wortes kennt, entfällt dabei ja. Noch dazu ist der Artikel im Afrikaans für Singular und Plural identisch: “die”. Die kind und die kinders bedeutet also “Das Kind und die Kinder”. Noch wichtiger für die Einfachheit der Sprache ist aber der letzte Punkt:
- 5. Es gibt keine Fälle. Einzig der Genitiv existiert, wird aber immer mit dem Einfügen des Wortes “se” nach dem Substantiv gebildet. Wenn man einen Satz liest wie “Die man se hond.”, braucht man wirklich nicht viel Phantasie um bei “Dem Mann sein Hund” zu landen und schon hat man einen Satz in afrikaans verstanden, in dem ein Genitiv vorkommt.
Menschen also, die nach Südafrika reisen und einen Teil ihrer Zeit in afrikaan-sprachigen Gebieten verbringen wollen, können ganz beruhigt sein. Selbst wenn sie bislang kein Plattdeutsch oder Niederländisch verstehen: Die Sprache ist derart einfach strukturiert, dass man nur die Vokabeln der Sprache lernen muss, um sie zu verstehen.
Nicht umsonst ist Afrikaans eine Ausnahme in der großen, viele Sprachen umfassenden afrikanischen Sprachfamilie, ist sie doch ein Derivat des Niederländischen. Extra einen Afrikaans-Kurs zu belegen wäre da fast schon überflüssiger Aufwand, ein Wörterbuch sollte ausreichen und natürlich direkter Kontakt mit Afrikaans-Sprechern. Denn eins, wovon die Grammatik nichts erzählt, ist immer noch die Aussprache, und die dürfte ein paar Tausend Kilometer südlich vom Ursprung der Sprache deutlich anders sein.
Viel Spaß jedenfalls, wenn man nach nur wenigen Wochen stolz behaupten kann, man spräche Afrikaans zumindest so gut, dass man eine normale Unterhaltung führen könne. Ganz schnell kann man so eine weitere erlernte Sprache in seine Vita aufnehmen.
PS: Gesprochen wird Afrikaans nicht nur in Südafrika, sondern auch in Teilen von Namibia, Simbabwe, Botsuana, Lesotho, Malawi und Sambia.
photo credit: andy_carter
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