“The Namibian” | Touring-Afrika: Afrika Blog
Touring-Afrika.de - Startseite


   
 

 

 


“The Namibian”

Eine Zeitung in Namibia

Eine Zeitung in Namibia

In Afrika erscheinen täglich zahlreiche Zeitungen in den verschiedensten Sprachen. Viele Blicken auf eine lange Geschichte und eine schwierige Gründungszeit zurück. Doch kaum eine Zeitung ist so geschichtsträchtig wie „The Namibian“, die von der Journalistin Gwen Lister 1985 ins Leben gerufen wurde.

Für Demokratie und Pressefreiheit
Gwen Lister sagte einmal, dass sie den Beruf der Journalistin ergriffen habe, um von den versteckten und geheimgehaltenen Dingen zu berichten. Davon ließ sich die Journalistin auch nicht abbringen, als die Demokratie und die Pressefreiheit in Namibia noch mit Füßen getreten wurde. Es war die schwierige Zeit, als südafrikanische Panzer ins nördliche Ovamboland rollten, die Zivilbevölkerung sich nicht mehr auf die Straße traute und per Gesetz und mit massiven Drohungen Pressevertreter daran gehindert wurden, über die militärischen Vorgänge an der Grenze zu Angola zu berichten. Gwen Lister arbeitete damals für die Zeitung „Windhoek Observer“, doch dessen Verleger und Chefredakteure standen unter einem erheblichen Druck und beugten sich der eingeschränkten Pressefreiheit.

Es blieb nur die Gründung einer eigenen Zeitung
Egal über was Gwen Lister auch berichtete, ihre Beiträge wurden nur mit Zensur veröffentlich. Das wollte die Journalistin sich nicht gefallen lassen, denn schließlich fühlte sie sich den Lesern gegenüber verpflichtet und kämpfte für eine Demokratie in Namibia. Ihr blieb also nichts anderes übrig, als die Gründung einer eigenen Zeitung. Das war die Geburtsstunde für „The Namibian“. Endlich fand Lister eine Plattform und ein Sprachorgan für ihre kritischen und bissigen Beiträge.

Im Jahre 1985 erschien die erste Auflage
Im Jahre 1985 war es dann endlich soweit: „The Namibian“ erschien zum ersten Mal. Die Kritiker verstummten schnell, denn die schwarze Bevölkerung hatte nun endlich eine Art oppositionelle Zeitung. Endlich interessierte sich jemand für ihre Probleme und publizierte sie. Doch die weiße Bevölkerung lief Sturm dagegen und ein Konflikt lag in der Luft.

Die Redaktion hielt durch
Der Ärger war vorprogrammiert, denn was für die schwarze Bevölkerung endlich ein Sprachohr darstellte, war für die weiße Bevölkerung nur eine oppositionelle  Journalistin, die sich für die Belange der „Kohlensäcke“ einsetzte. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen der ersten Ausgaben gab es einen Anschlag mit Brandbomben. Dabei wurden Redaktionsräume und Büros niedergebrannt. Gwen Lister erhielt Morddrohungen, doch gerade diese Vorfälle stärkten sie darin, auch weiter für ein Erscheinen ihrer Zeitung zu sorgen und für eine ehrliche Berichterstattung zu stehen.

Gwen Lister kämpfte weiter
Die Journalistin ließ sich nicht unterkriegen und reiste in das Ovamboland, um direkt über die Vorfälle zu berichten. Was sie dort sah war schlimmer, als sie jemals für möglich gehalten hatte. Sie interviewte Menschen, die alles verloren hatten und schreckte auch nicht davor zurück, Bilder von gefolterten Kindern zu zeigen, deren Gesichter man an Auspuffen der Militärfahrzeuge absichtlich verbrannt und entstellt hatte.

Trotz der großen Anzahl von Analphabeten in der schwarzen Bevölkerung gewann „The Namibian“ jede Woche neue Leser. Heute ist „The Nambian“ eine der führenden Tageszeitungen des Landes.

(Carina Tietz)
Quellenangaben zum Foto: © Knipsermann – www.pixelio.de

Weitere interessante Beiträge:
» Afrika bei Tag und bei Nacht
» Nützliche Listen: Die größten Unternehmen in Afrika
» Puma-Werbung für Afrika: Journey of 2010
» Buchtipp: Kochen für einen guten Zweck
» Etymologie des Wortes "Afrika"


Schlagworte: , , , ,

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar