Lohnt sich die WM für Südafrika?
4. März 2010| Tweet |

Wird den Südafrikanern auch nach der WM erhalten bleiben: neue Bahnen, neue Straßen, neue Infrastruktur.
Südkorea beispielsweise hat nahezu überhaupt nicht spürbar von der WM im eigenen Lande profitiert, für Deutschland gilt, dass das Land ohnehin – trotz allem Gejammer – auf vergleichsweise hohem Niveau angesiedelt ist. Und jene Touristen, die extra für die WM nach Deutschland gekommen waren, halten sich ungefähr die Waage mit jenen, die extra wegen der WM nicht nach Deutschland gereist sind. Insofern erhält der interessierte Leser auch aus Deutschland keine genauen Zahlen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen, Gastgeber einer WM zu sein.
Stadien nach der WM ausrangiert und überflüssig
Eines unterscheidet die WM in Deutschland aber ganz sicher von jener in Südafrika, aber auch von jener in Südkorea: Nach der WM stellte sich die Frage, ob die WM-Stadien denn ausreichend genutzt werden können, nicht. In Südkorea gibt es zwar eine Fußballliga, ebenso wie in Südafrika, doch in beiden Ländern erreichen die Zuschauerzahlen nicht annähernd jene Kapazitäten, für die die Stadien für eine WM errichtet werden mussten. Die kleinsten WM-Stadien müssen mindestens 40.000 Zuschauer fassen (bei einer EM sind es 30.000), fürs Halbfinale 60.000 und fürs Finale mindestens 70.000 Zuschauer. 70.000 Zuschauer aber hat es bei einem Ligaspiel in Südkorea noch nie gegeben, in Südafrika höchst selten. Und so stehen in Südkorea und in Südafrika ab Mitte Juli 2010 zwei ganze Handvoll Stadien herum, die danach eigentlich niemand mehr benötigt.
Ganz anders, wie bereits erwähnt, die Lage in der deutschen Bundesliga, in der die Zuschauerzahlen die höchsten der Welt sind, noch höher als im Mutterland England und im fußballverrückten Brasilien – die Stadien in Deutschland könnten eigentlich gar nicht groß genug sein. Zudem konnte sich Deutschland noch den Luxus leisten, 3-5 Bewerberstädte abzuweisen. Und selbst diese jammern nun nicht über ein Stadion, das sie gar nicht gebrauchen können – ungebrochen ist der Bann des Fußballs in Deutschland.
Südafrika hat mehr als 40 Milliarden Euro investiert
Da stellt sich nun noch mal die Frage, wie viel Südafrika denn in seine Stadien investiert hat: 33 Milliarden Rand (3,14 Milliarden Euro) direkt in die Stadien. Dazu noch mal die für Südafrika enorme Summe von 400 Milliarden Rand (38,1 Milliarden Euro) in allgemeine Infrastruktur (Straßen, Energie und Flughäfen). Natürlich bleiben die Investitionen in die Infrastruktur den Bürgern Südafrikas auch nach der WM erhalten, kommen der Attraktivität des Landes für Touristen, aber auch für Investoren zugute, sodass Südafrika von diesen enormen Investitionen auch später noch profitieren wird. So zumindest argumentieren die Befürworter der Entscheidung, die WM nach Südafrika zu holen.
Zur WM selbst haben die Südafrikaner allerdings ein mittleres Eigentor geschossen. Statt wie erhofft 500.000 kommen voraussichtlich nur 350.000 Touristen zur WM ins Land. Zu teuer sind die Aufschläge auf Flüge nach Südafrika, innerhalb Südafrikas und auch für die Hotels und sonstige Unterkünfte in Südafrika. “Selbst den Deutschen sind unsere Preise zu hoch”, beschweren sich im Tourismus Beschäftigte, die keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Fluglinien und großen Hotelketten haben. Womit sie leider nicht ganz falsch liegen.
Ob die WM aber langfristig einen positiven Effekt für das Land Südafrika haben wird, muss damit noch nicht zwangsläufig negativ bewertet werden. Wie es sich in einigen Monaten und Jahren darstellen wird, werden wir sicher hier auf der Seite ebenfalls berichten.
photo credit: garybembridge
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Schlagworte: Stadien, WM-Finale, WM-Halbfinale



