Schon 2006 schaffte Kevin Kuranyi nicht den Sprung zur WM. Seinen Kaderplatz erhielt damals überraschend David Odonkor.

Schon 2006 schaffte Kevin Kuranyi nicht den Sprung zur WM. Seinen Kaderplatz erhielt damals überraschend David Odonkor.

Kaum schießt der junge Mann mal in der Bundesliga mehr als seine sonst üblichen 15 Tore pro Saison, werden die Stimmen laut, dass man unmöglich bei der Nationalmannschaft auf solch einen erfolgreichen Stürmer verzichten könne. Von Beckenbauer bis Bild (was ja ohnehin meist identisch ist), von Matthäus bis zum unsäglichen Fredi Bobic sprechen sich alle dafür aus, dass Bundestrainer Jogi Löw seine Verbannung Kuranyis noch einmal überdenken solle. Mit dem eindeutigen Ziel natürlich, dass Löw zu einer für Kuranyi positiven Antwort kommen solle. Denn überdenken wird er die Situation ohnehin, vielleicht aber zu ganz anderen Schlüssen kommen und bei seiner Meinung bleiben.

Kuranyi und die Nationalmannschaft, das war noch nie ein besonders gelungenes Zusammenspiel. Zwar kommt er mit 52 Länderspiel-Einsätzen fast auf so viele wie Schweinsteiger, Lahm und Podolski, doch sind seine 19 dabei erzielten Tore für einen Stürmer, der immer mal wieder auch gegen Malta oder Luxemburg antrat, ein bisschen mickrig. Die reine, geringe Zahl an Toren ist es aber nicht, die diese Liaison so unglücklich bleiben ließ.

Keine Liebesbeziehung: Kuranyi und die Nationalmannschaft

Immer wieder passte Kuranyis Spielweise gerade nicht so richtig ins System der übrigen Nationalspieler, immer wieder verstolperte er auch in der Nationalmannschaft beste Chancen – das taten andere auch – aber noch dazu wirkte er wenig sympathisch. Mit einer Attitüde und auch einem äußerlichen Auftreten, das eher an einen Mitarbeiter des nächsten Autoscooters denn an ernsthaften Profisport erinnerte, machte er sich nur wenig Freunde im deutschen Fußball.

Und so kam es Jogi Löw wohl mehr als gelegen, dass Kuranyi im Jahr 2008 von der Tribüne des Dortmunder Westfalenstadions verschwand, ohne sich abzumelden – mitten im WM-Qualifikationsspiel, während der Halbzeit, nur, weil er nicht in den Kader berufen war. Löw sprach hernach aus, dass er die Entschuldigung Kuranyis zwar annehme, ihn aber nie wieder fürs Nationalteam berufen werde. Und dabei scheint er bislang auch bleiben zu wollen.

Bild und Co. wollen Löw umfallen sehen

Der Druck allerdings auf Löw wird größer. Wenn die Bild feuert, die zwar weiterhin stetig an Auflage verliert, aber gerade im Sportbereich ihren Einfluss nur allzu gerne geltend macht, dann kann das schon mal ungemütlich werden für den jeweils betroffenen Trainer. An allen Ecken und Enden wird Löw mit dieser Frage konfrontiert werden. Zumindest so lange, wie Kuranyi seine Form hält und weiterhin in der Bundesliga erfolgreich Tore erzielt.

Da das nicht so bleiben muss und Kuranyi auch trotz seiner neuen Treffsicherheit nicht unbedingt der kombinationssicherste Spieler ist, gibt es auch Stimmen, die Löw dazu raten, nicht umzufallen und weiterhin auf Kuranyi zu verzichten. Die Alternativen in der Liga spielen schwach, Klose, Podolski haben nur je 2 Tore erzielt, Gomez immerhin 10, spielt aber auch eher unterdurchschnittlich und hat, ganz wie Kuranyi, in der Nationalmannschaft selten die nötige Bindung gefunden.

Am Ende hält Löw den Kopf hin

Löw allerdings weiß, dass er sich auf Klose und Podolski in der Nationalmannschaft verlassen kann. Und dass er seine Spieler nicht nach kurzfristigen Formschwankungen nominiert, kann man ihm durchaus positiv zu Gute halten. Letztlich wird er es sein, der seinen Kopf für den Erfolg oder eben auch Misserfolg in Südafrika wird hinhalten müssen.

Und so bleibt zu hoffen, dass er mit seiner Entscheidung, wie sie auch ausfallen wird, richtig liegen wird. Zuletzt war ihm das mit dem Aufstellen von Miroslav Klose in wichtigen Spielen ja immer mal wieder gelungen. Denn wie lange Kuranyi noch seine Treffsicherheit behalten wird, weiß nur der Fußballgott.

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