Südamerika dominiert in Südafrika
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Südamerika dominiert in Südafrika

21. Juni 2010

Nicht gerade hier haben die Südamerikaner so gut Fußball spielen gelernt

Nicht gerade hier haben die Südamerikaner so gut Fußball spielen gelernt

Kann man sich beim Blick auf die Weltkarte durchaus wundern, weshalb aus dem riesigen asiatischen Fußballverband gerade mal 4,5 Teilnehmer mitspielen dürfen, während in ganz Südamerika gerade mal 10 Teilnehmer in der Qualifikation an den Start gehen, sich davon aber jedes 2. Land und somit insgesamt 5 qualifizieren, gibt diese WM in Südafrika eine gute Antwort darauf. Weil sie so gut und die anderen so schlecht sind. Und “die anderen” gilt in diesem Falle für alle anderen: Europäer, Nordamerikaner, Afrikaner und Asiaten. Die Südamerikaner dominieren diese Vorrunde wie nie zuvor. Chile, Paraguay, Uruguay, Brasilien und Argentinien sind noch ungeschlagen bei dieser WM.

Gleichzeitig haben die europäischen Großmächte ebensolche, nämlich große, Probleme, ihre vermeintliche Dominanz auch umzusetzen. Frankreich, England, Deutschland, Spanien und Italien stehen bislang mit einem einzigen Sieg da. Anders gesprochen: Spanien, Italien, Frankreich und England haben noch keinen einziges Spiel gewinnen können. Während bei den Franzosen die Gründe auf der Hand liegen (ein zersplittertes Team ohne Führung), sind die Gründe bei den anderen Teams nicht ganz so leicht nachzuvollziehen.

England hat ebenfalls Probleme mit seinem Trainer

In England soll es ebenfalls eine, wenn auch nicht so groß wie die französische, Kluft zwischen Team und dem italienischen Trainer Fabio Capello geben. Das erklärt aber nicht, wieso England in der Qualifikation so überragend spielte und jetzt kein Bein auf den Boden bekommt. Auch, dass der Trainer angeblich erst ein paar Minuten vor Spielbeginn verkündet, wer denn nun auflaufe und wer auf der Bank Platz zu nehmen habe, darf für gestandene, jahrelange Profis keine Ausrede sein, warum England derart schwach, 1:1 gegen die USA und 0:0 gegen Algerien, auftritt. Man kann nur rätseln, was den Engländern regelmäßig in die Beine fährt, wenn es wieder heißt: Es ist WM. Und wieder scheitert England grandios.

Italien ist einfach nur alt

Italien hingegen leidet an Überalterung. Sagt man so. Muss aber nicht zwangsläufig ein Grund sein, schließlich gewann der AC Milan auch schon mit mehrheitlich über 30-Jährigen die Champions League (zum Vergleich: im deutschen Team sind gerade mal 2 Feldspieler über 30). Offensichtlich ist es aber so, dass das Weltmeisterteam von 2006 nicht nur seinen Zenit überschritten hat, sondern auch das frische Blut fehlt, welches den nötigen Schwung und die Kreativität auf dem Platz bringen könnte. Neben der Überalterung des Teams hat der italienische Fußball noch weitere Probleme, die zumindest teilweise auf die Nationalmannschaft ausstrahlen könnten: marode Stadien mit prekärer Sicherheitslage, ein ausgeprägtes Rassismusproblem wie man es sonst nur noch in Serbien kennt, dazu ständige Manipulationen im Fußball und verschobene Spiele. Das meiste davon war allerdings schon immer so, so dürfte es einzige am fehlenden Nachwuchs liegen, sollte Italien in der Vorrunde ausscheiden, wovon ja bislang noch nicht auszugehen ist. Die Italiener haben immer schwach angefangen.

Spanische Unglücksraben oder doch mangelnde Mentalität?

Bei den Spaniern hingegen darf man (ähnlich wie mit Abstrichen bei den Deutschen im zweiten Spiel) noch einfach davon sprechen, dass hier zugeschlagen hat, was den Fußball so interessant macht. Der Zufall, für Spanien in der Form von Pech. Etwa 20:2 Torschüsse demonstrieren die Überlegenheit der Spanier in ihrem ersten Spiel. Dass trotzdem die Schweiz die drei Punkte einsammeln konnte, kommt auch nur in einer von 10 Partien vor. Trotzdem ist die vermeintliche Dominanz der Spanier und vor allem ihr Nimbus der Unbesiegbarkeit erstmal dahin. Ob sich die zarten, wankelmütigen Gemüter der Spanier davon erholen werden, steht in den Sternen. Immer noch bleibt ein 4. Platz bei einer WM Spaniens bestes Ergebnis – und das war 1950.

Südamerika rules

Für Deutschland gilt, dass trotz des misslungenen zweiten Spiels immer noch ein glänzendes Turnier möglich ist. Die Anlagen scheinen durchaus da zu sein, denn auch in Unterzahl spielte man Serbien schließlich teilweise an die Wand. Und hätte Lukas Podolski seinen Elfmeter verwandelt, wären auch die Serben womöglich noch gänzlich umgekippt.

Kein Vergleich ist aber diese Bilanz zum Abschneiden der Südamerikaner. Die haben noch kein Spiel verloren; Argentinien und Brasilien nahmen ihre zweiten Gegner fast nach Belieben auseinander und auch die übrigen drei Teams aus Südamerika überzeugten. Wenn eine WM nicht so voller Unwägbarkeiten wäre, insbesondere in der KO-Runde, dann sollte man jetzt schon einiges Geld auf einen Weltmeister aus Südamerika setzen. Die eigentlich nur am Rande wichtige Tatsache, dass ein Team aus Europa noch niemals außerhalb von Europa Weltmeister geworden ist; Brasilien hingegen schon in den USA, in Schweden und in Japan und Korea den Titel holte und somit fern des eigenen Kontinents, tut sein Übriges zu dieser Einschätzung.

Noch hoffen wir aber, dass es anders kommt, trotz der beeindruckenden Stärke der Südamerikaner.

Creative Commons License photo credit: Felipe Skroski


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