Eriksson wird Trainer der Elfenbeinküste
24. März 2010| Tweet |

Ein wenig mehr Geduld in Trainerfragen wäre auch in der Elfenbeinküste angesagt: Für nur 3 Monate kommt jetzt Sven-Göran Eriksson.
Scheich-Affäre und Sex-Affäre im Amt überstanden
Seltsamerweise überlebte Sven-Göran Eriksson beide Affären im Amt und musste erst dann gehen, als ihm der fußballerische Erfolg fehlte. Auch wenn er hier in einer Reihe mit eigentlich allen englischen Nationaltrainern seit 1966 ist, war die Kritik am (sportlichen – das muss man bei Engländern ja meist dazu sagen) Auftreten der englischen Nationalmannschaft unter seiner Ägide oft besonders hart. Im sich selbst immer noch als nicht zu Kontinental-Europa gehörig wahrnehmenden England war er nämlich der erste Ausländer, der das Team mit den drei Löwen auf der Brust betreute.
Von Lazio Rom auf Englands Trainerbank
Die lange Karriere des Sven-Göran hatte — natürlich — in Schweden begonnen, wo er zunächst bei kleineren Vereinen und später beim größten schwedischen Klub, dem IFK Göteborg trainierte. Als Aktiver war er merkwürdigerweise nicht über Einsätze bei unterklassigen schwedischen Teams, die hierzulande niemand kennt, hinausgekommen. Als Trainer dann also in der Saison 1978/1979 der Beginn der Karriere an der Seitenlinie, die bei seiner ersten größeren Station mit dem Gewinn des UEFA-Pokals (übrigens gegen den Hamburger SV, damals unter anderen mit Felix Magath) eine frühe Krönung erfuhr.
Bis 2001 war er dann hauptsächlich Trainer in Italiens Serie A, wo weitere Erfolge auf sich warten ließen. Wieso die Engländer ausgerechnet auf Sven-Göran Eriksson als Nachfolger des zurückgetretenen Kevin Keegan kam, ist nicht ganz klar. Schließlich gibt es kein besonderes System oder eine besondere Herangehensweise, für die Eriksson bekannt ist — zumindest nicht auf dem Fußballplatz.
Nun also soll er die Elfenbeinküste, bei der WM in Südafrika in der “Hammergruppe” mit Brasilien, Portugal und Nordkorea, zum kurzfristigen Erfolg führen. Was also langfristig schon mit England nicht funktioniert hat, soll nun kurzfristig unter wesentlich schlechteren Voraussetzungen klappen.
Mangelndes Vertrauen und mangelnde Geduld
Gleich zwei typische Probleme des afrikanischen Fußballs lassen sich an der Verpflichtung Sven-Göran Erikssons für das Nationalteam der Elfenbeinküste (“Die Elefanten”) festmachen: a) die meisten (schwarz-)afrikanischen Mannschaften vertrauen in letzter Konsequenz dann doch lieber Europäern oder Südamerikanern, wenn es darum geht, ihre eigenen wichtigsten Teams trainieren zu lassen. Gleichzeitig zeichnet sie dabei aber eine besondere Ungeduld aus, womit Punkt b) erreicht ist: viel zu wenig Geduld mit den einmal ausgewählten Trainern. Während in Europa die Teams mit ihren Trainern mindestens die zwei Jahre Vorlauf vor einem großen Turnier erhalten, um ihre Teams vorzubereiten und einzustellen, soll der selbe Prozess in den afrikanischen Teams meist innerhalb von nur 3 Monaten über die Bühne gehen.
Dass das selten gut geht, zeigt das bisherige Abschneiden afrikanischer Teams bei internationalen Turnieren. Eriksson wäre erst der zweite Trainer überhaupt, der mit einer afrikanischen Mannschaft ein WM-Viertelfinale erreicht. Das Spielermaterial hat er mit der Elfenbeinküste sicher zur Verfügung, ob die Zeit aber für eine adäquate Vorbereitung reichen wird, ist mehr als fraglich.
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