Afrika-Cup beginnt mit Tragödie
11. Januar 2010| Tweet |
Anders als es in Südafrika der Fall wäre ist hier – zumindest nicht in engerem Verständnis – Armut die Ursache für die Kriminalität. Zu den Anschlägen bekannte sich die FELC, die Unabhängigkeitsbewegung der angolanischen Provinz Cabinda, aus ihrem Exil in Frankreich. Der FELC geht es um eine Loslösung vom angolanischen Hauptstaat und eine unabhängige Staatsform. Neben kulturellen Besonderheiten dieser Region, die eine eigenständige Nation rechtfertigen würden, soll es in diesem Konflikt vor allem um die öl- und sonstige ressourcenreiche Küstenregion dieser Provinz gehen.
Diabolische Form der Aufmerksamkeits-Gewinnung
Die “Rebellen” haben nun die Austragung des Afrika-Cups genutzt, um mit diabolischen Methoden auf sich aufmerksam zu machen. Dies ist ihnen, auch in diesem Blog, gelungen und die Welt kennt nun Cabinda und seine Unabhängigkeitsbestrebungen.
Warum die Verantwortlichen bei Ausrichter Angola bei insgesamt überhaupt nur 4 verschiedenen Austragungsorten – neben Cabinda soll noch in Luanda, Benguela und Lubango gespielt werden – unbedingt in die nicht krisenfeste Region Cabindas ziehen mussten, kann eigentlich nur einen Grund haben: Potenziellen Investoren zu demonstrieren, dass diese Region sicher sei, sowohl für ökonomische Investitionen als auch für eventuellen Tourismus. Das ist nun leider gründlich nach hinten losgegangen: 3 Menschen mussten diese waghalsige Entscheidung mit ihrem Leben bezahlen und Investoren sind vielmehr verschreckt als dass neues Interesse geweckt hätte werden können.
Kritik an Ausrichter Angola schon im Vorfeld
Schon lange im Vorhinein war die Vergabe des Afrika-Cups nach Angola – auch und gerade in Afrika selbst – scharf kritisiert worden. Das Land ist zwar aufgrund seiner starken Rohstoffvorkommnissen eins der Boom-Länder Afrikas. Wie in so vielen Ländern profitiert aber auch in Angola mehrheitlich nur eine kleine, ohnehin schon gut situierte Elite, während das Gros der Bevölkerung von den großen Umsätzen und Reichtümern nicht nur nichts sieht, sondern auch nichts – in Form von Investitionen in Infrastruktur oder Ausgaben für Bildung – hat.
Anders als in Südafrika, das einen friedlichen Übergang von der Apartheid zur jetzigen Demokratie erlebt hat, herrschte in Angola noch bis ins Jahr 2002 Bürgerkrieg. Eine Tatsache, die sich heute neben der ungleichen Verteilung der Einkommen immer noch bemerkbar macht. Angola verfügt über nahezu kein funktionierendes Transportsystem, nicht mal eine ausreichende Zahl an Taxen und nirgendwo ist der Preis für europäischen Lebensstandard so hoch wie in Luanda, der Hauptstadt Angolas: 350 Euro kostet ein vergleichsweise normales Zimmer, 12 Euro (!) ein Cheeseburger – während viele der Einwohner Angolas mit 1,50 Euro am Tag auskommen müssen.
Alles verspielt?
All dies zusammengenommen hatte schon vor den jetztigen traurigen Vorfällen die Zahl der Kritiker von Angola als Austragungsort des Afrika-Cups 2010 groß werden lassen – sie sehen sich jetzt bestätigt und Angola versucht auf bislang hilflose Art und Weise, mit dieser Tragödie umzugehen. Neben der Tatsache, dass es nicht mal eine Änderung der Eröffnungsfeier gab, wurde das togolesische Team auch noch bedrängt, trotz der Todesopfer unter den eigenen Leuten am Turnier teilzunehmen. Zu viel Geld, zu viel Prestige stünden auf dem Spiel. Doch beides ist, so scheint es, bereits vor dem ersten Anstoß verspielt.
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Schlagworte: Afrika-Cup, Angola, Anschlag, Attentat, Boomland, Cabinda, FELC, Öl, Ressourcen, Togo, Unabhängigkeit





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