Ein Südafrikaner spricht über Sport, Apartheid und Nelson Mandela
21. April 2010| Tweet |
Howard Carpendale.
Der eine oder andere Leser wird im ersten Moment ein Glucksen oder zumindest eine innere, leicht amüsierte Regung nicht verhindern können. Aber: doch, ja, auch Howard Carpendale ist neben seiner unglaubliche schnulzenhaften Art und seinen Songs, kurz: seinem Image, das er in Deutschland hat, doch auch ein Mensch.
Allerdings einer, der sich vom gemeinen westdeutschen Menschen unterscheidet: Er wuchs tatsächlich in Südafrika auf, in einer weißen Familie, wie man sich angesichts seines Phänotyps denken kann. Er fand es, sagt er in dem Interview, damals total normal, dass er zwar mit 6 oder mit 12 Jahren mit schwarzen “Freunden/Bekannten” gespielt habe, diese dann aber gegen 18h einen gänzlich anderen Weg nach Hause nehmen mussten als er.
Auch dass die weiße Familie einen schwarzen Butler hatte (zu welchen Bedingungen, das erwähnt er allerdings nicht), empfand er zu seiner Jugendzeit als völlig normal. Er hat als junger Mensch in Ermangelung von Fernsehen und somit der Möglichkeit, sich an anderen Stellen darüber zu informieren, nicht in Frage gestellt, dass das Leben überall auf der Welt so sein würde.
Obwohl er Fußball, zumindest die typisch deutsche Art, sich eigentlich nur für Fußball zu interessieren, nicht besonders mag, war er ein ausgemachter Sportstyp in seiner Jugend, spielte vor mehr als 10.000 Zuschauern Rugby für seine Schule und so weiter.
Mandela war für Carpendale nur ein Verbrecher
Irgendwann, obwohl ihm der Sport so viel bedeutete, erkannte er aber, dass er es nicht zum Profi bringen würde. Und wurde dann der bekannteste Südafrikaner in Westdeutschland. Allerdings aufgrund seiner Songs, nicht aufgrund seiner sportlichen Leistungen.
Was er genau über das Verhältnis der Weißen zu den Schwarzen in Südafrika zu sagen hat, auch über Nelson Mandela, den er damals für einen stinknormalen Verbrecher, aber für einen Verbrecher, nicht für einen Freiheitskämpfer hielt, dachte, liest man am besten selbst im Interview nach. Er hatte es ja auch nie schwer, als er dann ziemlich schnell erfolgreicher Schlagerfuzzi war, lagen ihm die Frauen zu Füßen und der finanzielle Erfolg dürfte auch nicht allzu gering gewesen sein.
Der Gefangene von Robben Island und der Schlagerfuzzi treffen sich
Er hat später einmal Nelson Mandela allerdings getroffen (in Deutschland), als dieser schon der Präsident seines Herkunftslandes war, der “kleine Verbrecher”, wie Howard Carpendale ihn früher empfand. Mittlerweile hatte sich aber auch Carpendales Einstellung geändert und er war stolz darauf, dass dieser langjährige Insasse des Gefängnisses auf Robben Island zu Aussöhnung statt zu Rache bereit und in der Lage war.
In Deutschland nimmt man “Howard Carpendale”, ein Name, wie er anzüglicher auf Frauen mittleren Alters nicht wirken könnte, vornehmlich als den Schlagerprinzen war. Wer das ganze Interview liest, lernt aber einen Menschen kennen, der durchaus aus einer gänzlich anderen Kultur als wir sie kennen, stammt. Und damit auch nicht gänzlich unglücklich ist, wie er ganz am Ende verrät.
photo credit: Mike Miley
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