Keiner will Tickets für die WM in Südafrika
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Keiner will Tickets für die WM in Südafrika

19. Januar 2010

Bei der WM in Südafrika drohen äußerst leere Stadien. Den Ticketverkauf mit "schleppend" zu bezeichnen, wäre noch untertrieben.

Bei der WM in Südafrika drohen äußerst leere Stadien. Den Ticketverkauft mit "schleppend" zu bezeichnen, wäre noch untertrieben.

Hatten wir vor wenigen Tagen erst berichtet, dass der Ticket-Absatz für die WM 2010 in Südafrika ein wenig schlaff daherkommt, müssen wir jetzt zugeben, dass wir den allgemein zu lesenden Verlautbarungen aufgesessen sind. Fakt ist: Es ist viel schlimmer! Eigentlich war es eher als Scherz gedacht, dass es angenehm ist, dass erst 6.500 der dem DFB zustehenden 21.000 Tickets für die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft verkauft sind. Tatsächlich sind aber erst etwas mehr als 1.000 Tickets verkauft. Die 6.500 bezogen sich auf die Zahl der Tickets, die ingesamt (also inklusive KO-Runden-Spiele, also Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale und Finale) in Deutschland bislang verkauft wurden plus diejenigen Tickets, die der DFB sowieso für sich in Anspruch nimmt. Für die “DFB-Familie”, der logischerweise nicht die direkten Familienangehörigen der DFB-Oberen angehören, sondern Ex-Spieler, verdiente Menschen (wer auch immer das sein mag), Edel-Fans und möglicherweise sogar ein paar Journalisten. Real verkauft wurden an Interessenten in Deutschland für die deutschen Vorrundenspiele bislang knapp 1.950 Tickets, das bedeutet pro Spiel (gegen Australien, Serbien und Ghana) gerade mal 650 Tickets. Da werden ja bei jeder Kegelweltmeisterschaft in Estland mehr Tickets für deutsche Vorrundenspiele abgesetzt!

Von 21.000 Tickets erst knapp 2.000 verkauft

Zugegebenermaßen sah es bei der WM 2002 im noch weiter entfernten Japan und Südkorea anfänglich ähnlich schlecht aus mit dem Ticket-Absatz für die deutschen Vorrundenspiele über den DFB. Und man muss auch ins Kalkül ziehen, dass jeder, der jetzt von dem schlechten Ticket-Absatz liest, der aber trotzdem Interesse hat, darauf spekulieren wird, die Tickets direkt vor Ort — ob auf dem Schwarzmarkt oder dann doch angesichts der schlechten Absatzzahlen eingerichteten Direktverkaufsstellen — wesentlich günstiger zu bekommen, als wenn er jetzt schon ein Heidengeld ausgibt, um später dann in einer halbleeren Arena, allerdings mit voller Vuvuzela-Dröhnung zu sitzen.

Es ist auch nicht so entscheidend, ob genug deutsche Fans nach Südafrika zur WM reisen werden oder nicht: Die deutsche Mannschaft wird ihre Spiele auch in einem halbleeren Stadion gewinnen — oder auch verlieren, da beißt die Maus kein Faden aus. Problematisch für die Ausrichter der WM in Südafrika ist allerdings, dass gerade die anderen, großen, fußballinteressierten Nationen in Europa einen ähnlich schlechten Absatz melden wie Deutschland. England, Niederlande, Dänemark, alles keine Länder, die nichts von Fußball-Tradition (und dementsprechender Fankultur) wüssten. Insbesondere England, schließlich ist Englisch eine der Amtssprachen in Südafrika, verwundert ob der ebenfalls so äußerst geringen Anzahl an bereits verkauften Tickets. (Und für Engländer kommt noch mal hinzu, dass eigentlich in jedem Land, in das sie reisen, das Bier billiger ist als bei ihnen zu Hause, was Reisen zu einem Fußball-Turnier noch mal besonders attraktiv erscheinen lassen müsste.)

Stell dir vor, es ist WM, und keiner geht hin

Der gute Sepp, da hat er sich so abgemüht, endlich mal eine WM in Afrika, im konkreten Fall dann in Südafrika, stattfinden zu lassen, und jetzt: Kommt kein Schwein. Aus Frankreich, Portugal, Spanien, Mexiko werden die selben ernüchternden Zahlen beim Ticket-Absatz gemeldet. Einzig in Brasilien florieren die Tickets. Ein einziges gut laufendes Teilnehmerland ist aber ein bisschen wenig für eine stimmungsvolle und erfolgreiche WM. Aber neben dem meteorologischen Problem — im Sommer ist Winter in Südafrika — halten eben auch horrende Hotelpreise und möglicherweise auch die Frage nach der Sicherheit die Interessenten ab. Kaum vorstellbar, dass jemand aus Sicherheitsgründen damals nicht zur WM nach Japan und Südkorea geflogen wäre. Die Anschläge in Angola mögen, wenn auch unberechtigterweise, ihr Übriges zur empfundenen Sicherheit in Südafrika beigetragen haben.

Wenn kein Schwein kommt, wird auch die Fifa ein wenig bauchlanden mit ihrer tollen Idee, ein WM-Turnier in einem Land zu veranstalten, in dem sich der durchschnittliche Bürger ein einzelnes WM-Ticket gar nicht leisten kann, so er nicht Haus und Hof verkaufen oder Frau und Familie hungern lassen will. Dass diese Idee von vorneherein nicht die brillanteste war, hätte sich noch davon retten lassen können, wenn die zahlungskräftigen Touristen aus aller Welt gekommen wären. Wie es scheint, kommen sie aber nicht: Warum nach Südafrika reisen, wenn man das Ganze auch bequem zu Hause im Fernseher oder beim Public Viewing sehen kann? Verständlich, bei all den Querelen, die es um das Austragungsland gab und gibt.

Es ging nie darum, die WM in Südafrika zu einem Fest werden zu lassen

Der Sepp wird es nicht bereuen. Ihm ging es nicht um Südafrika und seine Fortentwicklung oder um ein funktionierendes Fußballfest in Südafrika, sondern darum, sich genügend Stimmen für eine Wiederwahl als Fifa-Präsident zu sichern. Dazu wird die Vergabe des WM-Turniers nach Südafrika, bzw. zum ersten Mal überhaupt nach Afrika einen nicht unbedeutenden Teil beitragen können. Wenn die WM floppt: so what? Ist es Sepps Schuld, dass die Deppen in Europa keine Zigtausende Euro für ein paar Tage Urlaub und ein oder zwei WM-Spiele bezahlen wollen?

Creative Commons License photo credit: khrawlings


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1 Kommentar »

  1. [...] schön werden sollende “Fußballfest” in Südafrika, der WM 2010. Nachdem schon in Deutschland (fast) niemand Tickets kaufen will, wird jetzt auch aus dem kleinen südlichen Nachbarn vermeldet, dass es dort kaum Interesse gibt, [...]

    Pingback by Auch in der Schweiz noch massig WM-Tickets zu haben | Touring-Afrika: Afrika Blog — 24. Januar 2010 @ 21:50

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