Frankreich ist raus!
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Frankreich ist raus!

23. Juni 2010

Können sich wieder der Heimat widmen: die französischen Nationalspieler

Können sich wieder der Heimat widmen: die französischen Nationalspieler

Gar nicht so unglaublich, aber der erste “große” Europäer ist rausgeflogen. Frankreich verliert 1:2 gegen Südafrika und scheidet mit einem mageren Punkt aus 3 Spielen aus. Südafrika ist zwar ebenfalls ausgeschieden, allerdings mit erhobenem Haupte. Anders als Frankreich, das dieses Turnier mit gesenktem Haupte verlassen muss. Peinlicher als die ohnehin schon peinliche sportliche Leistung ist allerdings das Auftreten neben dem Platz gewesen.

Hochbezahlte Millionäre (ja, das ist populistisch, aber eben auch wahr!) halten es nicht für nötig, ihrem Trainer Folge zu leisten und manövrieren sich ins Abseits. Einer der Spieler beleidigt seinen Trainer auf unterste Schublade, der Rest des Teams findet danach nicht die Beleidigung schlimm und distanziert sich von ihr, sondern findet es schlimm, dass der Inhalt der Beleidigung an die Öffentlichkeit ging. Und hält das Vorhandensein eines Maulwurfs für schlimmer als dass der Trainer so auf unterste Kajüte beleidigt wurde.

Verstehen muss man das nicht, auch nicht nachvollziehen. Diese Prinzen des Schicksals, denen eben jenes ein großes Fußballtalent geschenkt hat, sind nicht deshalb automatisch auch gute, pflichtbewusste oder auch nur dankbare Menschen. Im Gegenteil, verursachen sie doch ihren eigenen Skandal, wo keiner nötig gewesen wäre. Oder, es ist ja nicht so, als dürften diese Spieler keine Meinung haben, oder sie hätten es schon vor dem Turnier austragen müssen, dass sie mit diesem Trainer nicht arbeiten können.

Schändliche Franzosen vor dem Neubeginn

Wie man liest, ist er ja tatsächlich ein schwieriger, nahezu autistischer Charakter. Aber: Das ist doch nichts Neues. Sie arbeiten seit Jahren mit ihm zusammen, und dann fällt ihnen plötzlich während einer enttäuschend verlaufenden WM ein, dass sie nicht mehr wollen. Warum nicht 3 Monate vorher? Warum überhaupt?

Dass Raymond Domenech an dieser Sache unschuldig ist, behauptet ja auch keiner. Er ist schwierig und noch dazu wohl kein großer Fachmann. Aber erst dann zu rebellieren, wenn das Ausscheiden schon vor der Tür steht, bedeutet vor allem eins: Vorher nicht die Traute gehabt zu haben, aufzubegehren. Dass es dann derart abstoßende Wort aus dem Munde von Nicolas Anelka sein mussten, wirft kein gutes Licht auf den gesamten Kader.

Frankreich steht einerseits sportlich vor dem Ruin, andererseits vor einem Neuaufbau. Domenechs Nachfolger steht in Laurent Blanc schon fest. Und eine reinere tabula rasa als er vorfindet, hat wohl selten ein Trainer bei einem Neuaufbau gehabt.

In Zukunft wird man die Franzosen wieder fürchten müssen — und nicht sie sich selbst.

Creative Commons License photo credit: dalbera


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